Herxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Altenzentrum: Neuer Baustein gegen den Pflegenotstand

Mit dem neuen Ausbildungskonzept ist auch eine reduzierte Belegung der Wohnbereiche verbunden.
Mit dem neuen Ausbildungskonzept ist auch eine reduzierte Belegung der Wohnbereiche verbunden.

Im Altenzentrum St. Josef in Herxheim gibt es jetzt einen Ausbildungswohnbereich. Kann mit dem neuen Konzept dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegengewirkt werden?

Er soll ein Baustein sein, der helfen soll, Engpässe im Bereich der Pflege zu verhindern: der neue Ausbildungswohnbereich im Altenzentrum St. Josef in Herxheim. Denn wer Lehrlinge will, muss ihnen auch eine gute Ausbildung zukommen lassen. Dazu soll das neue Konzept einen Beitrag leisten. Bisher waren die Azubis an verschiedenen Stellen im Haus tätig, künftig sind alle im gleichen Wohnbereich im Einsatz. So sind keine weiten Wege im Haus mehr nötig. Zudem habe im Fokus gestanden, die Praxisausbildung zu vereinheitlichen, erklärt Einrichtungsleiterin Gabriele Hartenstein. „Auf diese Weise können wir Azubis besser ausbilden und den Berufseinstieg erleichtern.“

Denn der Pflegenotstand sei vielerorts bereits deutlich spürbar. „Wir wollen Anreize schaffen und gegensteuern“, sagt Hartenstein. Derzeit stehe das Haus bei der Zahl der Auszubildenden noch gut da, 16 sind im Seniorenheim im Einsatz. Dies solle auch so bleiben. 14 davon sind interne Kräfte, zwei kommen von externen Stellen, denn das Altenzentrum hat Kooperationsverträge mit mehreren Krankenhäusern in der Region, etwa Landau, Germersheim/Kandel und Speyer. Aber ein übergeordnetes Ziel sei immer, neue Lehrlinge für den Pflegeberuf zu gewinnen.

Einheitliche Anleitungen

Eine eigens dafür ins Leben gerufene Arbeitsgruppe hatte sich mit Veränderungen in der Ausbildung befasst. Diese sei zu dem Schluss gekommen, dass es am förderlichsten sei, die gesamte Organisationsstruktur umzumodeln, berichtet Hartenstein. Zuvor seien die Azubis unterschiedlich verteilt und nicht einheitlich angeleitet worden. Das soll ein Ende haben. Die Einrichtungsleiterin möchte das neue Konzept in den kommenden Jahren auch wissenschaftlich auswerten lassen, um eine fundierte Datenlage darüber zu bekommen. Mit dem neuen Konzept verbunden ist auch eine reduzierte Belegung für alle Wohnbereiche im Haus. Davor waren es durchschnittlich etwa 40 Bewohner pro Einheit, seit Anfang des Jahres sind es 26 bis 30 pro Wohnbereich.

Die Lehrlinge sollen schrittweise auch an das Leiten eines Wohnbereichs und das Leiten einer Schicht herangeführt werden. Auch sollen Ärzte bei der Visite begleitet und Bewohneraufnahmen erledigt werden. „Sie werden auf die künftige Rolle der examinierten Pflegekraft vorbereitet“, sagt Hartenstein.

Schichtstruktur aufbrechen

Nach dem Zusammenfügen der Azubis in einem zentralen Bereich des Altenheims plant die Einrichtungsleiterin schon die nächsten Schritte. Um dem Fachkräftemangel in der Pflege begegnen zu können, könne es künftig auch von Vorteil sein, die Schichtstruktur aufzubrechen. Im kommenden Jahr sollen verschiedenen Arbeitszeitmodelle zum Einsatz kommen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. Hierbei komme 2024 auch das Thema Vier-Tage-Woche als Projekt auf die Agenda. Es würden „entsprechend den ethischen Richtlinien“ bereits auch Auszubildende aus dem Ausland angeworben. „Derzeit haben wir aus Vietnam fünf und aus Marokko vier Auszubildende“, sagt Hartenstein. Darüber hinaus seien Duale Studiengänge möglich. Angeboten werden Soziale Arbeit (in Kooperation mit der IU Karlsruhe) und Pflegewissenschaft (zusammen mit der FH Freiburg). In beiden Fachrichtungen gibt es ab dem Herbstsemester noch freie Plätze.

Umbau des Altenzentrums in vollem Gang

Nicht nur bei den Konzepten tut sich etwas. Auch der Umbau und die Modernisierung des Altenheims St. Josef läuft „auf vollen Touren“. Geht es nach Hartenstein soll dieser noch im Sommer dieses Jahres abgeschlossen werden. Insgesamt werden in dem Altenheim etwa 117 Frauen und Männer betreut. Dadurch, dass die Plätze in der Einrichtung unverändert bleiben, bleibe der Stellenschlüssel der gleiche. Der ursprünglich anvisierte Kostenrahmen von vier Millionen Euro werde aber wohl überschritten.

Die Geschichte des Altenzentrums geht weit zurück. Sie startete 1847 mit der Einrichtung einer Suppenküche für die Armen des Ortes im Anwesen einer früheren Adelsfamilie. Bis zu 700 Bedürftige wurden hier von den „Niederbronner Schwestern“ und Herxheimer Frauen mit einer warmen Mahlzeit versorgt. 1855 wurde das Haus als Wohn- und Lebensstätte für Behinderte, Arme und Waisen eingerichtet. Neben Kinder- und Handarbeitsschule kamen später eine Säuglings- und Wöchnerinnenstation sowie ein Kindergarten hinzu. 1973 wurde die Wöchnerinnenstation dann geschlossen, drei Jahre später wurde das Haus zu einem modernen Altenzentrum ausgebaut.

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