Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtwerke: Überbordende Bürokratie sorgt bei Mitarbeitern und Kunden für Frust

Die Stadtwerke Kusel wollen in diesem Jahr in den Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos in der Kreisstadt investieren.
Die Stadtwerke Kusel wollen in diesem Jahr in den Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos in der Kreisstadt investieren.

Vor gut drei Jahren haben die SWK-Versorgungs-AG in Kaiserslautern und die Stadtwerke Kusel ihre Kooperation verkündet. Mittlerweile arbeiten die kommunalen Einrichtungen eng zusammen – der Zusammenschluss kam gerade zur rechten Zeit, findet die Geschäftsführung.

Seit September 2022 sind Nicola Klein und Bernd Bohn Geschäftsführer der Stadtwerke Kusel, sie folgten auf Friedrich Beck. Somit stellt der Minderheitsgesellschafter die Geschäftsleitung, die SWK-Versorgungs-AG der Stadtwerke Kaiserslautern war im Januar des Jahres mit 49 Prozent in Kusel eingestiegen. 51 Prozent der Gesellschaftsanteile hält die Stadt Kusel. Damals habe es noch einen Mitbewerber um die Kooperation mit den Stadtwerken in Kusel gegeben, erinnert sich Klein zurück. Letztlich habe sich die Stadt Kusel dann fürs Konzept der Lautrer entschieden. Zudem haben die SWK das Gas- und Stromnetz der Stadtwerke gepachtet und kümmern sich um dessen technischen Betrieb. Verantwortet wird der Bereich von Michael Maute, dem technischen Prokuristen des Unternehmens, sein Kollege Sebastian Koch ist als Prokurist für den kaufmännischen Bereich zuständig.

Die Stadtwerke Kusel kümmern sich mit ihren 37 Mitarbeitern und vier Auszubildenden um die Versorgung der Kunden mit Wasser – gemeinsam mit der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan – sowie um Strom, Erdgas und Wärme. Außerdem zählen die Straßenbeleuchtung in Kusel und einige Photovoltaikanlagen noch zum Geschäftsbereich. Die Zuständigkeiten zwischen SWK und Stadtwerke Kusel seien untereinander aufgeteilt, erläutert Bohn: „Beispielsweise helfen Kollegen der Stadtwerke Kusel auch im Bereich Kaiserslautern bei der Erstsicherung nach Gasgeruch.“ In Dienstleistungsverträgen seien solche Formen der Zusammenarbeit geregelt. Der Geschäftsführer betont: „Die Marke Stadtwerke Kusel bleibt erhalten, die Stadt hält ja noch immer die Mehrheit.“

Gehören zur Geschäftsleitung der Stadtwerke Kusel: (von links) Bernd Bohn, Sebastian Koch und Nicola Klein.
Gehören zur Geschäftsleitung der Stadtwerke Kusel: (von links) Bernd Bohn, Sebastian Koch und Nicola Klein.

Starke Belastung für die Mitarbeiter

Prokurist Sebastian Koch berichtet von „drei anstrengenden Jahren für die Stadtwerke“. Da seien neben der Kooperation etliche Herausforderungen zu bewältigen gewesen: „Wir hatten die Strompreisbremse, die Dezemberhilfe, die Energiepreisverordnung. Das war eine heftige Zeit, und die ist noch nicht zu Ende.“ Diese Bürokratie sei eine starke Belastung für die Mitarbeiter gewesen, noch dazu mussten immer wieder Wirtschaftsprüfer die Umsetzung der Vorgaben vom Bund bei den Stadtwerken durchleuchten. Koch: „Das kostet ja auch alles Geld.“

Bohn und Klein pflichten ihm bei. „Wir hatten eine Umlageveränderung beim Gaspreis gerade bei uns im System umgesetzt und die Briefe verschickt, da kam die Nachricht, dass die Bundesregierung die Veränderung zurückgenommen hat“, nennt Klein ein Beispiel für das Hin und Her, das den Stadtwerken zu schaffen macht. Also hätten Bescheide erneut verschickt werden müssen. Bohn: „Berlin hat gerade die kleinen Energieversorger in den vergangenen Jahren viel Geld gekostet.“

„Die Kunden waren sauer und auch der IT-Dienstleister hat geblutet“

Laut Koch habe sich das auch in der Belegschaft bemerkbar gemacht, mehrere Mitarbeiter hätten die Stadtwerke Kusel verlassen. „Die Kunden waren sauer und auch der IT-Dienstleister hat geblutet“, sagt er. Wie Klein unterstreicht, müssten die Stadtwerke oft nur Dinge ausbaden, die sie selbst nicht in der Hand haben: „Wir sind allerdings das letzte Glied in einer langen Kette – und diejenigen mit Kundenkontakt.“ Also im Zweifel auch Ansprechpartner bei Beschwerden.

