Schönenberg-Kübelberg
„Wassernetze sind wie Spinnennetze“: Ein Blick hinter die Kulissen des Wasserwerks
Wenn Titus Müller-Skrypski, der Werkleiter des Wasserzweckverbands Ohmbachtal (WZVO), Besucher durch das Wasserwerk auf der Hub in Schönenberg-Kübelberg führt, kann er damit locker zwei Stunden füllen. Und mehr. Als er am Dienstagnachmittag vier Leute – einen RHEINPFALZ-Redakteur inklusive – zu Gast hat, wählt er allerdings die Kurzversion. Er will die Führung nicht überfrachten.
Es ist die Woche des offenen Wasserwerks – eine Aktion, mit der der Wasserzweckverband nebst einer Feier am vergangenen Sonntag sein 60-jähriges Bestehen begeht. Noch bis einschließlich Sonntag, 11. Mai, können Besucher des Werks täglich zwischen 9 und 15 Uhr Einblicke in die Aufbereitung und Verteilung unseres Trinkwassers gewinnen. „Der Weg des Wassers startet bei den Brunnen“, erklärt Müller-Skrypski. Die nächste Station sei das Wasserwerk. „Ein Teil des Rohwassers wird zunächst in die Aktivkohlefilteranlage geleitet, wo es von Bromacil gereinigt wird.“ Das übrige Rohwasser – und zwar das aus einem von vier Brunnen – sei frei von Bromacil und fließe direkt weiter in die sogenannte Magno-Dol-Halle, wo es auf einen höheren pH-Wert gebracht werde. Magno-Dol ist der Name eines Filtermaterials, das die Rohrleitungen vor Korrosion schützt, während Bromacil als Pflanzenschutzmittel eingesetzt wird und daher im Trinkwasser nachvollziehbarerweise eher unerwünscht ist.
Im Dezember 2005 sorgte eine bei einer Probe festgestellte deutlich erhöhte Bromacilbelastung für ein unruhiges Weihnachtsfest bei Werkleiter und Verbandsvorsteher. „Gerade mal 18 Monate später ging die Aktivkohlefilteranlage in Betrieb“, blickt der Werkleiter zurück. Sie habe langfristig Abhilfe geschaffen. Christoph Lothschütz, der kürzlich Klaus Müller als Verbandsvorsteher abgelöst hat, nennt dies eine „rekordverdächtige Zeit“.
Rund 130 Kilometer langes Rohrleitungsnetz
Nach der Filterung in der Magno-Dol-Halle führt der Weg des Wassers weiter in die Reinwasserkammer und von dieser zu den Pumpen, die es zu den Hochbehältern in Altenkirchen und Steinbach befördern. Von dort wird es weiter verteilt. Das Rohrleitungsnetz des Zweckverbands ist rund 130 Kilometer lang. „Wassernetze sind wie Spinnennetze“, verbildlicht Müller-Skrypski den Weg des Trinkwassers, der übrigens auch auf einer Karte dargestellt ist, die neben dem Eingang des Wasserwerks hängt. „Nach außen werden die Rohrleitungen nämlich immer dünner.“ Der Zweckverband sei nur bis zum Ortsschild zuständig, ab dort – hinter sogenannten Übergabeschächten – übernehme die jeweilige Verbandsgemeinde. Müller-Skrypski: „Wir sind also nur der Vorlieferant.“ Besagte Karte kann jederzeit von Spaziergängern angesehen werden. Sie zeigt unter anderem die Verzweigung des Netzes und die Standorte von Hochbehältern, die als Speicherreservoire dienen sowie die Versorgungssicherheit steigern sollen. Der WZVO betreibt insgesamt 25 Hochbehälter.
Das Verbandsgebiet umfasst 47 Ortsgemeinden – einschließlich der Stadt Kusel und mehreren Gemeinden aus dem Kreis Kaiserslautern –, in denen derzeit insgesamt rund 42.000 Einwohner leben. Die Wasserförderung im Zweckverband läuft aktuell über vier Brunnen, die sich in der Nähe von Kübelberg befinden, und zwei weitere bei Elschbach (Bruchmühlbach-Miesau). Bei Kübelberg soll schon bald ein weiterer Brunnen Wasser liefern, der als „Brunnen fünf“ schon sehr lange einen Namen hat. Zur Erklärung: Es gibt ihn bereits seit einem Vierteljahrhundert, nur ist er noch nicht am Netz. Die Inbetriebnahme steht allerdings unmittelbar bevor. Müller-Skrypski wagt eine Prognose: „Ich denke, dass es Mitte Juni so weit ist.“
Letzte Chance, die Pumpe anzuschauen
In jenen Brunnen fünf soll in den nächsten Wochen eine Pumpe eingelassen werden, die man als Besucher des Wasserwerks aktuell noch in Augenschein nehmen kann und die dann – voraussichtlich für viele Jahrzehnte, wenn nicht gar ein Jahrhundert – im Erdreich verschwindet. Der neue Brunnen dient nicht nur dem Zweck, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sondern auch die Nitratbelastung zu reduzieren. Momentan liegt der Nitratwert beim Mischwasser aus den vier schon genutzten Brunnen im Mittel bei 35 Milligramm pro Liter, erklärt der Werkleiter. Durch die Unterstützung von Brunnen fünf und gezielte Mischung des Wassers könne sich dieser Wert auf 17 Milligramm absenken lassen.
Das Wasserwerk in Schönenberg-Kübelberg gleicht aktuell einem kleinen Museum. Innen sind Banner aufgestellt – und auch draußen am Wegesrand ist ein Ausstellungsstück zu finden: eine Pumpe, die einer kleinen Beschreibung zufolge 52 Jahre lang im Wasserwerk in Elschbach ihren Dienst verrichtet hat. „Im Dezember haben wir sie ausgebaut“, erzählt Müller-Skrypski. „Der Motor funktioniert zwar noch, doch das Flügelrad ist nicht mehr da.“ Der Werkleiter ist inzwischen 25 Jahre in Schönenberg-Kübelberg tätig und betont bei der Führung, dass das Thema Energieeffizienz für ihn besondere Priorität hat. Den Teilnehmern zeigt er in diesem Zusammenhang unter anderem die große Photovoltaikanlage zur Stromgewinnung an der Außenwand und die beiden Blockheizkraftwerke. Effiziente Pumpentechnik und die Aussetzung der Wasserförderung in den Hochlastzeitfenstern der Stromversorger, also in Zeiträumen mit hoher Stromnachfrage und Netzbelastung, sorgten zudem für Energie- beziehungsweise Kosteneinsparungen.
Zur Sache
Der Wasserzweckverband Ohmbachtal wurde am 5. Mai 1965 gegründet. Ziel war es, das Wasserreservoir im Buntsandstein des Landstuhler Bruchs anzuzapfen und das gewonnene Grundwasser an die an Wassernot leidenden Gemeinden zu verteilen. Bis zum Jahr 1970 wurden auf der Gemarkung von Schönenberg-Kübelberg vier Tiefbrunnen „niedergebracht“, wie es im Fachjargon heißt. Im Mai 1970 wurde mit dem Bau des Wasserwerks auf der Hub begonnen, 1972 erhielten die ersten Gemeinden das sogenannte Ohmbachtalwasser. Heute fördert und verteilt der WZVO jährlich 2,5 Millionen Kubikmeter Grundwasser aus den Gewinnungsgebieten Schönenberg-Kübelberg und Elschbach. Laut Verbandsvorsteher Christoph Lothschütz kann das Wasserwerk auf der Hub auch nach der Woche des Wasserwerks – auf Anfrage – von Schulen und Kindergärten besichtigt werden.