Kusel
VdK-Heim: Diskussionen um Neubaupläne in der Winterhelle
Wohnraum ist in Kusel ein rares Gut: Wer nach einer neuen Miet- oder Eigentumswohnung sucht, wird nur schwerlich fündig. Neben dem früheren VdK-Heim am Etschberger Weg könnten allerdings mehrere Dutzend neue Wohnungen entstehen: Der aktuelle Eigentümer der Immobilie beabsichtigt einen Neubau, der nördlich des früheren Erholungsheims entstehen könnte. Bereits im vergangenen Jahr hatte Stadtbürgermeister Martin Heß (CDU) mitgeteilt, dass der neue Besitzer damit liebäugele, die Fläche nebenan mit einem weiteren Gebäude zu schließen.
Eigentümer ist seit 2024 Liam Fahandezh-Saadi, einer von drei Geschäftsführern der Acta Gruppe – ein Zusammenschluss mehrer Wohnimmobilieninvestoren und Vermögensverwalter mit Sitz in Mannheim. Aus deren Reihen stellte Mitgeschäftsführer Alexander Pütter in der vergangenen Stadtratssitzung die aktuellen Pläne vor: Vorgesehen ist demnach ein Bau mit rund 50 Wohneinheiten, der in fünfgeschossiger Bauweise entstehen soll.
Das Gebäude solle „kein Luxusbau“ werden, so Pütter, sondern eine Mischung aus Ein- und Zweizimmerwohnungen bieten, die als Eigentumswohnungen zum Verkauf angeboten werden sollen. Auch Wohnungen mit drei Zimmern seien wegen der hohen Nachfrage denkbar. „Die gesamte Anlage soll zu hundert Prozent barrierefrei sein“, stellte Pütter in Aussicht. Ebenfalls geplant seien neue Stellplätze. Die bisherige Zufahrt könne weiter genutzt werden, ebenso wie die vorhandenen Ver- und Entsorgungsleitungen. „Wir rechnen deshalb damit, dass keine großen Erschließungsarbeiten nötig wären“, so Pütter.
„Muss das erst einmal sacken lassen“
Im Kuseler Stadtrat fielen die Reaktionen skeptisch aus. „Man muss das erst einmal sacken lassen“, sagte etwa der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Schmid. Auf der einen Seite sehe er den dringenden Bedarf für neue Wohnungen in der Kreisstadt, auf der anderen Seite habe er aus städtebaulicher Sichtweise seine Zweifel: „Zwei Bauklotze nebeneinander finde ich nicht ideal.“
Für kritische Nachfragen sorgten die bisherigen Erfahrungen mit dem ehemaligen VdK-Heim, das seit dem Eigentümerwechsel laut Pütter als reines Wohnobjekt genutzt wird. Stadtbürgermeister Heß merkte etwa an, dass sich Bürger häufiger wegen Lärm- und Müllproblemen sowie der Parksituation am Etschberger Weg beschwert hätten. Rüdiger Falk (SPD) warf deshalb die Frage auf, wie sinnvoll es ist, ein ähnliches Projekt zu genehmigen, wenn die Probleme im Nachbargebäude noch nicht gelöst sind. „Viele Kuseler haben deshalb große Bedenken“, so Falk.
Pütter zeigte Verständnis für die Sorgen – merkte allerdings auch an, dass die Immobilie mit einer „sehr schwierigen Mieterstruktur“ sowie zahlreichen Problemen übernommen worden sei. „Der Müllplatz war anfangs eine Reihe von Mülltonnen, aus denen Ratten krochen, was ein unzumutbarer Zustand war“, so Pütter. Inzwischen habe sich die Situation aber deutlich verbessert – unter anderem durch einen komplett neuen, umzäunten Müllplatz, gerichtliche Prozesse gegen problematische Mieter oder den Anwohnern zugewiesene Stellplätze. Darüber hinaus verlasse man sich nicht nur auf die Hausverwaltung, sondern zeige auch selbst Präsenz vor Ort, um Probleme zu lösen.
Garagenpark als Plan B?
„Wir sind immer noch nicht bei dem Zustand, den wir haben wollen, aber wir sind dran“, sagte Pütter. Zuvor hatte Julian Hellriegel (CDU) angemerkt, dass es immer noch viel Luft nach oben gebe: Er habe sich das Objekt am Etschberger Weg angeschaut und dort – abgesehen vom Müllplatz und dem Zaun – „wenig Verbesserungen“ in puncto Unrat entdeckt.
Ob die Pläne umgesetzt werden, muss der Stadtrat erst in einem Grundsatzbeschluss entscheiden. Alternativ gibt es laut Pütter die Überlegung, einen Garagenpark für Wohnmobile neben dem früheren VdK-Heim zu errichten. Gerade nach der Corona-Pandemie sei die Nachfrage hoch und es gebe im Landkreis Kusel wenige solcher Angebote. Allerdings handele es sich dabei nur um eine „Notalternative“, betonte der Geschäftsführer.
Heim unter Kohl eröffnet
Das ehemalige VdK-Heim hat viele Eigentümerwechsel hinter sich: Das 1973 noch im Beisein des damaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Helmut Kohl eingeweihte Gebäude nutzten bis 2000 in erster Linie die Mitglieder des Sozialverbands VdK für Erholungszwecke. Danach wurde es in Trägerschaft des Sozialverbands als Hotel mit knapp 100 Betten betrieben, ehe es 2008 geschlossen wurde. Danach erwarb im Jahr 2011 die Senium Seniorenhilfe GmbH das Gebäude, um ein Pflegehotel zu eröffnen. Nach mehrfachen Verzögerungen und Auflagen bei der Genehmigung übernahm 2017 als letzter Eigentümer vor dem jüngsten Wechsel die von chinesischen Geschäftsleuten geführte KFDM GmbH die Immobilie.