Kreis Kusel
Sechs Monate bis zur Landtagswahl: So ist die Bewerberlage im Landkreis Kusel
Noch ein halbes Jahr, dann dürfen die Rheinland-Pfälzer ihren nächsten Landtag wählen. Mit der Landesstimme (Zweitstimme) wird eine der Landeslisten gewählt, die die meisten Parteien bereits aufgestellt haben. Die Wahlkreisstimme (Erststimme) geht dagegen an einen Bewerber aus dem Wahlkreis. Jener umfasst im Fall der Landtagswahl den gesamten Kreis Kusel. Wer die meisten Stimmen erhält, ist direkt in den Landtag gewählt. Im Landkreis haben die Wählerinnen und Wähler bei den Direktkandidaten am 22. März 2026 so viele Optionen wie nie zuvor: SPD, Grüne, FDP, AfD, Freie Wähler und BSW haben ihre Kandidaten bereits nominiert (oder zumindest ins Auge gefasst), die CDU lässt noch auf sich warten.
Bereits vor Monaten hat die SPD ihren Direktkandidaten gekürt: An Landtagsmitglied Oliver Kusch führt da kein Weg vorbei – 2021 hat er die Wahl mit 37,8 Prozent deutlich gewonnen. Im vergangenen Jahr hatte Kusch bei der Kreistagswahl mit die meisten Stimmen bekommen – ein Beleg für seine große Bekanntheit im Kreis. Klar, dass die Kuseler Genossen da auf Nummer sicher gehen wollen und ihn im Juni mit 100 Prozent der Stimmen nominierten. Der Kardiologe ist gesundheitspolitischer Sprecher seiner Landtagsfraktion. Neben Gesundheitsthemen ist Kusch die Umgestaltung des Öffentlichen Personennahverkehrs ein Anliegen, er setzt sich unter anderem für die Reaktivierung der Glantalbahn von Staudernheim nach Lauterecken ein. Auch wenn es mit der Rückeroberung der Kreisverwaltung bei den Sozialdemokraten nicht geklappt hat: Die Wahlsiege von Matthias Mieves (Bundestag) und Christoph Schneider (Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan) zeigen, dass die SPD im Landkreis Kusel noch immer eine Hausnummer ist. Kusch hat also gute Chancen, erneut die meisten Erststimmen einzusammeln.
Ein Wörtchen dabei mitreden wird sicher auch Alejandra Catalina Monzon von der AfD. Die Ärztin spielte bis zur Landratswahl im Februar noch keine Rolle in der Kreispolitik. Damals verfehlte sie haarscharf den Einzug in die Stichwahl gegen Johannes Huber (CDU). Der gelang Jürgen Conrad (SPD) mit knapp 230 Stimmen mehr als Monzon. Maßgeblich zu ihrem Wahlerfolg beigetragen haben dürfte damals die zeitgleich stattfindende Bundestagswahl. Doch egal wie: Heute ist sie die starke Frau im Kreisverband der Partei, der langjährige Kreisvorstand wurde von neuen Gesichtern abgelöst. Doch selbst wenn es für Monzon über das Direktmandat nicht für einen Einzug reicht, so ist ihr ein Sessel im Deutschhaus dennoch so gut wie sicher: Auf der AfD-Landesliste steht sie auf Position fünf. Als ihre Schwerpunktthemen hatte Monzon in der Vergangenheit unter anderem die Sicherung der gesundheitlichen Versorgung genannt, außerdem die Förderung der Wirtschaft, um mehr Wertschöpfung vor Ort zu generieren.
Einen aussichtsreichen Listenplatz hat auch Landtagsmitglied Helge Schwab von den Freien Wählern – vorausgesetzt, seine Partei zieht wieder in den Landtag ein. Auf Platz vier wäre ihm der Verbleib in Mainz dann sicher, wenn die Fünf-Prozent-Hürde genommen wird. Nach aktuellen Umfragen müssen Schwab und seine Parteifreunde allerdings zittern, sie liegen bei gut vier Prozent. Bereits vor der Sommerpause war Schwab, der im Februar ebenfalls als Landratskandidat in den Ring gestiegen war, von seinen Parteikollegen aus dem Landkreis als Direktkandidat nominiert worden. Dem „Ortsbürgermeister mit Leib und Seele“ sind die Gesundheitspolitik samt ärztlicher Versorgung, die Bildung und Lehrersituation sowie die innere Sicherheit wichtige Anliegen, die er in Mainz gerne weiter bearbeiten würde. Fürs Direktmandat dürfte es bei Schwab nicht reichen: 2021 erreichte er elf Prozent – übrigens in etwa sein Ergebnis bei der Landratswahl.
