Südpfalz
Veganes Essen in Wanderhütten: Wo sind Anlaufstellen im Pfälzerwald?
Wer das idyllische Modenbachtal bei Edenkoben unter die Füße nimmt, legt gerne einen Wanderstopp in der Amicitia-Hütte ein. Ah, jetzt einen Schoppen und eine Stärkung. Bratwurst steht natürlich auf der Karte, Hausmacher, Weißer Käse und Wurstsalat – die Pfälzer Klassiker sind auf den Speisekarten fast jeder Hütte im Pfälzerwald gesetzt. Aber da hat sich auch ein ganz anders anmutendes Gericht unter Punkt „Kalt und Frisch“ geschlichen: Japanische kalte Nudeln mit Sesamsauce, Tofu, Algensalat und Gurken. Ja, Sie haben richtig gelesen. Die Idee dazu hatte Kristine Alcance, deren Catering-Firma nicht nur die Amicitia-Hütte, sondern auch das Schweizerhaus bei Weyher beliefert, vor zwei Jahren, als gerade eine Freundin aus Japan zu Besuch war.
„Anfangs hatte der Pfälzerwald-Verein etwas Angst, weil er dachte, dass die Leute nur traditionelles Essen wollen“, erinnert sie sich. Aber das habe sich schnell geändert. Der vegane Nudelsalat aus Fernost sei jedes Mal ausverkauft gewesen. Gerade macht er Pause, im Sommer soll er wieder angeboten werden. Denn Alcance achtet darauf, die Speisen auf den beiden Hütten der Saison anzupassen und auch immer wieder Wochenend-Spezialangebote zu machen. „Gerade mache ich eine neue Speisekarte. Ab Anfang Mai ist dann beispielsweise gegrilltes Gemüse in Balsamico-Creme mit veganem Käse und selbstgemachten Brot geplant“, kündigt sie an. Auch vegane Wurst soll bald über die Theke gehen, berichtet Alcance, die auf den Philippinen geboren wurde, in Kanada aufgewachsen und seit 2019 mit ihrem Fusion-Food-Catering in Deutschland ansässig ist.
Die Nachfrage nimmt zu
In immer mehr Wanderdomizilen mischen sich vegane Gerichte ins Angebot. Die Nachfrage hat in den vergangenen Jahren zugenommen, darauf reagieren die Hüttenbetreiber. Das weiß auch Florian Bilic, Geschäftsführer des Pfälzerwald-Vereins Rheinland-Pfalz. Natürlich bleibe der Schwerpunkt auf fleischlastigen Klassikern, die gehörten einfach zum Hüttenessen dazu. Aber die Zielgruppe gebe es her, auch vegane Angebote zu machen. „Das wird noch stärker kommen. Und es gibt ja auch deftige vegane Gerichte wie etwa eine Linsensuppe, die zur Pfälzer Hüttenkultur passen“, findet er.
In der ebenfalls vom Modenbachtal zu erreichenden Nello-Hütte gibt’s schon länger vegetarische Maultaschen und Burger. Seit dieser Wandersaison hat es auch eine vegane Indische Rote-Linsensuppe unter die Standardessen geschafft. Und auch die Kartoffelsuppe ist vegan, wie Günter Brauch, zweiter Vorsitzender des Wanderklubs Nello, berichtet. Zustande kam das neue Angebot mehr oder weniger durch einen Zufall. Bisher sei die Erbsen- und die Linsensuppe von Erasco ausgegeben worden, doch das Lebensmittelunternehmen beliefere die Gastronomie nicht mehr. Die Suppe eines Ersatzanbieters konnte den Verein nicht überzeugen. „Da haben wir uns gedacht: Warum machen wir die Suppe nicht selbst?“, erzählt Brauch. So schnippeln die Hüttendienstler jetzt die Zutaten und bereiten die Suppen jedes Wochenende frisch zu. „Und seitdem wir sie aktiv als veganes Angebot bewerben, kommen auch immer mehr gezielte Anfragen“, ist seine Beobachtung. Die Nachfrage sei auf jeden Fall da. Etwa ein Viertel der Gäste bestelle die fleischlosen Gerichte. Knapp 50 Dal-Suppen gingen pro Sonntag über die Theke.
