Bad Bergzabern
Bürgermeisterwahl: Kandidaten gehen in den Endspurt
Es war ein enges Rennen, das sich Kathrin Flory (SPD) und Matthias Neufeld (CDU) im ersten Wahlgang zum Verbandsbürgermeister Bad Bergzaberns geliefert haben. Am Ende hatte die Sozialdemokratin knapp die Nase vorne, sie bekam 40,2 Prozent der abgegebenen Stimmen. Neufeld fuhr 39,1 Prozent ein. In absoluten Zahlen ausgedrückt setzten von den 9422 Bürgern, die ihr Votum abgaben, nur 105 mehr ihr Kreuz bei der Ortsbürgermeisterin Klingenmünsters als beim Amtskollegen aus Steinfeld.
Vor der Stichwahl am 6. November gilt es nun für beide, erneut kräftig die Werbetrommel zu rühren. Einerseits müssen sie diejenigen, die bereits im ersten Durchgang für sie gestimmt haben, erneut mobilisieren. Andererseits haben rund 20 Prozent für einen der drei ausgeschiedenen Kandidaten, Hermann Augspurger (FWG), Martin Blankemeyer (Grüne) und Heiko Drieß (FDP), gestimmt. Um deren Kreuz – und auch um das des einen oder anderen Nichtwählers – wird nun gekämpft.
Sofern nicht bereits per Briefwahl abgestimmt wurde. Im ersten Wahlgang nutzten mit 52,28 Prozent knapp mehr als die Hälfte aller Wähler diese Möglichkeit, wie Björn Meyer, stellvertretender Leiter der Zentralabteilung der Verbandsgemeindeverwaltung, auf Anfrage mitteilt. Da die rund 5400 Unterlagen zur Stichwahl erst vor wenigen Tagen verschickt wurden, sei noch nicht absehbar, wie hoch die Quote dieses Mal liegt.
Mit dem Wort „Kampf“ tun sich beide schwer
An Haustüren, vor Supermärkten, auf Themenabenden und in den sozialen Netzwerken sind Flory und Neufeld also noch einige Tage auf Stimmenfang. Wobei das Wort „Kampf“ beiden nur schwer über die Lippen kommt, wie sie bei ihrem Besuch in der RHEINPFALZ-Redaktion klarstellen. „Ich habe mich lange gewehrt, das Wort Wahlkampf zu verwenden“, sagt Neufeld. Flory pflichtet ihm bei, „ich spreche auch immer nur von einem Mitbewerber“. Man kennt sich, man versteht sich, man schätzt sich. So verwundert es auch nicht, dass sowohl vor dem ersten Wahlgang Mitte Oktober als auch jetzt vor der Stichwahl keinerlei Angriffe gegen den jeweils anderen zu sehen oder zu hören sind. „Jeder macht Werbung für sich“, sagt Neufeld.
Die Erfahrungen, die die beiden bei diesem Werben machen, sind in den allermeisten Fällen positiv, wie sie berichten. Verbalattacken, wie sie Flory im August ertragen musste, sind die große Ausnahme. Viel mehr erzählt sie von Begegnungen mit Menschen, die sie bislang gar nicht kannte, von denen sie aber nach deren Aussage gewählt wurde. „Das ehrt mich, wenn mir Leute ihre Stimme geben, die mich persönlich gar nicht kennen“, sagt Flory. Sie sei freudig und motiviert, bis zur endgültigen Entscheidung ihre Themen unters Wahlvolk zu bringen.
Auf Stimmenfang in Orten, in denen es nicht so gut lief
Mit Optimismus geht auch Neufeld den Endspurt an. „Es ist wichtig, Bürgerkontakte zu knüpfen“, sagt er. Das gilt für die gesamte Verbandsgemeinde, bis zur Stichwahl gehe er aber „verstärkt dorthin, wo noch Potenziale sind“. Er meint damit vor allem die Orte, in denen er bei der ersten Abstimmung relativ wenige Stimmen einsammeln konnte, zum Beispiel Gleiszellen-Gleishorbach (33,33 Prozent), Dörrenbach (32,39) und Pleisweiler-Oberhofen (36,97). „Nach Klingenmünster gehe ich aber nicht mehr“, fügt er grinsend mit Blick auf Florys Heimatort an, wo sie 61,49 Prozent einheimste (Neufeld: 30,14).
Für die Sozialdemokratin wiederum ist unter anderem in Birkenhördt (27,89), Kapsweyer (31,31) und Schweighofen (31,14) Luft nach oben. Sie wird auch in Neufelds Heimatort vorbeischauen, wie Flory versichert. „Ich werde noch mal nach Steinfeld fahren“, kündigt sie an. Im ersten Wahlgang schenkten dort 57,30 Prozent der Wähler ihrem Ortsbürgermeister das Vertrauen (Flory: 29,46).
