Homburg / Kreis Kusel
Stellenabbau bei Bosch: Rubly und Lothschütz sprechen von Desaster mit Ansage
„Das trifft uns hart – aber es fällt ja jetzt nicht vom Himmel“: Beileibe nicht nur Kusels Landrat Otto Rubly (CDU) hat das Desaster kommen sehen. Der Sinkflug in der Automobilindustrie trifft das Saarland ins Mark. Die Lichter gehen aus an der Saar: Mehr als 10.000 Industriearbeitsplätze sind dem Untergang geweiht. Jetzt gibt auch der Zulieferer Bosch beim Jobabbau stärker Gas als bislang befürchtet. Das werde auch im Landkreis Kusel deutlich zu spüren sein: „Es geht um Existenzen, um Familien.“
Annähernd 4000 Menschen aus dem Kreis stehen in der Saarpfalz in Lohn und Brot. Regelrecht wütend mache ihn, dass man in der Westpfalz nichts entgegensetzen könne – weil es bei Förderungen so trübe aussehe. Im Bereich Transformation tue sich gar nichts. Forderungen, die Wirtschaft in der Westpfalz zu entwickeln, verhallten zwar nicht völlig – „Es wird geredet und geredet“, sagt Rubly mit Blick auf sein Anliegen, es müsse ein Masterplan für die Westpfalz her.
„Weitere schlechte Nachrichten zu befürchten“
Christoph Lothschütz (CDU) dürfte im Urlaub wenig Freude verspürt haben. Auf Anfrage meldete sich der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Oberes Glantal sofort – Urlaub hin oder her. Allzu schlimm waren die Nachrichten, die die Region ereilt haben und vor allem den südlichen Landkreis Kusel schwer treffen: Bosch will bis 2030 insgesamt 1250 Stellen streichen und ein Werk schließen.
Damit verschwindet mehr als ein Drittel der verbliebenen Arbeitsplätze bei dem Automobilzulieferer – gerade einmal etwas mehr als 3200 sind es noch. In besten Zeiten beschäftigte Bosch in der Saarpfalz rund 7000 Menschen. „Dass bei Bosch etwas im Argen liegt, davon hatte man ja bereits seit Längerem gehört. Das Ausmaß jedoch war so nicht zu erwarten“, zeigte sich auch der Beigeordnete Christof Dahl, der Lothschütz vertrat, tief besorgt: „Es ist leider davon auszugehen, dass auch von anderen Zulieferern wie ZF noch ähnlich schlechte Nachrichten folgen könnten.“
3800 Arbeitnehmer pendeln in den Saarpfalz-Kreis
Die Dimensionen des Einbruchs sind nach den Schilderungen der beiden CDU-Politiker verheerend: Rubly hatte schon vor mehr als einem Jahr die Befürchtung geäußert, von 5000 Auspendlern könnten 3000 im Zuge der Automobilkrise ihre Arbeitsstelle verlieren. Lothschütz spricht von 3800 Pendlern, die den Südkreis täglich allein in Richtung Nachbarkreis verlassen. Hinzu kämen knapp 1000, die ins St. Wendeler Land pendeln. Demgegenüber stehen nach Angaben des Bürgermeisters nur 519 Einpendler, die den entgegengesetzten Weg nehmen.
Es droht massive Arbeitslosigkeit – mit entsprechenden Folgen. „Da hängen Existenzen ganzer Familien dran“, sagt Rubly. Jeder Arbeitsplatzverlust bedeute zudem geringere Einkommenssteuer-Einnahmen und negative Auswirkungen auf das Konsumverhalten. In der Summe seien die Konsequenzen deutlich spürbar.
Gute Job-Bilanz trübt sich mächtig ein
Dass derart viele Arbeitnehmer ins Saarland auspendeln, habe die Arbeitslosenquote im Kreis Kusel bislang gut aussehen lassen. Das werde sich drastisch ändern. Und deshalb fragen sich die Kommunalpolitiker, warum zwar das Saarland bei der Transformation gestärkt werden solle, der Landkreis Kusel aber leer ausgehe.
Rubly erinnert daran, dass sich ein Familienbetrieb aus Bayern im vergangenen Jahr in Waldmohr niederlassen wollte. Das Unternehmen hatte mehr als 40 Millionen Euro investieren und über 200 Arbeitsplätze schaffen wollen. Die Landesregierung sei mit im Boot gewesen. Weil jedoch die Förderbedingungen nicht gestimmt hätten, habe das als Zulieferer für die Halbleiter-Produktion tätige Unternehmen seine Ansiedlungspläne für die Westpfalz aufgegeben.
Ansiedlungsflächen dringend gebraucht
„Man traut uns seitens des Landes nicht zu, mit Geld umzugehen“, sagt Rubly lapidar, der entsprechende Förderprogramme für die vernachlässigte und totgesparte Region vermisst. Lothschütz erinnert zudem daran, dass dringend Ansiedlungsflächen gebraucht würden. Jetzt komme der vermeintliche „Turbo“ – gebraucht hätte man die Flächen jedoch schon viel früher.
Man müsse im Zuge der Transformation schauen, wie hier vor Ort Arbeitsplätze zu schaffen seien, um zumindest einen Teil der Verluste im Saarland auszugleichen. Bedauerlicherweise aber habe die Landesregierung die Region in der Westpfalz aus dem Blick verloren: Dies hatte die CDU-Landtagsfraktion im Frühjahr 2024 verlautbart, als die Ansiedlung des Unternehmens aus Bayern gescheitert war. Wesentliches geändert habe sich daran bis heute nicht, so der Landrat.