Ähnlich wie Schwab geht’s Andreas Hartenfels. Der war 2011 für die Grünen in den Landtag eingezogen, hatte der Partei aber wegen Differenzen über deren Haltung zum Krieg in der Ukraine den Rücken gekehrt. Bis zum Ende der Legislaturperiode sitzt er noch als fraktionsloser Abgeordneter im Landtag. 2024 schloss sich Hartenfels dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) an, dessen Spitzenkandidat für die Landtagswahl er ist. Umfragen zufolge liegt die Partei noch hinter den Freien Wählern, bei etwa drei Prozent. Auf Nachfrage der RHEINPFALZ sagte Hartenfels, dass er plane, im Landkreis Kusel als Direktkandidat anzutreten. Eine Wahlversammlung könnte es im Oktober geben. Hartenfels nennt Investitionen in Pflege, Wohnraum und ÖPNV als die großen Wahlkampfthemen seiner Partei.
Ohne echte Chancen auf ein Ticket nach Mainz – weder mit Direktmandat noch über ihren Listenplatz – sind die Kandidaten der FDP und der Grünen. Das dürfte Tonit Haliti (FDP) und Katja Daish (Grüne) auch bewusst sein, die mit ihrer Kandidatur aber immerhin auf sich aufmerksam machen – und die Positionen ihrer Partei in die Öffentlichkeit bringen können. Je nach Wahlausgang könnte sich das in Zukunft für die beiden jüngsten Direktkandidaten noch auszahlen. Haliti ist erst seit Frühsommer 2025 überhaupt Mitglied der Liberalen und hat angekündigt, die Anliegen der Unternehmer im Landkreis „noch stärker in den politischen Dialog einbringen“ zu wollen. Auf der Landesliste steht Haliti auf Platz 16.
Bei den rheinland-pfälzischen Grünen steht Katja Daish auf Platz 19 der Landesliste. Laut aktuellen Wahlprognosen ist das zu weit hinten, um in den Landtag einzuziehen. Daish hatte angekündigt, sich beispielsweise dafür einzusetzen, „dass wir vernünftig mit Finanzmitteln ausgestattet werden“. Die Kuseler Grünen hatten im Frühjahr damit gehadert, dass ihre Positionen zur Kreispolitik kaum Beachtung fanden – sie hatten schließlich für die Landratswahl keinen Kandidaten aufgestellt, waren deshalb öffentlich kaum präsent.
Auch die Partei Die Linke hat jüngst eine Landesliste gewählt. Wie ein Sprecher auf Anfrage der RHEINPFALZ erklärte, findet sich auf der Vorschlagsliste kein Name aus dem Wahlkreis 41, dem Landkreis Kusel. Es gibt allerdings, wie erst später bekannt wurde, einen Direktkandidaten: Sebastian Demmel.
Bleibt noch die große Frage, wen die Christdemokraten als Direktkandidaten aufstellen. Kreisvorsitzender Sebastian Borger hält sich zurück: „Ich kann heute keinen Namen nennen.“ Die Partei werde einen starken Konkurrenten für Kusch aufstellen, kündigt er an, „der in Mainz nicht alles mitmacht und für die Westpfalz kämpft“. Es werde ein im Kreis Kusel bekannter Name sein. Bei der Bundestagswahl im Februar war genau das der CDU nicht gelungen: Frank Burgdörfer hatte es nicht geschafft, sich bekannt zu machen, blieb im Wahlkampf zu blass.
Wer kandidiert denn nun für die CDU? Isabel Steinhauer-Theis war 2021 Direktkandidatin (23,7 Prozent), hat seitdem an Bekanntheit zugelegt und dem Vernehmen nach immer wieder Interesse an einer erneuten Kandidatur bekundet. Doch die Lauterecker Stadtbürgermeisterin hat sich dazu entschieden, lieber in der heimischen Verwaltung als im Mainzer Landtag sitzen zu wollen: Steinhauer-Theis bewirbt sich um den Bürgermeister-Posten in der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein.
Das Bürgermeisteramt hat Christoph Lothschütz 2024 im Oberen Glantal souverän verteidigt – und bei der Kreistagswahl noch mehr Stimmen als Kusch bekommen. Ein möglicher Landtagskandidat? Lothschütz beteuerte in der Vergangenheit mehrfach, dass es ihn nicht in die Landes- oder gar Bundespolitik zieht. Schwer vorstellbar, dass er plötzlich seine Meinung geändert hat.
Zwei weitere bekannte Namen aus der Kuseler CDU, die beide 2026 Zeit hätten, sind Stefan Spitzer und Xaver Jung. Aber ob Spitzer sich nach all den Jahren in der Verbandsgemeinde Kusel(-Altenglan) noch einmal in einen Wahlkampf stürzen will? Und Jung hatte im RHEINPFALZ-Interview angekündigt, im Ruhestand seiner Frau „verstärkt bei der Bürokratie rund um die Praxis zu helfen“.
Bliebe noch eine Option – und das wäre ein echter Coup: Kurz nach der Verabschiedung als Landrat Mitte Oktober nominiert die CDU Otto Rubly als Direktkandidaten für die Landtagswahl. Den Namen müsste man kaum einem Bürger im Kreis buchstabieren und Rubly hat bewiesen, dass er ein Streiter für die Westpfalz ist. Da müsste sogar Kusch zittern.