Bad Bergzabern
Blumen statt Bundesadler: Beschmierte Stromkästen neu gestaltet
Sympathiebekundungen für einen Fußballverein, Hassbotschaften in Richtung eines anderen Vereins oder – gelinde gesagt – Worte der Abneigung gegenüber der Polizei: Immer wieder tauchen Schmierereien an allerlei Objekten auf. Zu den Flächen, auf denen sich Schmierfinken gerne austoben, zählen Strom- und Verteilerkästen. So auch in Bad Bergzabern.
Doch in der Kurstadt sind die Bemalungen außergewöhnlich. Dort waren zahlreiche Kästen plötzlich schwarz-rot-golden, auf manchen wurde zudem ein Bundesadler aufgesprüht. Sogar das Kunstwerk auf dem Bahnhofskreisel blieb nicht verschont. Klar ist: Zum einen ist das eine strafbare Sachbeschädigung, zum anderen ist das Aufbringen des Bundesadlers eine Ordnungswidrigkeit. Denn das staatliche Hoheitszeichen darf nur nach Genehmigung verwendet werden. Auch deshalb war ein Graffitikünstler in der Stadt unterwegs, um zumindest einen Teil der Kästen aufzuhübschen.
Heiße Debatten über die Schmierereien
Grundsätzlich bewegt das Thema die Menschen in und um Bad Bergzabern. Viele vermuten bei der Aktion nämlich einen politischen Hintergrund. Vor allem in den sozialen Medien gibt es eine Debatte darüber, ob die Deutschlandfarben samt Bundesadler auf den Kästen „aus der rechten Ecke“ kommen. Verfechter dieser Ansicht plädieren für eine schnelle Entfernung. Andere wiederum halten die illegale Zierde für eine Verschönerung der trostlosen Objekte.
Auf einen Nenner werden die Parteien dabei wohl nicht kommen. Fakt ist aber: Die Schmierereien verschwinden. Zumindest auf den Kästen, die den Stadtwerken Bad Bergzabern gehören. „Wir haben in der Stadt 246 Kabelverteilkästen“, erklärt deren Geschäftsführer Christian Müller. In einem ersten Zug würden 22 neu besprüht. Und zwar nicht nur solche, auf denen Deutschlandfarben und Bundesadler prangen, sondern auch solche, die mit anderen Dingen beschmiert sind. Es sei ohnehin schon länger geplant gewesen, die Kästen zu reinigen und zu streichen, sagt Müller. Auch mehrere Trafostationen habe man dabei im Blick.
Viele Stromkästen sind nach wie vor beschmiert
Zuständig für die Verschönerung der Kästen und Häuschen ist Marco Billmaier. Der Graffitikünstler aus Wiesloch hat sie in den vergangenen Tagen mit Naturmotiven bemalt. An vielen Stellen in der Stadt sind jetzt Blumen und Insekten statt Schwarz-Rot-Gold und Adler zu sehen. Solche Naturmotive seien zeitlos und lebendig, erklärt Billmaier, weshalb die Wahl darauf fiel. „Sie sprechen alle Menschen von Jung bis Alt an.“ Natürlich gefalle das nicht jedem, aber allen könne man es eh nie recht machen.
Einen Haken hat die Sache aber. Sichtbar wird das am Schwanenweiher. Dort ist ein Stromkasten mit Weintrauben verziert. Direkt daneben steht ein nach wie vor beschmierter Kasten. Denn neben den Stadtwerke-Kästen sind auch Kästen anderer Firmen, etwa der Telekom, betroffen. Zwar hat der Konzern signalisiert, seine Kästen ebenfalls bemalen lassen zu wollen. Passiert ist das aber bislang nicht.