Prokurist Sebastian Koch berichtet von „drei anstrengenden Jahren für die Stadtwerke. Wir hatten die Strompreisbremse, die Dezem
Prokurist Sebastian Koch berichtet von »drei anstrengenden Jahren für die Stadtwerke. Wir hatten die Strompreisbremse, die Dezemberhilfe, die Energiepreisverordnung«.

Dass der Ton rauer werde, würden vor allem die Kollegen in der Kundenbetreuung am Telefon oder in der Servicestelle in der Fußgängerzone bemerken. Koch: „In Hochzeiten hatten wir dort eine Klapptafel mit Verhaltensregeln aufgestellt. Wir verstehen ja auch, wenn da Kunden sauer sind – aber Kunden verstehen oft nicht, dass wir nichts machen können.“ Hier gelte es, mehr zu erklären. Koch kann den vergangenen Jahren aber auch etwas Positives abgewinnen: „Wir hatten die Unterstützung aus Kaiserslautern, da ist schnell eine ganz enge Zusammenarbeit entstanden zwischen den beiden Unternehmen.“

Info: Gasmangel

Gasmangel ist derzeit kein Thema mehr, sagt Bernd Bohn, einer der Geschäftsführer der Stadtwerke Kusel, die Speicher seien voll. Bei aller Kritik attestiert er hier: „Die Bundesregierung hat da einen guten Job gemacht.“ Gleichzeitig sei der Gasverbrauch seit Februar 2022 deutlich zurückgegangen – um etwa 20 Prozent. Bohn: „Wir merken, dass die Bürger sparen und sensibler mit der Ressource Gas umgehen.“

Ausbau von Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Kusel

Bewährt habe sich außerdem die Übernahme der Tiefbau-Firma Jung aus Kusel. Dort sind die Stadtwerke und die SWK als Gesellschafter eingestiegen. So bleibe ein Stück Wertschöpfung in Kusel erhalten und die Energieversorger hätten den Erstzugriff auf die Baukolonnen des Unternehmens, wenn es um Arbeiten am Strom- oder Gasnetz geht. Bohn: „Damit können wir flexibler reagieren, als wenn wir immer einen Tiefbauer suchen müssten. Gerade bei Leitungsschäden muss es ja schnell gehen.“

Für das noch ganz junge Jahr kündigt die Stadtwerke-Führungsriege an, dass unter anderem der Ausbau von Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Kusel vorangetrieben werden soll, dafür werde eine eigene Gesellschaft gegründet. Außerdem sollen 2025 zwei Trinkwasserbrunnen in der Kuseler Innenstadt aufgestellt werden. Zudem soll das Geschäft mit Erneuerbaren Energien weiter ausgebaut werden.

Daten und Fakten: Stadtwerke Kusel als Strom-, Wasser- und Gasversorger

Strom: Stromversorgung seit 1922, netzzuständig für die Stadt Kusel und ihre Stadtteile, 82 Kilometer Kabelnetz, 20 Kilometer Freileitungsnetz, 45 Trafostationen und gut 3700 Zähler. Jährliche Stromlieferung: etwa 18 Millionen Kilowattstunden.
Erdgas: Das Netz umfasst die Stadt Kusel und elf Ortsgemeinden in der früheren Verbandsgemeinde Kusel. 134 Kilometer Leitungsnetz, drei Übergabestationen, acht Gasdruck-Regel-Stationen, ein Gasspeicher mit 6000 Kubikmetern und rund 3100 Zähler. Jährliche Erdgaslieferung: circa 104 Millionen Kilowattstunden.
Wasser: Versorgungsgebiet sind die Stadt Kusel und ihre Stadtteile, gut 6200 Einwohner. 42 Kilometer Leitungsnetz, ein Vorratsbehälter mit 1950 Kubikmetern Fassungsvermögen und gut 2160 Zähler. Tagesspitzenverbrauch: 1100 Kubikmeter; jährliche Wasserlieferung: fast 300.000 Kubikmeter.
Quelle: Internetseite der Stadtwerke

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