Rhodt
Bald gibt es Strom vom Kirchendach
Es gibt hier und dort bereits mit Photovoltaik bestückte Kirchendächer, beispielsweise in Edesheim oder weiter nördlich in Neustadt-Hambach. Neu ist der Gedanke also nicht, Gotteshäuser für Anlagen zu nutzen, die dem Klimaschutz und der Energieeinsparung gleichermaßen dienen. In den besagten Orten aber handelt es sich um Gebäude neueren Datums, errichtet in den 60er- beziehungsweise 50er-Jahren. Insofern ist es in der Region doch etwas Besonderes, wenn nicht gar einmalig, dass in Kürze mit der Rhodter St. Georgskirche ein historisches Gebäude mit Solarmodulen versehen wird.
Die Jahreszahl 1720 steht auf dem Torbogen. In dieser Zeit wurde die Kirche anstelle der bisherigen errichtet, sie war größer und in barockem Stil gehalten. Damit solch ein Altbau für eine moderne Anlage infrage kommt, musste erst der Denkmalschutz mitspielen. Ein Selbstläufer ist das nicht, trotz aller Reden rund um Klimaschutz und den bereits erfolgten gesetzlichen Lockerungen. Es kommt nach wie vor auf den Einzelfall an, auf das jeweilige Einzeldenkmal oder das Anwesen innerhalb einer geschützten Zone, ob die Denkmalpfleger optische Beeinträchtigungen durch die Solarmodule hinnehmen. Wobei an dieser Stelle angemerkt werden muss, dass die Landeskirche hierfür eine eigenständige Fachabteilung hat, welche vor Ort unabhängig ist von jener in der Kreisverwaltung SÜW.
Gemeinderat nur Zuschauer
Insofern hatte in Rhodt die politische Gemeinde nicht darüber zu entscheiden, ob und wie die PV-Anlage auf dem Kirchendach installiert werden soll. Und doch stellte die Kirche das Projekt vor der Kommunalwahl, demnach dem alten Gemeinderat, vor. Auch deshalb, weil die Gemeinde eine neue Gestaltungssatzung besitzt. Diese steht dem Projekt nicht im Weg, wie der bisherigen Ortschef Armin Pister sagt. Die bisherige Resonanz sei positiv, informiert Pfarrer Rapp, wobei es wie so oft auch in diesem Fall manche Menschen anderer Meinung seien. Inzwischen warten Pfarrer Bernd Rapp und die Kirchengemeinde nur noch auf die schriftliche Bestätigung der Kirchenaufsicht in Speyer, die ihre Zusage für die PV-Anlage bereits mündlich gegeben hat. Im Laufe des Herbsts soll die Anlage ans Netz gehen.
Einsparungen: Die Landeskirche im Nacken
Die Bedingungen sind laut Pfarrer Rapp optimal: Man habe eine relativ große, nach Süden ausgerichtet Dachfläche. Und doch ist die Installation der PV-Anlage kein Projekt nach dem Motto: Die Kirche macht jetzt auf Grün. „Aus diesem Grund machen wir das nicht“, betont der Seelsorger, der seit 2022 für die Kirchengemeinden Rhodt, Frankweiler und Gleisweiler zuständig ist.
„Wir sehen es vielmehr als sinnvolle Investition in die Zukunft des Gebäudes an“, sagt Bernd Rapp. Denn: Angesichts rückläufiger Mitgliederzahl muss die Kirche in finanzieller Hinsicht den Gürtel enger schnallen. So ist auch der protestantische Kirchenbezirk Landau dazu verpflichtet, die Kosten für seine kirchlich genutzten Immobilien zu drücken. Parallel dazu soll es durch energetische Sanierungen gelingen, die Treibhaus-Emissionen um 90 Prozent zu senken.
Was das Ganze kostet
Vor diesem Hintergrund wird in der Rhodter Kirche die alte Gasheizung durch eine elektrische Kirchenbankheizung ausgetauscht. Darauf weist Presbyterin Silke Pister hin. Dadurch werde weniger Energie verbraucht, die Kirchenbesucher werden es an den Sitzplätzen aber mindestens so warm haben wie bisher.
Da die Rhodter Kirche seit Anfang des Jahres wegen Renovierung eine Baustelle ist, weshalb Pfarrer Rapp für Gottesdienste auf andere Schauplätze ausweicht, dabei auch auf Weingüter, bot es sich an, die Installation der PV-Anlage gleich mitzuerledigen. Dann werden die Kosten für das Gerüst gespart, die benötigt werden, um die Bleiglasfenster zu überarbeiten. Mehr als 800.000 Euro kostet das gesamte Projekt.