Kandidaten inhaltlich nah beieinander
So eng Flory und Neufeld im Endergebnis beieinander lagen, so nahe sind sie sich auch inhaltlich – woraus beide keinen Hehl machen. An der einen oder anderen Stelle gehen die Ansichten trotzdem auseinander. Etwa bei den wichtigsten Aufgaben eines Verbandsbürgermeisters. Für Neufeld an erster Stelle steht, die Verwaltung mit ihren 130 Mitarbeitern zu führen. Und zwar so, dass sie effizient arbeite. Zudem müsse er als Bürgermeister die Verbandsgemeinde repräsentieren, sagt er. „Ich muss in den Gemeinden unterwegs sein, aber auch unsere Interessen auf höheren Ebenen vertreten.“ Ebenfalls wichtig sei für ihn, „die Ortsgemeinden zu unterstützen“.
Flory setzt ihre Prioritäten etwas anders. Für sie gehe es um die Vernetzung der Ortsgemeinden, aber auch der Organisationen in der Verbandsgemeinde mit ihren Ehrenamtlichen. Wenn ein Problem auftrete, „müssen sich alle zusammen an einen Tisch setzen und eine Lösung suchen“. Die Organisation der Verwaltung spielt für Flory ebenso eine wichtige Rolle. Dabei wolle sie alle Mitarbeiter einbeziehen und Dinge gemeinsam bearbeiten. An dritter Stelle nennt sie als Aufgabe einer Verbandsbürgermeisterin die Infrastruktur und deren Sicherung beziehungsweise deren Ausbau. Das sei einerseits die Versorgung, also etwa Wasser- und Abwasser, andererseits aber beispielsweise auch die medizinische Versorgung und die Kinderbetreuung.
Handlungsspielraum der Verwaltung bei Energiekrise begrenzt
Beim Thema Energiekrise sehen beide den Handlungsspielraum der Verwaltung begrenzt. „Wir können nur ansprechbar sein und zum Beispiel Hilfe zur Einsparung von Energie geben“, sagt Flory. Das sieht auch Neufeld so, der davon ausgeht, dass „die finanzielle Überforderung groß sein wird“. Mehr als Beratung könne man als Verwaltung aber kaum anbieten, „man hat ja nicht direkt mit der Energieversorgung zu tun“.
Damit zusammen hängt die Erreichbarkeit der Verwaltung, die in den Augen vieler Bürger nicht in ausreichendem Maße gegeben ist, wie Neufeld sagt. „Die Mitarbeiter tun ihr Möglichstes, das kommt aber beim Bürger nicht so an.“ Da müsse man schauen, wie das besser werden könne. Flory knüpft daran an und ist der Meinung, dass „die Transparenz verbessert werden muss“. Das könne durch mehr Öffentlichkeitsarbeit gelingen. „Wenn man den Leuten erklärt, wie Entscheidungen zustande gekommen sind, haben sie mehr Verständnis dafür.“
Neben dem Südpfalz Kurier möchte sie die sozialen Medien aktiver nutzen. „Ich habe mit einem einzelnen Post mehr als 8000 Leute erreicht“, verdeutlicht sie die Reichweite, die man mit Facebook, Instagram und Co. generieren kann. Für Neufeld liegt aber auch darin nicht der Weisheit letzter Schluss. „Wir müssen gucken, wie man die Bürger erreichen kann“, sagt er. Weder Südpfalz Kurier noch soziale Medien lösten das Problem komplett. „Man könnte die Leute vielleicht zusätzlich über eine App erreichen“, schlägt er vor.
Zusammenarbeit mit Frankreich soll gestärkt werden
Einig sind sich beide auch beim Thema Gesundheitsversorgung. Wobei Flory betont: „Das ist eigentlich kein Thema der Verbandsgemeinde.“ Man müsse aber die Ängste der Menschen aufgreifen, dass künftig keine Ärzte mehr im Ort sind. Ein Modell, das für sie denkbar wäre, sind die Medibusse, also mobile Arztpraxen, die etwa nach der Flutkatastrophe im Ahrtal eingesetzt wurden. Ihr Blick wandert ebenso wie der Neufelds auch nach Frankreich. An der grenzüberschreitenden Versorgung „muss man dringend arbeiten“, sagt Neufeld. Das gelte nicht nur beim Thema Ärzte, sondern auch bei den Apotheken.
Gut gerüstet für den Chefposten im Schloss sehen sich beide. Die gelernte Kinderkrankenschwester Flory sieht ihre Kompetenzen vor allem „im sozialen Miteinander, im Vernetzen der einzelnen Akteure“. Sie sei gut darin, Dinge zu organisieren und neue Ideen zu entwickeln. Bestärkt werde sie durch „die guten Erfahrungen als Ortsbürgermeisterin“. Auf die kann auch Neufeld zurückgreifen. Der gelernte Verwaltungsfachangestellte, der derzeit die Finanzabteilung der Verbandsgemeinde Landau-Land leitet, sieht sich für den Posten als Verbandsbürgermeister „wegen meiner Ausbildung und wegen meiner Erfahrung aus Ehrenämtern“ qualifiziert.