Breitenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Ratsmehrheit bleibt dabei: Wunsch nach privater Waldbewirtschaftung

Seit knapp einem Jahr wird in der Ortsgemeinde Breitenbach diskutiert, wer künftig den rund 220 Hektar großen Gemeindewald bewir
Seit knapp einem Jahr wird in der Ortsgemeinde Breitenbach diskutiert, wer künftig den rund 220 Hektar großen Gemeindewald bewirtschaften soll.

In knapp sieben Wochen entscheiden die Breitenbacher in einem Bürgerentscheid darüber, wer künftig den Gemeindewald bewirtschaftet: weiterhin der staatliche Forst oder eine Privatfirma. Der Ortsgemeinderat hat sich am Montag nochmals positioniert – aber nicht alle waren einer Meinung.

„Mit der Antwort ’Nein’ stimmen Sie für eine neue zukunftsorientierte, private Waldbewirtschaftung in Zeiten des Klimawandels.“ Mit diesen Worten beginnt die Position des Gemeinderates zum Bürgerentscheid am 26. September. Gemäß der Gemeindeordnung müssen beide Parteien – die Gemeinde und die Initiative, die das erfolgreiche Bürgerbegehren angestrengt hat – ihre Positionen vorab erneut öffentlich bekannt machen: vollständig und wahrheitsgetreu.

Die Mehrheit der Ratsmitglieder ist davon überzeugt, bei einer privaten Bewirtschaftung bleibe der Erholungswert des Waldes erhalten, der Wald werde durch eine bessere Bewirtschaftung wertvoller, die Brennholzversorgung zu marktüblichen Preisen bleibe gesichert. Zudem hätten anderen Gemeinden gute Erfahrungen mit der Firma Schmitz aus Ormont gesammelt, die in Breitenbach eine zweijährige Probezeit hätte und deren Pachtvertrag jährlich kündbar sei, heißt es in der Begründung. Zudem sei man unzufrieden mit der Arbeit des staatlichen Forstamtes gewesen.

Diskussion um Wortwahl

Im letzten Punkt waren sich die Ratsmitglieder uneinig – wohl auch ob der Wortwahl in der Begründung. Ortsbürgermeister Johannes Roth und Beigeordneter Urban Scherschel sprachen zunächst von „Kahlschlägen“ und „undurchsichtigen Geschäften“ und „Unzufriedenheit mit der Verkehrssicherungspflicht“. Sofern diese Unterpunkte veröffentlicht würden, müsste sich die Gemeinde „warm anziehen, weil sich der Revierförster solche Vorwürfe sicher nicht bieten lässt“, prophezeite Jürgen Knapp (WG Grünspecht).

Auch Karl-Heinz Becker (SPD) nannte die Wortwahl „arg stramm“ und sprach sich dagegen aus, solche Vorwürfe jetzt öffentlich zu machen. So habe man beispielsweise über einen Einschlag am Langwieserkopf – dort wurde Roth zufolge am Waldrand ein sehr großer Einschlag vorgenommen, ohne vorab den damaligen Ortsbürgermeister zu informieren – häufig diskutiert, der Förster habe seine Einschätzung vorgetragen. Vom Gemeinderat habe es aber nie einen Ansatz gegeben, den Förster „für einen potenziell denkbaren, aber nie nachgewiesenen Schaden für die Ortsgemeinde“ in Verantwortung zu nehmen, ergänzte Becker.

Sören Ellmer (SPD) warf ein, der Fehler sei passiert, das Forstamt habe diesen ja auch eingestanden. Summierten sich Fehler – Ellmer ging auf einen seiner Ansicht nach zu spät gefällten maroden Baum am Weg zum Sportplatz ein –, wachse die Unzufriedenheit. Die Fakten könne man nachweisen. Natürlich könne man aber darüber diskutieren, ob man „das so scharf formulieren muss“.

WG Grünspecht für Forstamt

Die Schärfe wurde denn auch etwas herausgenommen, sodass die Unzufriedenheit in drei Punkten zusammengefasst wurde: „zu große Freistellung von Zukunftsbäumen und Gefahr von Windumfall“, „Waldrandrodung zu Lasten der Natur und am Haushalt der Gemeinde vorbei“, „schlechte Ausführung der Verkehrssicherungspflicht“. Die Position des Rates wurde mit neun Ja- und fünf Neinstimmen verabschiedet.

Eine Gegenposition stellte Patricia Altherr – ihr Ehemann Andreas Bauer ist Teil der Bürgerinitiative – von der Wählergruppe Grünspecht dar. Sie sprach sich für die Bewirtschaftung durch das staatliche Forstamt aus. Ein über „Jahrhunderte gewachsener, gehegter und gesunder Wald muss in öffentlicher Hand bleiben“, ergänzte sie. Denn der Wald sei für das Gemeinwohl da „und nicht dafür, dass eine Firma damit Geld verdient“. Der mögliche Pächter zahle 8000 Euro Pacht im Jahr. Brutto. Davon gingen unter anderem Kosten für Wegebau, Aufforstung und den Revierförster ab. „Einen Überschuss erwirtschaften, wenn von der Gemeinde erwünscht, kann natürlich auch das staatliche Forstamt.“

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