Schönenberg-Kübelberg
Trinkwasser-Förderung: Brunnen Nummer fünf soll Versorgung sichern und Güte erhöhen
Und wo genau wird bald die Pumpe stampfen? Doch wohl kaum direkt vorm Domizil der Kübelberger Schäferhunde-Freunde, oder? Nein, ganz sicher nicht. Immerhin gibt’s dort wenigstens schon was zu sehen: Mächtige königsblaue Rohre lagern da – bereit, im Boden zu versinken. Zur unterirdischen Leitung verknüpft, werden sie künftig Unmengen an Wasser aus einem neuen Brunnen ins Wasserwerk des Großversorgers befördern. Jenen Brunnen Nummer fünf nimmt der Wasserzweckverband Ohmbachtal schon bald in Betrieb. 1,2 Millionen Euro fließen in das Vorhaben, das zweierlei Zweck erfüllen wird: Gilt es doch, die Versorgungssicherheit langfristig zu stärken und zudem die Güte des lebensnotwendigen Nass’ zu steigern.
Mittwochvormittag bei Kübelberg: Gut einen Kilometer südlich des Ortsrandes nimmt ein Trio die Rohre in Augenschein. Auf einer Lichtung direkt am Waldwirtschaftweg blicken Verbandsvorsteher Klaus Müller, sein Stellvertreter Christoph Lothschütz und Werkleiter Titus Müller-Skrypski auf die langen Rohre: dicke Dinger, fürwahr, an der breitesten Stelle der Innenwände exakt 300 Millimeter stark. Da passt schon eine stattliche Menge durch. 1,2 Millionen Kubikmeter Wasser darf der Brunnen im Jahr liefern – so steht es auf einem Papier, das wichtige Stempel und Unterschriften trägt und damit die Erlaubnis der zuständigen Wasserbehörde für diese maximale Entnahmemenge dokumentiert.
Papier ist geduldig. Und was da als maximal genehmigte Fördermenge festgeschrieben steht, ist existenziell gar nicht so wichtig. Denn auch ohne Brunnen Nummer fünf leidet bislang im Versorgungsgebiet niemand Not. Bester Beleg für die Tatsache, dass es zur Versorgung von gut und gerne 42.000 Menschen in 47 Dörfern und Städtchen auch ohne dicke reicht: Der Brunnen ist schon 24 Jahre alt. Seither schlummerte er vor sich hin. Bis Jahresende soll er nun erwachen.
Schon vor 24 Jahren mit der Erkundung begonnen
Schon vor einem guten Vierteljahrhundert also, im Jahr 2000, hat der Zweckverband seinen künftig fünften Tiefbrunnen niedergebracht, wie das die Fachleute nennen. Jetzt wird er ausgebaut und in das Versorgungsnetz eingebunden. Dazu muss nun zunächst die gut zwei Kilometer lange Rohwasserleitung verlegt werden, samt Elektroanschlüssen.
Den Auftrag hat sich ein Bauunternehmen aus Bexbach gesichert, das dafür knapp über eine halbe Million Euro erhält. Die Auftragssumme beläuft sich auf 505.000 Euro – günstig, so die Einschätzung von Werkleiter Müller-Skrypski. Mit dem Tiefbau ist es aber noch nicht getan: Es gilt, die Brunnentechnik zu installieren, die Förderpumpe und den Brunnenkopf einzubauen. Der Brunnen wird eingehaust, also räumlich umschlossen. Schließlich muss die neue Leitung auch noch hydraulisch in das bestehende Netz eingebunden werden.
Werkleiters Prognose: Keine höheren Preise
Auf rund 1,2 Millionen Euro summiert sich die Investition, die der Zweckverband – Verbandsmitglieder sind die Verbandsgemeinden Oberes Glantal und Kusel-Altenglan sowie die Städte Kusel und Ramstein-Miesenbach – in die Anbindung des fünften Brunnens fließen lässt. Planungs- und Gutachterkosten, die Genehmigungsgebühren, Kosten für das Elektrokabel und nicht zuletzt die Umzäunung des Brunnens haben eben auch ihren Preis.
