Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Westpfalz-Klinikum: Kommunalpolitik sorgt sich um Standort Kusel, Geschäftsführer widerspricht

In die Jahre gekommen: das Westpfalz-Klinikum in Kusel.
In die Jahre gekommen: das Westpfalz-Klinikum in Kusel.

Wird es in Zukunft noch ein Krankenhaus in Kusel geben? In der jüngsten Kreistagssitzung wurden daran Zweifel geäußert. Der Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums stellte die Pläne für das Haus vor – und reagierte auf die Kritik.

Thorsten Hemmer, der Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums, war am Mittwoch von Kaiserslautern nach Kusel gekommen, um den Kreistag über den Fortgang des Sanierungskonzeptes zu informieren. Zur Erinnerung: Die Gesellschafter des Westpfalz-Klinikums (Stadt Kaiserslautern, Landkreis Kusel und der Donnersbergkreis) hatten im vergangen Jahr ein gut 63 Millionen Euro schweres Unterstützungspaket aufgelegt. Landrat Otto Rubly: „Das hat uns eine Insolvenz erspart.“

Hemmer stellte unter anderem die Finanzplanung vor und erläuterte, wie die Kreistage und der Lautrer Stadtrat sowie der Aufsichtsrat des Klinikums künftig über die finanzielle Lage des Hauses und den Fortgang des Zukunftskonzepts informiert werden. Klar ist: An drei Standorten des Krankenhauses soll in den kommenden Jahren investiert werden. „In Kusel haben zu Jahresbeginn die Arbeiten an der Erweiterung der Frühreha begonnen“, sagte Hemmer, „das ist hier die erste große Maßnahme.“ Die Klinik für neurologische und neurochirurgische Frührehabilitation soll zum 1. Juli um sechs Betten erweitert werden.

Bettenhaus und OP-Trakt werden Baustellen

Langfristig soll der Standort Kusel komplett überplant werden, einen Zeitraum nannte Hemmer nicht. „Das Gebäude ist zu Beginn des Jahres 40 geworden, sieht aber nicht so aus. Es ist gut gepflegt“, attestierte der Geschäftsführer. Allerdings sei die Struktur nicht mehr zeitgemäß, der Zimmerzuschnitt veraltet. Beispielsweise müssten die Nasszellen auf den Patientenzimmern umgestaltet und der Zentral-OP dringend saniert werden.

Die Ausführungen waren Kreistagsmitglied Reinhard Reiser (CDU) zu dünn: „Da wurde wenig konkret zu Kusel gesagt.“ Und Leo Reiser (CDU) stellte fest, dass das Bettenhaus veraltet ist und seinen Zweck nicht mehr erfülle. Eine umfassende Sanierung sei „fundamental“ wichtig. Hemmer stimmte grundsätzlich zu, die Überplanung aber dauere ihre Zeit. In einer Begehung vor zwei Wochen mit Vertretern des Westpfalz-Klinikums, Landrat und Gesundheitsministerium sei klar geworden, dass die aus Mainz angereiste Delegation „ganz klar zum Standort Kusel steht“, betonte Hemmer: „Das ist auf dem Weg, die Notwendigkeit wird gesehen.“

Ursachen suchen, nicht nur investieren

Reinhard Reiser wünschte sich, dass verstärkt nach den Ursachen gesucht wird, wieso das Westpfalz-Klinikum überhaupt in einer solch schwierigen Lage ist: Seit 2017 sei die Geschäftsführung „offenen Auges in ein Desaster gelaufen“. Dem entgegnete Landrat Rubly, dass damals sehr wohl gegengesteuert wurde – im 2017 aufgelegten Masterplan 2025: „2019 hat uns ein Gutachter bescheinigt, dass die Maßnahmen richtig waren und gegriffen haben.“ Bundesweit seien derzeit Krankenhäuser in finanzieller Not.

Auch „ein auffallend hoher Krankenstand“ im Westpfalz-Klinikum trage zur aktuellen Situation bei, weil deshalb Betten stillgelegt werden mussten. Reinhard Reiser: „Warum ist das so?“ Dass die Krankenstände zu hoch sind, habe die Geschäftsführung erkannt und versuche gegenzusteuern – auch das sei kein exklusives Problem des Westpfalz-Klinikums. Hemmer: „Wir stellen uns den internen Prozessen, wir gehen das an.“ Gleichzeitig verwies er darauf, dass die Bettenauslastung aktuell bei knapp 90 Prozent liege: „Unsere Häuser sind voll.“ Nach den Corona-Jahren stehe das Westpfalz-Klinikum heute wieder ganz anders da.

Bekommt Kusel eine Geriatrie?

Reinhard Reiser äußerte Zweifel zur Zukunftssicherheit: „Das Krankenhaus in Kaiserslautern wird alle Krisen überleben. In Kusel sieht das anders aus. Kusel kann nur überleben, wenn es Schwerpunktkrankenhaus wird und damit systemrelevant.“ Zu lange sei der hiesige Standort „als Anhängsel von Kaiserslautern gesehen worden“. Dem widersprach Hemmer vehement: „Kusel ist heute Maximalversorger, hat hervorragende Schwerpunktabteilungen.“ Die Frührehabilitation sei deutschlandweit vorne, die Orthopädie von überregionaler Bedeutung und das Gefäßmedizinische Zentrum ein „Leuchtturmprojekt“. Hemmer: „Wir werden den Standort weiterentwickeln und wo’s fehlt, ergänzen.“ So sei eine altersmedizinische Station, eine Geriatrie, für Kusel gerade intern in der Diskussion.

Landrat Otto Rubly, der im vergangenen Jahr turnusgemäß Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums war, zeigte sich überzeugt: „Der Standort Kusel ist ein sicherer Standort.“ In der Politik sei wichtig, geschlossen aufzutreten und der Landesregierung zu zeigen, dass man gemeinsam zum Krankenhaus steht.

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