Herxheim / Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Eberspächer: Arbeitnehmervertreter kämpfen gegen Kahlschlag

Am Eberspächer-Standort Herxheim stehen knapp 200 Mitarbeiter vor dem Aus.
Am Eberspächer-Standort Herxheim stehen knapp 200 Mitarbeiter vor dem Aus.

Betriebsrat und IG Metall fordern von Eberspächer die Rücknahme der Entscheidung, die Produktion in Herxheim zu schließen. Und sie sehen auch den Standort Landau gefährdet.

Der Automobilzulieferer Eberspächer Catem stellt die Produktion am Standort Herxheim im Herbst 2025 ein. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt in Herxheim Beheizungskonzepte für Fahrzeuge. Die Nachricht der bevorstehenden Schließung traf vor allem die 186 unmittelbar betroffenen Mitarbeiter, aber auch die Arbeitnehmervertreter aus heiterem Himmel. Gut eine Woche später ist der erste Schock verflogen und großer Wut gewichen. Betriebsrat und IG Metall zeigen sich kampfbereit, wie beide gemeinsam betonen. „Wer Stellen abbaut und Existenzen zerstört, wird Probleme bekommen. Das werden wir so nicht akzeptieren“, sagt Marc Tinger, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Landau. „Wir werden Widerstand leisten.“

In einem ersten Schritt fordern Tinger und der Betriebsratsvorsitzende Joachim Spielberger „den Arbeitgeber ultimativ dazu auf, den Beschluss zur Schließung des Produktionsstandorts Herxheim zurückzunehmen“. Sollte der Betrieb dem nicht nachkommen, würden derzeit bereits Aktionen für Januar geplant. Was konkret möglich ist, werde noch juristisch geprüft, erklärt Tinger. Möglich ist zunächst einmal alles bis hin zu einem Streik. „Wir nehmen da erstmal nichts vom Tisch.“

Von der Schließung des Ronal-Werks in Landau sind 500 Beschäftigte betroffen.
Von der Schließung des Ronal-Werks in Landau sind 500 Beschäftigte betroffen.

Gewerkschaft sieht „massiven Wortbruch“

Der Ärger bei den Arbeitnehmervertretern über den Kahlschlag ist umso größer, weil schon im Sommer dieses Jahres 150 Stellen in Herxheim gestrichen wurden. Um den Standort zu retten, verzichteten die verbliebenen rund 320 Beschäftigten auf Tarifleistungen wie Sonderzahlungen, wie Spielberger betont. Der 2. Bevollmächtigte der IG Metall Landau und zuständige Betriebsbetreuer, Harald Lange, verweist auf den gültigen Haustarifvertrag. Dieser schreibe eine Beschäftigungssicherung der Belegschaft bis zum 31. Dezember 2026 fest und schließe die angekündigte Verlagerung der Produktion vom Standort Herxheim nach Bulgarien und Polen definitiv aus. Er spricht von einem „massiven Wortbruch“.

Für Verunsicherung sorgt das Aus in Herxheim auch am Eberspächer-Standort in Landau, wo noch rund 240 Menschen arbeiten. Im Sommer wurden dort 55 Stellen abgebaut. Eine Unternehmenssprecherin teilt auf Nachfrage mit, dass die Entscheidung aktuell keine Auswirkung auf den Standort Landau habe. „In Landau werden Elektroniken für Produkte wie Batteriemanagement-Systeme oder die Start-Stopp-Technologie und auch für Fahrzeugheizungen entwickelt und hergestellt. Diese Entwicklung und Produktion erfolgen für verschiedene Eberspächer Standorte. Das heißt, zwischen Landau und Herxheim besteht kein 1:1 Zusammenhang“, erklärt sie. Der Herxheimer Betriebsratschef Spielberger sieht das anders. „Ich gehe davon aus, dass das mittelfristig Auswirkungen auf Landau haben wird“, sagt er. Denn dort würden neben anderen Teilen auch elektronische Bauteile für Herxheim produziert.

Bei Eberspächer in Landau arbeiten noch rund 240 Menschen.
Bei Eberspächer in Landau arbeiten noch rund 240 Menschen.

Massiver Kahlschlag in der Südpfälzer Industrie

„Jeder Job, der geht, wird wehtun“, sagt Tinger. Und zwar nicht nur in Richtung Eberspächer. Denn der IG-Metall-Bevollmächtigte sieht den kompletten Industriestandort Südpfalz in großen Turbulenzen. Seit Anfang 2023 sei jeder zehnte Arbeitsplatz in der Region weggefallen, erklärt er. Als Beispiele nennt er unter anderem die angekündigte Schließung des Ronal-Werks in Landau mit 500 Mitarbeitern und die Entlassung von 150 Mitarbeitern bei APL. Und weil allerorten Stellen gestrichen werden, werde es für entlassene Beschäftigte zunehmend schwer, vergleichbare Arbeitsplätze zu finden.

Der Stellenabbau im Sommer in Herxheim wurde laut der Eberspächer-Sprecherin über das Auslaufen befristeter Verträge, den Abschluss von Aufhebungsvereinbarungen sowie den Übertritt in eine Transfergesellschaft erreicht. Wie Spielberger berichtet, fand immerhin ein Großteil derer, die in die Transfergesellschaft überführt wurden, mittlerweile einen neuen Job.

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