Kreis Kusel
So lief die Draisinen-Saison
Dass der Draisinen-Betrieb in diesem Jahr anders gelaufen ist als in den Jahren zuvor, hatte gleich mehrere Gründe: Zum einen hatte der Kreisausschuss bereits im Dezember ein neues Konzept auf den Weg gebracht, das die Teilung der Strecke in die zwei Abschnitte Glantal und Naheland vorsieht – von Altenglan nach Lauterecken sowie von Staudernheim nach Meisenheim. Grund war die anstehende Sanierung der Glanbrücke bei Odenbach, die nun erst 2025 erfolgen soll.
Zum anderen kam es im Februar zu einem Unfall einer Reiterin, die durch eine Brücke bei Odernheim brach, woraufhin alle Brücken auf der Strecke überprüft und mehrere Mängel festgestellt wurden. Jene auf dem Abschnitt von Altenglan nach Lauterecken konnten noch vor dem Start der Draisinen-Saison am 1. April behoben werden. Die Beseitigung der Mängel zwischen Staudernheim und Meisenheim jedoch sei zeitaufwendiger und mit höheren Kosten verbunden, hieß es vor Saisonstart vonseiten der Kreisverwaltung, weshalb der Landkreis Kusel die Teilstrecke Naheland in diesem Jahr nicht an den Start bringen wollte. Interesse bekundete dann jedoch die Verbandsgemeinde Nahe-Glan. Eine mögliche Verpachtung des Draisinenbetriebs im Naheland stand im Raum.
900 Fahrten weniger als im Vorjahr
Die erforderlichen Reparaturen der Brücken übernahm schließlich die Verbandsgemeinde Nahe-Glan, sodass – wenn auch mit Verspätung – ab Mitte Juli auch im Naheland, zwischen Staudernheim und Meisenheim, die Draisinen wieder rollten. Den Betrieb der nördlichen Teilstrecke im Kreis Bad Kreuznach übernahm der Landkreis Kusel – zumindest dieses Jahr.
Wie hat sich die turbulente Saison in den Buchungszahlen niedergeschlagen? Eigentlich habe man sich nach den Pandemiejahren wieder einen Aufschwung erhofft, sagt Philipp Schultheiß, bei der Kreisverwaltung für die Draisinen zuständig, im RHEINPFALZ-Gespräch. Mit rund 5300 Fahrten insgesamt – 900 weniger als im Vorjahr – habe man dieses Ziel nicht geschafft. In Anbetracht all der Widrigkeiten wie des verspäteten Starts im Naheland, sei das Ergebnis gar nicht so schlecht, lautet Schultheiß’ Bilanz.
Nach dem Unfall an der Brücke habe man zunächst alle Pläne ändern müssen: Die Teilstrecke Glantal ging zwar am 1. April an den Start, jedoch mit verringerter Auslastung. Ein neues Betriebskonzept habe erarbeitet werden müssen, sagt er. Die Buchungen, die es für die Teilstrecke Naheland, auf der ausschließlich Fahrraddraisinen verkehrten, bereits gab, mussten abgesagt werden. „Ein großer Teil hat umgebucht, einige haben aber auch komplett storniert“, erläutert er. In Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeinde Nahe-Glan habe man alles mögliche getan, um die nördliche Strecke schnellstmöglich zu öffnen, betont Schultheiß, der darauf hinweist, dass sich an den Freischnittarbeiten etwa auch anliegende Ortsgemeinden beteiligt hatten. Eröffnet wurde schließlich am 14. Juli.
Positive Rückmeldungen zum Wendebetrieb
Jedoch: Der „größere Run“, den man sich erhofft habe, sei ausgeblieben. Circa 800 Fahrten verzeichne die Verwaltung auf dem Abschnitt Naheland bis Ende Oktober. Das entspricht etwa einem Drittel des Aufkommens auf diesem Abschnitt im Vergleich zu den vorherigen Jahren. Anhand der Daten, wo Draisinen in der Vergangenheit ausgeliehen und zurückgegeben wurden, habe man in etwa auswerten können, wie stark die jeweiligen Abschnitte normalerweise frequentiert sind, erklärt Schultheiß.
Ziel sei es vor allem jedoch gewesen, überhaupt zu eröffnen. „Und das haben wir geschafft“, sagt Schultheiß, der darauf hinweist, dass die Sommerferien zum Zeitpunkt der Öffnung im Naheland bereits angebrochen, die Pläne so mancher potenzieller Besucher womöglich schon abgeschlossen waren.
Hinsichtlich des Wendebetriebs auf der nördlichen Teilstrecke, der auf anderen Draisinenstrecken bereits üblich sei, habe man nur positive Rückmeldungen erhalten, berichtet Schultheiß. „Viele Leute waren auch begeistert, dass sie sich den Rückweg mit dem Bus sparen konnten.“ Das Wendekonzept sieht vor, dass ab 13 Uhr der nächste Halteplatz angesteuert und ab 13.30 Uhr in die andere Richtung gestrampelt wird. Auf diese Weise würden auch Transportkosten gespart, erklärt Schultheiß. Lobende Worte fand dieser auch für den neuen Pächter des Gleis 3 in Altenglan, der neben der Gastronomie auch die Ausgabestation der Draisine übernahm.
Keine Konkurrenz
Wie aber geht es nun weiter mit der Draisine im Naheland? „Wir stimmen uns weiterhin eng ab mit dem Landkreis Kusel“, berichtet Uwe Engelmann, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Nahe-Glan. Derzeit sei man dabei, die Kosten zusammenzustellen – auch mit Blick darauf, welche Reparaturen noch erforderlich sind. Einige Arbeiten habe man im Frühjahr und Sommer provisorisch erledigt, gerade was die Geländer angeht, erklärt der Bürgermeister, der sich durchaus gewillt zeigt, dass die Verbandsgemeinde den Betrieb der Teilstrecke ab 2024 übernimmt. Dafür müssten jedoch zunächst allerdings die Gremien grünes Licht geben. Eine Entscheidung müsse jedoch noch vor der Aufstellung der Haushaltsplanung fallen, da die Investition um den Draisinenbetrieb darin berücksichtigt werden müsse, erklärt Engelmann, der bereits Pläne schmiedet: Einige Stellen entlang der Strecke – Rastplätze oder Infopunkte – könnten attraktiver gestaltet werden, etwa mit Hilfe einer Leader-Förderung. Gästen könne so etwas Neues geboten werden. Von Besuchern, die die Teilstrecke gefahren seien, habe man positives Feedback erhalten.
Schultheiß betont: Durch die mögliche Übernahme des Betriebs der Teilstrecke im Naheland durch die Verbandsgemeinde Nahe-Glan solle keine Konkurrenz entstehen. „Es soll so sein, dass man sich gegenseitig aushilft.“