Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Was die Weinrunde Pfälzer Musikantenland ausmacht

Die Weinrunde bei einem Ausflug nach Weinfranken.
Die Weinrunde bei einem Ausflug nach Weinfranken.

Die Weinrunde Pfälzer Musikantenland widmet sich seit fast 50 Jahren der Pflege der Weinkultur. Zwei Mitglieder verraten, was außer der gemeinsamen Weinprobe dazugehört.

Die Weinbruderschaft der Pfalz wurde 1954 auf Basis eines bereits 1939 gegründeten Vorläufers ins Leben gerufen, um das Kulturgut Wein zu pflegen. Mit etwa 800 Mitgliedern ist sie nach eigener Auskunft die größte Weinbruderschaft Deutschlands. Die Weinrunde Pfälzer Musikantenland wurde in den 1970er-Jahren in Kusel gegründet und zählt Mitglieder aus der ganzen Region.

Rainer Welker, Sprecher der Weinrunde, trat der Organisation nach einem Zufallstreffen in Frankreich bei. Mit einem befreundeten Ehepaar war er dort auf einer Weinwanderung, als er ganz nach dem Motto „So klein ist die Welt“ Karl Pfaff aus Landstuhl traf. Dieser machte ihn auf die Weinrunde aufmerksam. Da er schon immer weinaffin war – wie sein beachtlicher Weinkeller mit knapp 450 Flaschen zeigt –, entschloss er sich, der Organisation beizutreten. Der ehemalige Betriebsleiter aus Ramstein ist mittlerweile als Weinjournalist und Juror tätig. Sein langjähriger Vorgänger als Sprecher der Weinrunde Pfälzer Musikantenland ist Michael Comtesse.

Mehr als 600 Veranstaltungen organisiert

Schon länger mit dabei ist Gerd Schmidt-Zöllner, Archivar der Weinrunde. Er erinnert sich an viele spannende Veranstaltungen, die von der Weinrunde organisiert worden sind – immer mit dem Ziel, nebst der Weinkultur auch „Kunst, Literatur oder Musik zu pflegen“. Regelmäßig werden Weinproben durchgeführt. Es gibt Vorträge von Winzern oder über historische Persönlichkeiten. Zudem besucht die Weinrunde geschichtsträchtige Stätten und Weltunternehmen in der Region. Die Weihnachtsfeier der Weinrunde wird jeweils in einer anderen Dorfkirche abgehalten. „Man glaubt gar nicht, was es in der Pfalz alles so gibt“, kommentiert Welker die Aufzählung der Aktionen durch Schmidt-Zöllner.

Rainer Welker (links) ist Sprecher der Weinrunde Pfälzer Musikantenland, Gerd Schmidt-Zöllner der Archivar.
Rainer Welker (links) ist Sprecher der Weinrunde Pfälzer Musikantenland, Gerd Schmidt-Zöllner der Archivar.

Kultur- und Weinreisen führten die Gruppe unter anderem in das Markgräflerland, an die Elsässer Weinstraße und an den Bodensee. Mehr als 600 Veranstaltungen hat die Weinrunde seit ihrer Gründung ausgerichtet. Obwohl der Weinbruderschaft ihrem Namen nach nur Männer angehören, sind zu den Veranstaltungen auch Frauen eingeladen. „Dass nur Männer aufgenommen werden, geht so aus der Tradition hervor“, erklärt Schmidt-Zöllner. „Aber das wird sich in Zukunft vielleicht noch ändern“, sagt Welker.

Wandel im Pfälzer Weinbau

Was erwarten die Weinkenner für die Zukunft des edlen Tropfens in der Pfalz? „Der Weinkonsum geht zurück. Pfälzer Winzer exportieren viel in die USA. Das wird ihnen durch die teuren Zölle im Moment nicht leicht gemacht“, schildert der Archivar aktuelle Beobachtungen. „Junge Winzer übernehmen die Betriebe, was einen Wandel weg vom Fasswein und hin zum Flaschenwein begünstigt. Mit der höheren Qualität gehen aber natürlich auch steigende Preise einher“, sagt Welker.

Und wie stehen die beiden dazu, dass es immer mehr alkoholfreie Weine gibt? Noch seien die Produkte nicht ausgefeilt genug, finden die Männer. Man könne das mit der Entwicklung von alkoholfreien Bieren vergleichen. Erst mit der Zeit und mit einigen Anpassungen sei die Qualität auf ein gutes Level gestiegen.

Junge Mitglieder gesucht

Ebenfalls spannend seien sogenannten Piwi-Weine. Das sind pilzwiderstandsfähige Sorten, die als nachhaltige Weine aus Neuzüchtungen hervorgehen. Durch ihre hohe Resistenz gegenüber Krankheiten brauchen sie bis zu 80 Prozent weniger Pflanzenschutzmittel – so sparen Winzer und verbinden Umweltfreundlichkeit mit gutem Geschmack, erklären die beiden Weinbrüder.

Wie so viele Vereine kämpft die Weinrunde Pfälzer Musikantenland um junge Mitglieder. Durch aktives Herantreten an potenzielle Kandidaten konnte dem hohen Altersdurchschnitt schon etwas entgegengewirkt werden, erklärt Welker. Ziel des Vereins bleibe es weiterhin, eine lebendige Gemeinschaft zum Gedankenaustausch zu erhalten. „Unser Ziel ist es, das kulturelle Erbe wahrzunehmen und an junge Leute weiterzugeben“, fasst Schmidt-Zöllner zusammen.

Die Serie

In der Reihe „Vereinssache“ berichten wir über eingetragene Vereine aller Art im Kreis Kusel: vom Sport- über den Förder- bis hin zum Freizeitverein. Wer vorgestellt werden möchte, kann sich per E-Mail bei der Redaktion melden: redkus@rheinpfalz.de.

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