Kreis Südliche Weinstraße Er will’s noch mal wissen

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Beim Neujahrsempfang am Sonntag hat Annweilers Stadtchef Thomas Wollenweber die Katze aus dem Sack gelassen: Er werde für das Amt des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Annweiler kandidieren. Er wagt also einen erneuten Versuch. Zur Erinnerung: Bei der Bürgermeisterwahl vor acht Jahren war der Lokalmatador überraschend dem Edenkobener Kurt Wagenführer (FWG) unterlegen. Entgegen der Prognosen zweier RHEINPFALZ-Umfragen. „Die Umfragen haben mich ja als vermeintlichen Sieger vorausgesagt. Da wird das Selbstbewusstsein gestärkt. Danach war die Enttäuschung umso größer“, erinnert sich der 53-Jährige und gesteht, dass es eine ganze Zeit dauerte, bis er die Niederlage verdaut hatte. Jetzt will er es noch einmal wissen. Denn eine zweite Chance auf seinen Traumjob bekomme man selten. Während sich Amtsinhaber Wagenführer und Dernbachs Ortsbürgermeister Harald Jentzer (parteilos) schon vor einer Weile bekannten, ließ sich der Sozialdemokrat mehr Zeit für seiner Entscheidung. „Es war ein Prozess, in den ich unterschiedliche Überlegungen einbezogen habe.“ So auch seinen Job beim Bildungsministerium, wo er die Entwicklung einer landesweiten Schulverwaltungssoftware leitet. „Eine tolle Aufgabe, ein großartiges Team. Da muss man sich die Frage stellen: ,Will man das aufgeben?’“ Er würde es. Denn er fühle sich seinem kleinen Städtchen und der Verbandsgemeinde sehr verbunden. „Ich habe auf mehreren Kontinenten gelebt und gearbeitet. Aber ich bin immer wieder in meine Heimat zurückgekommen. Und ich glaube, dass ich etwas mitbringen kann, von dem die Verbandsgemeinde profitieren könnte.“ Warum er sich für den geeigneteren Kandidaten hält? Eine schwierige Frage ... Er sei mit Leib und Seele der Region verhaftet und bringe die Leidenschaft des dort Geborenen mit, sagt er mit einem kleinen Seitenhieb auf den Amtsinhaber, der neben seiner Wohnung in Annweiler auch noch in Edenkoben beheimatet ist. Was Erfahrung und Qualifikation angehe, nehme er sich mit Wagenführer wohl nichts. Aber es sei eben ein Unterschied, ob man es gewohnt sei, mit den Mitbürgern und deren Belangen umzugehen, so Wollenweber, der seit 13 Jahren Stadtchef von Annweiler ist. „What you see is what you get“ (Was du siehst, ist das, was du bekommst), formuliert er: Die Menschen hätten gesehen, wo seine Stärken liegen. Aber sie hätten auch seine Schwächen gesehen. Auf jeden Fall bekämen sie einen Kandidaten mit Leidenschaft. Sein Hauptanliegen würde es sein, die Ortsgemeinden zusammenzubringen. „Aus den Einzelteilen mehr als die Summe machen.“ Denn jeder Ort bringe besondere Talente mit, die besonders in Zeiten eines finanziell engen Spielraums und der Wichtigkeit des Ehrenamts eine große Rolle spielten. Dass in dieser Hinsicht bisher zu wenig gemacht wurde, das denkt er auf jeden Fall. Das Zusammenrücken – in touristischen, kulturellen und auch ganz praktischen Belangen – funktioniere natürlich nur, wenn die Ortsbürgermeister dies auch wünschten. „Aber ich denke, sie sind dazu bereit.“ Ihm habe die Formulierung Harald Jentzers im RHEINPFALZ-Gespräch gefallen, die Verbandsgemeinde als Dienstleister für die Ortsgemeinden zu sehen. Die VG habe nur wenige originäre Aufgaben wie Brandschutz, Grundschulen, Werke und Tourismus. Die Schullandschaft sei unglaublich vorangebracht worden, die Feuerwehr habe einen hohen Standard. Diese Aufgaben wolle er weiterführen wie bisher, so Thomas Wollenweber. „Ansonsten ist die VG nur eine Verwaltungseinheit, die aber funktionieren muss.“ Hier sieht er das Mitarbeiterpotenzial noch nicht ausgeschöpft. Jentzer hält er übrigens nicht für einen Außenseiter bei der bevorstehenden Wahl. „Er ist ein gestandener Bürgermeister und hat das Herz am rechten Fleck.“ Alle drei Kandidaten seien sich sympathisch und er erwarte einen fairen Austausch im Wahlkampf. „Ich halte das Rennen für offen und sehe meine Chancen nicht schlechter als die der anderen.“ Und er glaubt sogar, dass noch mehr als die bisherigen drei Kandidaten antreten werden. Wenn, wäre es nur gut für den Bürger, nicht nur die Wahl, sondern auch eine Auswahl zu haben. Sollte es mit dem Posten klappen, würde er seine Amtszeit als Stadtbürgermeister auslaufen lassen. „Ich strebe keine Personalunion mehr an.“ Diese hätte bestimmt Synergieeffekte, aber offensichtlich wollten die Bürger dies nicht, da sie befürchteten, dass zuviel Macht in einer Hand gehalten werde. „Ich glaube zwar nicht daran, aber ich kann es nachvollziehen. Und damit ist die Sache erledigt.“ Dass nach dieser Legislaturperiode Schluss sein soll, gelte auch, wenn es mit dem Verbandsbürgermeisteramt nicht klappen sollte. „Noch mal kandidieren. Nicht wirklich. Dann darf auch mal ein Jüngerer ran.“ Hat er Angst, eine zweite Wahlschlappe einstecken zu müssen? Angst? Nein, die habe er nicht. Seine erfüllende berufliche Situation mache es ihm leicht. „Ich müsste nicht traurig sein, wenn es nicht klappt.“ Seinem Arbeitgeber, dem Bildungsministerium, habe er bereits über seine Pläne Bescheid gegeben. Er umgebe sich gerne mit einem starken Team und ist sicher, dass es darin Menschen gibt, die seine Aufgabe übernehmen könnten. „Niemand ist unersetzbar.“

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