Wir über uns Das ominöse Pinguin-Paket: Eine Postsendung mischt den Redaktionsalltag auf

Ein Paket voller Federn ist an unsere Redakteurin addressiert.
Ein Paket voller Federn ist an unsere Redakteurin addressiert.

Wer bei einer Zeitung arbeitet, ist ja einiges gewohnt. Da geht es mal drunter und drüber, da trifft man auf skurrile Leute, teilt aus, steckt ein, na ja, das übliche Tohuwabohu eben. Dass dann doch noch etwas passieren kann, das mich wirklich grübeln lässt, damit hätte ich nicht gerechnet. Ich muss Ihnen einfach davon erzählen, dieses Erlebnis war zu seltsam und putzig in einem Aufwasch.

Vor einem Tag kam ein kleines Paket für mich in der Redaktion an. Nach dem Aufmachen der Pappkonstruktion flatterte mir ein Schwall von weiß-grauen Federn entgegen. Sollte ich das beigelegte Anschreiben jetzt wirklich öffnen?, fragte ich mich. In der Vergangenheit hat so manche Nachrichtenredaktion auch schon Briefe mit tödlichen Milzbrandsporen bekommen. Opfer eines Anthrax-Anschlags will ich ja nun wirklich nicht werden. Hatte einem militanten Fleischesser meine Berichterstattung über veganes Essen auf Wanderhütten nicht geschmeckt, und wollte er ein wortwörtliches Hühnchen mit mir rupfen? Aber: no risk, no fun. Ich wagte den Blick auf die Zeilen. Und diese stellten sich als „Hilferuf aus der Antarktis“ heraus.

„Pinguinsichtungen in Nordeuropa“

Aha, da war wohl jemand auf meinen Erlebnisbericht aus der Antarktis gestoßen, den ich nach meiner großen Reise im Januar geschrieben hatte, dachte ich mir. Eine Naturschutzorganisation, die um meine mediale Unterstützung für ihr Pinguinprojekt bittet. So hatte es den ersten Anschein. Doch beim näheren Lesen der Zeilen wurde ich stutzig. Bei einer Forschungsexpedition am Nordteil der Trinity Halbinsel sei eine verlassene Pinguinkolonie entdeckt worden. „Wir haben Hunderte Eier, aber keinen einzigen Pinguin gefunden“, heißt es in dem Brief. In sozialen Medien häuften sich Bilder von Pinguinsichtungen in Nordeuropa. Deswegen erhärte sich die Theorie, dass eine noch unbekannte Ursache eine spontane Migrationswelle der Kolonie mitten durch den Atlantik ausgelöst habe. Zuletzt seien Exemplare unweit der Elbmündung gesichtet worden.

Bitte, hä?! Das ist doch unmöglich. Bekanntlich leben die Frackträger nur am südlichsten Ende unserer Erde. Pinguine in Deutschland? Davon hatte ich noch nie gehört. Verdutztes Kopfkratzen. Um ihre Aussage zu untermauern, hatte mir die „Base Primavera“-Organisation eines der zurückgelassenen Eier beigelegt. Tatsächlich, unter den Federn kam ein weißes Oval zum Vorschein. Ich solle es für 23 Minuten in 39 Grad Celsius warmes Wasser legen und warten, was daraus schlüpft.

Das Ei wird ausgebrütet

Gesagt, getan. Schüsselchen aus der Küche geholt. Wasserkocher angeschmissen. Und das Ei ins kochende Nass gleiten gelassen. Ja, sorry, wir mussten das etwas beschleunigen, für 23 Minuten Warten hatte ich keine Geduld. Aber zur Beruhigung: Es handelte sich nicht um ein echtes Ei, sondern um ein gepresstes kristallines Etwas. Und ich musste nicht lange ausharren. Nach wenigen Minuten schmolz die weiße Hülle in sich zusammen, ein Mini-Pinguin und eine noch winzigere Papierrolle kamen zum Vorschein.

„Hallo Mama, hallo Papa, daaaaanke, dass ihr mich ausgebrütet habt“, stand darin, verbunden mit der Bitte, den Kleinen am 3. Mai zurück zu seinen Artgenossen zu bringen. Der Anmeldelink zu www.miwula.de ließ es dann Dämmern. Dieser führt zum Miniaturwunderland, der riesigen Modelleisenbahnwelt in Hamburg. Und diese eröffnet nun nach mehrjähriger Bauzeit ihren Patagonien/Antarktis-Abschnitt. Hinter der aufwendigen Pinguin-Postsendung verbarg sich ein Hinweis auf die Einweihung.

Einladungen bitte nur noch per Einhorn

Wow, das war wirklich die niedlichste Presse-Einladung, die ich jemals bekommen habe. Und dass der große Besuchermagnet in der Hansestadt noch immer an mich gedacht hat, obwohl ich nur mal einen Artikel in meiner Volontärszeit für die RHEINPFALZ am SONNTAG darüber geschrieben hatte. Also vor 14 Jahren! Ich war echt gerührt. Einen Dienstreiseantrag habe ich trotzdem nicht gestellt. Die Berichterstattung überlasse ich den Medien im Norden. Aber mit Ihnen wollte ich dieses knuffige Erlebnis trotzdem teilen.

Und an jeden, der ab jetzt eine Presseeinladung an die RHEINPFALZ schickt: Unsere Erwartungen sind nun hoch. Bitte keine schnöden E-Mails mehr. Die Schreiben dürfen wahlweise von einem Einhorn oder einem Elwetritsch in der Redaktion vorbeigebracht werden.

Das Ei darin soll in warmem Wasser ausgebrütet werden.
Das Ei darin soll in warmem Wasser ausgebrütet werden.
Und tatsächlich, es schlüpft etwas.
Und tatsächlich, es schlüpft etwas.
Der Mini-Pinguin hat eine Botschaft mitgebracht.
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