Offenbach Baumpflanzung: Was sich die Gemeinde vom Stockholmer Modell erhofft
Vor drei Jahren hatte Axel Wassyl angekündigt, bei Baumpflanzungen neue Wege zu gehen. Damals war er noch Ortsbürgermeister von Offenbachm und der Ausbau des Mühlwegs, wo das Projekt getestet werden sollte, war Zukunftsmusik. Inzwischen ist sein Nachfolger Simon Wingerter im Amt und in der Position, die neu gepflanzten Bäume präsentieren zu können.
Die Methode nennt sich Stockholmer Modell
Das Besondere ist nicht die Baum-Hasel, von der seit Kurzem zehn Stück im Mühlweg stehen, sondern die Konstruktion der Baumquartiere. Stockholmer Modell nennt sich die Methode, die nun erstmals in der Südpfalz angewandt wurde. Dahinter steckt die Idee, den Bäumen mehr Platz einzuräumen und sicherzustellen, dass ihre Wurzeln ausreichend Wasser bekommen. Wurde in Offenbach das Regenwasser bislang über die Straßeneinläufe und Kanäle weiter in Richtung Queich geführt, wird es nun zu den Baumquartieren gelenkt, die zusätzlich mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden.
Die Gemeinde ist zuversichtlich, dadurch gesündere Bäume zu haben. Denn angesichts des Klimawandels stehen Bäume im Sommer unter besonderem Stress. Und weil Bäumen in urbanen Räumen meist wenig Platz haben, können sie dort nicht so gut wachsen. Davon abgesehen, dass die Baumwurzeln auch nach oben, an die Erdoberfläche wachsen, wenn aufgrund der rundum versiegelten Fläche zu wenig Wasser zu ihnen ins Erdreich dringt. Die Folge sind aufgebrochene Straßen und Gehwege, die sich auch im Mühlweg bemerkbar machten.
Was das Projekt gekostet hat
Doch das Projekt kostet mehr als sonst: Wingerter zufolge rund 10.000 Euro pro Baumquartier. Das Geld wurde unter anderem für das Bewässerungssystem und die 12 bis 15 Kubikmeter Baumsubstrat benötigt, mit denen die Quartiere verfüllt wurden. Eine übliche Baumpflanzung koste um die 1000 Euro.
Der Gemeinde sind die Mehrkosten wert, da sie überzeugt ist, die Bäume so länger erhalten zu können. Infrastrukturschäden würden vermieden, und auch das Regenwasser werde nun sinnvoller verwendet, statt es wie bisher über die Kanalisation abzuleiten.
Über Sonden werde nach einer gewissen Zeit die Bodenfeuchte gemessen, um zu schauen, wie gut die Wachstumsbedingungen sind. Laut Wingerter gibt es auch die Möglichkeit, mit speziellen Geräten die Vitalität der Bäume zu messen. Das wäre allerdings deutlich kostspieliger, weshalb man davon abgesehen habe.