Zweimal pflanzlicher Streichgenuss
In der Dicken Eiche des Pfälzerwald-Vereins Hauenstein ist der „Hütten-Vegi“ schon vor drei, vier Jahren angekommen. Dahinter verbirgt sich eine pflanzliche Streichcreme, die mit Brot oder Pellkartoffeln und Gemüsedeko serviert wird. Die Nachfrage nach pflanzlicher Kost sei in den letzten Jahren gestiegen, besonders bei jüngeren Gästen. Und da viele Hüttendienstler selbst Kinder haben, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, „haben wir uns gesagt: Wir müssen so ein Gericht mit auf die Karte nehmen“, berichtet Kassenwart Markus Johann, der aktiv Hüttendienst schiebt und weiß, was gefragt ist. Zwar sei der Anteil des vegetarisch-veganen Essens mit etwa fünf Prozent nicht übermäßig groß im Verhältnis zur Nachfrage nach der üblichen Pfälzer Hüttenkost, aber fünf bis 15 „Hütten-Vegis“ würden schon pro Tag bestellt. „Und die Leute freuen sich, dass wir überhaupt etwas Veganes auf der Karte haben. Das ist ja nicht überall so.“
Positive Reaktionen bekommt auch der Pfälzerwald-Verein Burrweiler, der die St.-Anna-Hütte betreibt, wie Vorsitzender Heinz Lambert berichtet. Dort gibt’s ebenfalls rein pflanzliche Aufstriche – im Glas mit Brot, und vier unterschiedliche zur Auswahl. Nachdem gezielte Anfragen an die Hüttendienstler gerichtet worden seien, „haben wir die Gemüseaufstriche einfach mal getestet. Und sie schmecken gut“, findet selbst der überzeugte Fleischesser Lambert. Etwa drei bis vier Portionen verließen pro Tag die Küche. Das sei keine riesige Nachfrage. „Aber wir können das Angebot machen. Und es ist für uns kein großer Extra-Aufwand.“ Deswegen soll das vegane Gericht, das es seit knapp einem Jahr auf der Karte gibt, erst einmal bleiben. Vielleicht werde ja sogar noch etwas anderes angeboten. „Je nach Nachfrage.“
Regional und nachhaltig
Von Beginn an hat Mike Neubrech, Betreiber des Forsthauses Annweiler, auf pflanzliche Kost gesetzt. Aktuell hat sein „Schwarzer Fuchs“ zwei vegane, vier vegetarische und zwei fleischhaltige Gerichte auf der Karte. „Die Pfälzer Klassiker bekommt man überall, und oft auch nur die. Wir versuchen, immer eine gute Mischung zu machen. Und Leute kommen auch gezielt zu uns, weil sie wissen, dass es hier auch andere Sachen gibt“, sagt Neubrech, der die bekannte Waldgaststätte oberhalb des Wellbachtals 2016 gekauft, umfangreich saniert und 2019 wiedereröffnet hat. Besonders kommt es ihm auf regionale und nachhaltige Zutaten sowie ressourcenschonendes und sozial faires Wirtschaften an. Seit Kurzem ist das Forsthaus auch Partnerbetrieb des Biosphärenreservats Pfälzerwald.
An diesem Wochenende ist das Sandwich mit Grillgemüse gerade nicht erhältlich, dafür sorgt der vegane Eintopf für Wärme im Magen, während sich der Himmel über den Wanderern und Radlern, die es sich rund ums Forsthaus gemütlich gemacht haben, langsam zusammenzieht. Aktuell gibt’s Bohneneintopf, aber auch Erbsen und Linsen waren schon vertreten. Etwa 30 Brote und doppelt so viele Eintöpfe gingen pro Tag raus, womit die vegane Sparte rund 15 Prozent Anteil an den Essenswünschen ausmache, überschlägt Neubrech. „Und in letzter Zeit ist die Nachfrage immer größer geworden.“
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