Schönenberg-Kübelberg RHEINPFALZ Plus Artikel Top-Abitur trotz Hindernissen

Sophie Molinger
Sophie Molinger

19 Jahre, Nebenjob, ADHS: Sophie Molinger aus Dunzweiler erreicht an der IGS eine Abinote von 1,2 und plant den Weg in die Medizin.

Sophie Molinger aus Dunzweiler hat an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Schönenberg-Kübelberg/Waldmohr mit einem Durchschnitt von 1,2 das kreisweit beste Abitur abgelegt. Wie ihr das trotz Nebenjob und einer ADHS-Erkrankung gelang, erzählt die 19-Jährige offen – auch, weil sie Vorurteile abbauen möchte.

Von der dritten bis zur zehnten Klasse besuchte Molinger eine Waldorfschule, anschließend wechselte sie wegen des Bewertungssystems an die IGS. „In der Waldorfschule zählen nur die Abiturprüfungen für den Schnitt“, sagt sie.

Ein schlechter Tag hätte ihre Chancen auf einen Studienplatz in Medizin schmälern können. Nach der zehnten Klasse an der Waldorfschule hatte sie – trotz guter Noten – keinen Abschluss und wiederholte die Jahrgangsstufe an der IGS. „Das war gut, um im neuen System anzukommen“, ist sie überzeugt.

Stolz auf das Ergebnis

Mit einem guten Notendurchschnitt hatte sie gerechnet, das Ergebnis macht sie dennoch stolz. Sie sei immer eine gute Schülerin gewesen, in der Oberstufe habe sie sich jedoch besonders reingehängt. Ihr Rat fürs Abitur: sich nicht zu viel Stress machen, Zeit gut einteilen und den Lernstoff übersichtlich organisieren. „Wie die meisten war ich aber auch immer zu spät am Lernen“, sagt sie lachend. Die Prüfungen seien weniger schlimm, als man befürchte.

Als Leistungskurse wählte sie Englisch (12 Punkte) sowie Biologie und Erdkunde, in denen sie 14 und einmal die Maximalpunktzahl 15 erreichte. Die mündliche Prüfung in Deutsch bestand sie mit 14 Punkten – obwohl nach den schriftlichen Prüfungen „die Luft ein bisschen raus war“. Vor dem Mündlichen habe sie Respekt gehabt: „Die Prüfungssimulation war schlimmer als die Prüfung selbst.“

Auch am Arbeitsplatz gebüffelt

Gelernt hat Molinger teilweise auch am Arbeitsplatz. Schon während der Schulzeit jobbte sie im Wasgau in Schönenberg – an Samstagen auch mal acht Stunden und manchmal direkt nach dem Unterricht. In ruhigen Phasen an der Kasse durfte sie ihre Lernzettel durchgehen. Nach dem Abitur stockte sie auf Teilzeit auf. Im April nimmt sie in Kaiserslautern an einer Simulation des Tests für Medizinische Studiengänge (TMS) teil, der entscheidende TMS folgt im November. Trotz Top-Abitur ist ein Studienplatz nicht sicher.

Am liebsten würde Molinger in Heidelberg studieren, um am Wochenende in die Heimat pendeln zu können. Auch ein Stipendium bei „Ärzte für die Westpfalz“ ist eine Option. Der Studienort wäre dabei Ungarn. „Ich möchte aber lieber in Deutschland bleiben, um meine Familie öfter zu sehen. Außerdem würde es mir sehr schwerfallen, meine Pferde abzugeben“, sagt sie. In ihrer Freizeit kümmert sie sich um zwei Pferde und macht Krafttraining – viele Beschäftigungen seien gut für sie.

Dass ADHS noch immer mit Klischees behaftet ist, weiß Molinger. Sie erlaubt ausdrücklich die Erwähnung ihrer Diagnose, um zu zeigen, dass sich ADHS und sehr gute Schulleistungen nicht ausschließen – obwohl es bei Klassenarbeiten oder Abiturprüfungen keine Vorteile wie ruhigere Räume gebe.

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