Rhodt
Neuer Pfarrer wird offiziell in Amt eingeführt
Rapp hat mittlerweile schon in allen Pfarrgemeinden Gottesdienste abgehalten und wurde, wie er erfreut feststellt, überaus freundlich empfangen. Nun ist am Freitag, 9. September, um 17 Uhr in der St. Georgskirche in Rhodt die offizielle Amtseinführung durch Dekan Volker Jahnke aus Landau.
Für Rapp und seine Frau Isabelle ist der Umzug ins Rhodter Pfarrhaus eine immense Umstellung. Für die drei erwachsenen Kinder weniger, da diese alle bereits mitten in der Ausbildung beziehungsweise im Studium stehen. Die Familie kommt, wie der Pfarrer selbst sagt, „aus der schönsten Metropole der Welt ins schönste Dorf der Welt“. Zuletzt wirkte er nämlich sechs Jahre lang in der Deutschen Gemeinde London-Ost in der britischen Hauptstadt. Seine Pfarrgemeinde dort war mit 250 evangelischen Christen recht überschaubar. In seiner neuen Pfarrstelle ist Bernd Rapp jetzt für rund 1900 Gläubige zuständig.
Geboren und aufgewachsen in der Südwestpfalz
Der 50-Jährige kam in Zweibrücken zur Welt, wuchs im Ortsteil Ernstweiler auf und verbrachte die Kindergarten- und Grundschulzeit dort. Am Zweibrücker Helmholtz-Gymnasium machte er sein Abitur. Nach dem Studium musste er der Westpfalz zunächst ade sagen, da er sein Vikariat, also die praktische Vorbereitung auf den Beruf des Pfarrers, in der Johanniskirchengemeinde in Neustadt-Mußbach antrat.
Die erste Pfarrstelle ließ ihn dann zur Pfarrei Niedersimten in Pirmasens umsiedeln. Es folgten mit der Luther- und der Johanniskirche weitere Stellen in der Schuhstadt, wobei sich die Familie besonders in der Johanniskirchengemeinde zehn Jahre lang pudelwohl fühlte. „Für unsere Kinder war besonders das Pfarrhaus und seine Umgebung das wahre Paradies“, sagt Rapp.
Irgendwann packte ihn das Fernweh
Dann aber packte ihn das Fernweh. Eine Stellenausschreibung für die Deutsche Gemeinde London-Ost kam da gerade recht. Mit zwei anderen Bewerbern flog er nach London, stellte sich dort der Pfarrgemeinde vor und wurde von dieser als ihr neuer Pfarrer gewählt. Zwei Jahre zuvor hatte er zusammen mit seiner Frau eine Partnergemeinde im Südosten Englands besucht, wo es ihm sehr gut gefiel. Sie konnte sich zunächst nicht vorstellen, auf der Insel zu leben, am Ende kam es aber anders.
Rapp erzählt, dass er die Messen in London-Ost in deutscher Sprache hielt, da seine Gemeindemitglieder fast durchweg deutschsprachig waren. Es gebe dort aber auch zahlreiche deutsch-englische Familien, was bei Hochzeiten und Geburten zur Zweisprachigkeit führt. „Ich kam bei Hausbesuchen zu den Menschen der deutschen Gemeinde, die mich auf Englisch begrüßten, da sie es im Alltag nicht anders gewohnt waren. Im Lauf der Gespräche ging man ins Deutsche über, oder es wurde sogar hin und her geswitcht.“
Umstellung auf Leben in der Weltstadt zu Beginn schwer
„Es war wunderbar für uns in London, obwohl zu Beginn die Umstellung vom überschaubaren Pirmasens auf das Leben in dieser Weltstadt nicht einfach war. Dann aber haben wir dort ganz tolle Sachen erlebt. London ist innerhalb Großbritanniens noch einmal eine eigene Welt“, stellt er fest. Trotz aller Begeisterung kehrte er nun nach Deutschland zurück, denn die Stelle in England war von vornherein auf die Dauer von sechs Jahren begrenzt.
„London war ja nie geplant – Rhodt aber auch nicht“, sagt er und lacht. Die Beschreibung der im „Pfarrerblatt“ ausgeschrieben Stelle in Rhodt habe er aber so interessant gefunden, dass er sich bewarb. Rapp lobt seinen Vorgänger. „Ich kann hier auf vieles aufbauen, was Lothar Schwarz geleistet hat. Er war immer nah an den Leuten, und das will auch ich sein. Das Tor zum Pfarrhaus ist stets offen und ich will zuerst zuhören“, beschreibt er seine Pläne.
Seine Frau arbeitet als Erzieherin
„Die Leute wissen ja, was hier geht. Vielleicht braucht das eine oder andere eine Wiederbelebung. Vielleicht ist, nicht zuletzt durch Corona, aber auch manches ganz verloren“, sinniert er. „Kirchenmitgliedschaft ist heute nicht mehr selbstverständlich. Das ist ein Problem. Es ist wichtig, mit denen, die da sind, Neues zu schaffen und nicht nur das Bisherige zu verwalten. Kirche muss leben.“ Er hält nichts davon, einen vorgefertigten Plan zu präsentieren, nach dem dann alles laufen muss.
Auch Isabelle Rapp freut sich auf eine neue Aufgabe in der Region. Sie wird als Erzieherin im evangelischen Kindergarten in Landau-Dammheim tätig sein. Ihr Mann hat sich vorgenommen, seine Pfarrgemeinden und deren Menschen mit dem E-Bike anzufahren, um fit zu bleiben. Vielleicht will er auch wieder Tischtennis spielen, eventuell sogar in einem Verein, so wie damals in Zweibrücken.