Klingeln da nun leise die Alarmglocken? Titus Müller-Skrypski kann beruhigen: Nein, die Investition werde sich nicht auf den Wasserpreis niederschlagen, betont er. Das sei fast eine Sache des laufenden Geschäfts, das über Abschreibungen abzufedern sei. Verbandsvorsteher Müller kann mit Zahlen aufwarten, die von solidem Wirtschaften weit abseits von Gewinnstreben künden: Binnen 45 Jahren sei – bezogen auf den geprüften Jahresabschluss von 2020 – um gerade mal (umgerechnet) 8 Pfennige gestiegen, wenn man den 2013 eingeführten Wassercent (heute sechs Cent pro Kubikmeter) außer Acht lasse. Das entspreche einer Preissteigerung von nur 8,3 Prozent über viereinhalb Jahrzehnte hinweg.
Dass der nunmehr fünfte Tiefbrunnen im Gewinnungsgebiet Schönenberg-Kübelberg langfristig für Versorgungssicherheit bürge, sei wohl unbestritten. Hinzu kommt laut Verbandsspitze und Werkleitung, dass der Brunnen auch die Wassergüte erhöht – dies mit Blick auf die Nitratbelastung.
Brunnen fünf hilft Nitratgehalt deutlich zu senken
Was die betrifft, hat der Versorger schon mal schlechter gelegen, war zeitweise, vor allem im Jahr 1995, sogar gefährlich nahe an den zulässigen Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter gelangt. Damals sei aber wirkungsvoll gegengesteuert worden. Momentan liege der Nitratwert beim Mischwasser aus den vier schon genutzten Brunnen im Mittel bei 35 Milligramm. Der fünfte Brunnen weist hingegen einen ungleich geringeren Wert auf: 13 Milligramm, also fast die Hälfte.
Wird nun die vorgesehene maximale Menge aus dem neuen Brunnen beigemischt und dafür im Gegenzug die Einspeisung aus Brunnen in einem höher belasteten Grundwasserbereich gesenkt oder eingespart, lasse sich der Nitratwert im Mischwasser auf 17 Milligramm absenken, also gegenüber heute beinahe halbieren.
Dies ist nun der eigentliche Vorteil, den die Inbetriebnahme von Brunnen Nummer fünf mit sich bringt. Es gehe darum, die Wasserentnahme zu „entzerren“, aber keineswegs die Fördermenge zu erhöhen, betont der Zweckverbandsvorsteher. Im Gewinnungsgebiet Schönenberg-Kübelberg darf der Zweckverband 2,8 Millionen Kubikmeter schöpfen. Und daran werde nicht gerüttelt.
Fördergebiet weist idealen Untergrund auf
Die maximal erlaubte Menge wird auch nicht ausgereizt. Der Zweckverband begnügt sich mit 2,5 Millionen Litern, die pro Jahr aus dem Untergrund gesaugt werden, ohne dass sich jemand um den Füllstand im riesigen Reservoir sorgen müsste. Der Untergrund besteht aus mächtigen Schichten von Buntsandstein, ist ob seiner Beschaffenheit in hohem Maße flüssigkeitsdurchlässig, weist ein hohes Speichervermögen auf und bietet zudem auch noch eine optimale Filterwirkung. In dieser Einschätzung der Förderbedingungen vor Ort herrscht unter Fachleuten Einigkeit.
Von den 2,5 Millionen Kubikmetern gibt der Verband sogar noch ein gutes Fünftel ab: Das erhält der benachbarte Zweckverband Westpfalz, dessen Wasser auch in die meisten Dörfer in der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein gelangt.
100-Meter-Wassersäule auf drei Fußballfeldern
Wie viel da sprudelt, lässt sich veranschaulichen: Drei Fußballfelder nebeneinander müsste man 100 Meter hoch ummauern, damit das Mega-Bassin die Menge von 24 Millionen Kubikmetern aufnehmen könne. 50 Meter hoch müssten die Mauern sein, um den Raum mit Wasser aus dem Brunnen Nummer fünf zu füllen.
Und wo liegt er nun genau? Das soll nicht verraten werden, zählt doch die Wasserversorgung zur sogenannten kritischen Infrastruktur. Zu sehen ist eh nicht viel dort, zu holen auch nicht. Nur so viel: Er findet sich irgendwo zwischen Waldmohrer Motschmühle, nicht weit entfernt von eingezäunten Bunkern des Militärdepots Miesau, die gefüllt sind mit Sachen, die man auch nicht gerne näher erkunden möchte.