Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Bürger verhüllt Schmierereien – „Das ist Zivilcourage“

Auch Stromkästen waren von den Schmierereien betroffen.
Auch Stromkästen waren von den Schmierereien betroffen.

Weil er sie „nicht mehr sehen“ wollte, hat ein Bürger Schmierereien in Bad Bergzabern verhüllt und sich selbst angezeigt. Nun hat er mit der RHEINPFALZ darüber gesprochen.

Die Sachbeschädigungen ziehen sich quer durch Bad Bergzabern. Stromkästen, die Schulen und die Stahlskulptur am Bahnhofskreisel wurden mit der Deutschlandfahne und dem Bundesadler besprüht. Ein Bürger wollte dagegen etwas tun und hat die Straftat nicht nur verhüllt, sondern auch sich selbst angezeigt.

Wohl in der Nacht auf Sonntag wurde die Stahlskulptur am Sockel mit der Deutschlandfahne und dem Bundesadler auf allen vier Seiten der Skulptur besprüht. Andreas H. (Name von der Redaktion geändert) bemerkte es am Montag auf dem Weg zur Arbeit. „Ich war entsetzt, ich vermute, dass es aus der rechten Ecke kommt und das ist mir zuwider“, sagt er. Er bekomme ein beklemmendes Gefühl, wenn er so etwas sehe. Daher habe er überlegt, was er tun könne, berichtet der 45-Jährige. Mit einer Freundin habe er die Schmiererei mit einem bunten Stück Stoff umwickelt. „Ich wollte das nicht mehr sehen und dann haben wir es einfach verhüllt.“ Ob das Sachbeschädigung sei, wisse er nicht, er habe sich aber bei der Polizei selbst angezeigt, denn er stehe zu dem, was er gemacht habe. „Ich würde mir wünschen, dass die Bemalung auf den Stromkästen ebenfalls verschwindet, das Ganze hat Methode.“

Künstler: „Es ist eine Riesenschweinerei“

Stadtbürgermeister Hermann Augspurger (FWG) sagt: „Ich bin stinksauer, das geht seit Wochen.“ Die Stadt habe schon mehrfach Anzeige erstattet und es seien inzwischen bestimmt zehn Stromkästen „bemalt“ worden. Die Stadtspitze sei im Gespräch, um die Sachbeschädigung am Kreisel zu entfernen.

In die Reparaturen einbezogen wurde auch Künstler Martin Schöneich, der das Kunstwerk geschaffen hat. „Es ist eine Riesenschweinerei, es ist nicht nur Sachbeschädigung, es ist auch eine Verletzung des Urheberrechts, eine gemeine und hinterlistige Aktion, von der ich annehme, dass sie aus der rechten Ecke kommt, das ist kein Kleinbubenstreich“, sagt er. Die „Verhüllung“ habe er gut gefunden. „Das ist Zivilcourage.“ Ein geringer Trost sei, dass er mit einem Helfer und der Originalfarbe den ursprünglichen Zustand schnell wieder habe herstellen können.

Polizei: „Verhüllung“ keine Sachbeschädigung

Es gebe aktuell an elf Orten, auf Stromkästen und an der Grund- und Realschule, die aufgesprühten Farben der Deutschlandfahne mit dem Bundesadler, informiert Polizeihauptkommissar Florian Herder, Pressesprecher der Polizeiinspektion in Bad Bergzabern. „Es ist nicht harmlos, ein politischer Hintergrund kann nicht ausgeschlossen werden“, sagt er. Es handle sich um Sachbeschädigungen, wobei der Bundesadler als Hoheitszeichen nur von Behörden und mit behördlicher Genehmigung verwandt werden dürfe. Es gebe eine hohe Polizeipräsenz in der Stadt. Bisher sei aber noch niemand auf frischer Tat ertappt worden. Die Selbstanzeige des Verursachers der „Verhüllung“ bestätigt der Polizeisprecher. Es handle sich aber nicht um eine Sachbeschädigung, sondern eventuell um eine Ordnungswidrigkeit.

Die Stadtwerke kündigten an, die Sachbeschädigungen an den Stromkästen zu entfernen.

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