Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Bosch: 1250 Jobs werden gestrichen – Teilwerk soll schließen

Blick auf einen Teil des Homburger Bosch-Werks West. Das soll komplett geschlossen werden.
Blick auf einen Teil des Homburger Bosch-Werks West. Das soll komplett geschlossen werden.

Schon im Sommer hatte die IG Metall vor Jobabbau beim Homburger Bosch-Werk gewarnt. Nun soll eins der drei Werksteile komplett geschlossen werden. 1250 Jobs fallen nun weg.

Schlechte Nachrichten beim Autozulieferer Bosch in Homburg hatte es schon in den vergangenen Jahren viele gegeben. Von mehr als 6000 Beschäftigten arbeiten aktuell nur noch rund 3200 Menschen am Standort Homburg, der sich in drei verschiedene Werksteile aufteilt. Einer dieser Werksteile soll laut der Gewerkschaft IG Metall Homburg-Saarpfalz komplett geschlossen werden. Betroffen sei der Werksteil West in der Nähe der Autobahn an der Bexbacher Straße.

Bis Ende 2030 werden die 1250 Menschen, die in diesem Werksteil arbeiten, ihren Job verlieren. Das wäre mehr als jeder dritte Arbeitsplatz in Homburg. Das bestätigen der Konzern und Salvatore Vicari, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Homburg-Saarpfalz, im RHEINPFALZ-Gespräch am Donnerstagmittag übereinstimmend. Bosch plant nach der Werksschließung, die „operativen Aktivitäten weitgehend an einem Standort, dem Werksteil Ost, zusammen zu legen und damit Synergien zu heben, Strukturen zu reduzieren und so erhebliche Kosteneinsparungen zu erzielen“. Auch Ausbildungsplätze seien betroffen.

Homburger Werkleiter: Kosten senken, „um uns zukunftsfähig aufzustellen“

Am Freitag stehen dazu zwei Betriebsversammlungen an. Die Maßnahmen fallen unter ein Restrukturierungsprogramm, das bis in fünf Jahren umgesetzt werden soll. „Dieses Programm führt aufs Abstellgleis“, sagt die IG Metall. Es sei nicht auf Zukunft ausgerichtet; kein einziges neues Produkt stehe im Raum.

Oliver Frei, kaufmännischer Werkleiter am Standort Homburg, sagt: „Wir müssen unsere Strukturen hier in Homburg an das veränderte Marktumfeld anpassen und die Kosten nachhaltig senken, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes zu stärken und uns zukunftsfähig aufzustellen.“ Bei Bosch Mobility entstünde jedes Jahr eine Kostenlücke von 2,5 Milliarden Euro.

IG Metall: „Ein Schock für alle Beschäftigten“

Über die Pläne seien die Mitarbeiter vom Konzern am Donnerstag informiert worden. „Es ist ein Schock für alle Beschäftigten.“ Vicari spricht von einer großen Betroffenheit bei den Mitarbeitern; die Sorgen seien groß. Ungefähr die Hälfte der 3200 Mitarbeiter bei Bosch kommen laut Vicari aus Rheinland-Pfalz, die andere Hälfte aus dem Saarland. Ob und wie viele Zweibrücker dort arbeiten, kann er nicht sagen.

Vicari sagt: „Es ist eine Sauerei, wie man hier mit der Zukunft von Mitarbeitern, Familien, von der ganzen Region umgeht.“ Von „umfassenden Personalkostensenkungen“ sei beim Konzern die Rede. Falls damit ein Eingriff in Löhne und Gehälter der Mitarbeiter gemeint sei, „kann ich schon mal Widerstand ankündigen“, sagt Vicari.

Konzern: Schlechte Auftragslage

Die Krise in der Autoindustrie führe zu einer schlechten Auftragslage, sagt das Unternehmen, das seinen Sitz bei Stuttgart hat. Der weltweite Automobilmarkt stagniere und sei in Europa sogar rückläufig. Wurde geplant, in Homburg die Herstellung von Wasserstofftechnologie für Lastwagen voranzutreiben, hat man diese Pläne offenbar fallen gelassen – dieser Betrieb steht fast komplett still. Der Konzern schreibt in einer Pressemitteilung, Produkte der Wasserstofftechnik würden „in zu geringen Mengen nachgefragt“. Deshalb käme es zu einer „Unterauslastung der Produktion und einen Personalüberhang im Werk“.

Vicari sagt: „Da haben Arbeitnehmer Beiträge geleistet, dass diese Produkte nach Homburg kommen – und Bosch geht es nicht schnell genug“, spricht er von einer „starken Margenerwartung“ des Konzerns.

Er kritisiert: „Es dreht sich in diesem Unternehmen alles nur noch um Marge – auf dem Rücken der Menschen.“ Der 2023 ausgehandelte Zukunftstarifvertrag finde vom Konzern keine Beachtung mehr, sagt er. Bosch-Geschäftsführer und Arbeitsdirektor Stefan Grosch spricht davon, dass man mit den Arbeitnehmervertretern „nach möglichst sozialverträglichen Lösungen“ suchen wolle. Eine Neuaufstellung des Werks, wie sie die IG Metall fordert, sei wegen der schlechten Auftragslage ohne Alternative, sagt Bosch. Teilweise laufen auch andere Produkte, die in Homburg gefertigt werden, aus.

IG Metall: Kettenreaktion könnte zweites Homburger Werk bedrohen

„Diese Maßnahmen bedrohen nicht nur die industrielle Substanz in Homburg, sondern könnten auch die Bosch Rexroth mit 570 Beschäftigten in den Strudel mit hineinziehen“, spricht Vicari von dem zweiten von drei Werken in Homburg, das durch Kostenumlagen belastet würde, wenn das andere Werk West geschlossen ist. „Das muss man aber mit der Zeit abwarten.“

Die Gewerkschaft geht mit der Entscheidung des Konzerns, über die die Mitarbeiter am Donnerstag informiert worden waren, hart ins Gericht. Salvatore Vicari sagt: „Die Beschäftigten werden als reiner Kostenblock gesehen – das zeigen die aktuellen Planungen von Bosch. Das Unternehmen stellt Profitgier über die Zukunft von Arbeitsplätzen in unserer Region.“ Es müsste in einen Innovationsprozess investiert werden, um die Zukunft des Standorts zu sichern.

Teilweise Produktionsverlagerung in die Türkei und nach Tschechien

Teilweise soll die Produktion in die Türkei und nach Tschechien verlagert werden. Damit kehre sich Bosch „zunehmend von seinen Produktionsstandorten in Deutschland ab“, so die IG Metall. Das sei ein „fatales Signal für die Beschäftigten“. Die Gewerkschaft fordert, dass es zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommt, dass die Ausbildungsplätze erhalten werden, und dass sich Bosch zum Werk in Homburg bekennt. Es müsse eine „faire, sozialverträgliche Transformation im Dialog mit den Beschäftigung und Betriebsräten“ geben.

Der Homburger Oberbürgermeister Michael Forster (CDU) spricht von einem „harten Schlag für den Wirtschaftsstandort“. Vor allem aber sei dies „eine traurige Nachricht“ für die betroffenen Mitarbeiter.

IG Metall und Betriebsrat fordern vom Konzern genauere Informationen, was man in Homburg plant. Man gehe jetzt in Gespräche mit der Arbeitgeberseite, kündigte Vicari an und ergänzt: „Wir werden für Zukunft und Perspektive kämpfen.“

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