Thallichtenberg
Raritäten auf Burg Lichtenberg – eine 200 Jahre alte Glocke
Die Glocke ist 39 Zentimeter hoch, hat an der Mündung einen Durchmesser von 37 Zentimetern, einen 36 Zentimeter langen eisernen Klöppel und wiegt etwas mehr als 27 Kilogramm. Sie besitzt im „langen Feld“ zwei Inschriften, auf denen der Gießer und ein früherer Eigentümer genannt werden. Am oberen Rand ist zu lesen: „Gegossen von Joseph Probst in Nördlingen“. Probst stammte aus dem oberschwäbischen Mindelzell bei Krumbach. Von 1819 an arbeitete er in Nördlingen als Kunst- und Glockengießer. Von ihm stammten die vier Glocken für die katholische Kirche Sankt Ludwig in Ansbach.
Die untere Inschrift lautet: „P. Loehle, k.b. Ing.geographe 1841“. Sie erinnert an Peter Löhle, einen Ingenieurgeograf im Stab des königlich-bayerischen Generalquartiermeisters in Rottach am Tegernsee. Seine Aufgabe war die Landvermessung und die Herstellung von Landkarten. Sein Bruder, der Lithograf Joseph Löhle, hatte in München eine sogenannte Kunstanstalt gegründet, in der die Gemälde aus der Pinakothek und der Galerie im Schloss Schleißheim als Lithografien gedruckt wurden. Nach dem Tod seiner beiden Brüder leitete Peter Löhle auch einen Monat lang die Druckerei.
Ein Zufallsfund
Er besaß einen Hof am Tegernsee, für den er die Glocke gekauft hatte. Sie war vermutlich für eine private Kapelle oder einen kleinen Dachreiter auf dem Wohnhaus bestimmt. Was nach Peter Löhles Tod 1878 mit der Glocke geschah, ist nicht bekannt. Hundert Jahre später entdeckte Gustav Adolf Held, der seit 1956 Landrat des Kreises Kusel war, die Glocke in einem Antiquitätengeschäft in Bad Wiessee und kaufte sie für 2190 Mark. Der damalige Burgwart Werner Schamari transportierte sie zur Burg Lichtenberg.
Kurz zuvor hatte der Landkreis von der Schule in Erdesbach einen hölzernen Glockenturm gekauft, für den die Gemeinde keine Verwendung mehr hatte. Er wurde dann hinter dem Tor der Burg aufgestellt und die Glocke dort aufgehängt. Allerdings war es für Burgbesucher allzu verführerisch, immer wieder den Klöppel zu betätigen. Deshalb integrierte man den Turm in den Bauhof der Burg, den man durch Mauer und Holztor vom Fußweg trennte.
Auftritt beim Glockentag
Im Jahr 2004 war die Glocke noch einmal für kurze Zeit unterwegs, als in Bosenbach ein sogenannter Glockentag gefeiert wurde. Für ihre Aufhängung hatte die Feuerwehr eigens eine Konstruktion gezimmert, so dass sie geläutet werden konnte. Das war besonders bei Kindern und Jugendlichen beliebt, wie die „Westricher Rundschau“ damals berichtete.
Der Glockenturm auf der Burg wurde 2001 mit sehr viel Aufwand restauriert, hielt aber nur noch wenige Jahre. Weil man das Gelände auch für die Außentoilette brauchte, baute man ihn 2005 ab und brachte die Glocke in die Zehntscheune.
Aufhängen nicht möglich
Birgit Müller, die Glockensachverständige der Evangelischen Kirche in der Pfalz, schätzt den Materialwert der Glocke auf knapp 300 Euro. Sie weist auch darauf hin, dass die Glocke auf Grund ihres Alters unter Denkmalschutz steht. Deshalb hat sie auch angeregt, die Glocke wieder aufzuhängen, damit sie eine Funktion hat.
Andreas Rauch von der Burgverwaltung sieht dafür jedoch zurzeit keine Möglichkeit. Dennoch gehört die Glocke seiner Meinung nach zur Geschichte der Burg, so dass sie dort als Exponat auch bleiben soll. Die Geschichte der Glocke hat Jan Fickert erkundet, der im Auftrag der Kreisverwaltung beim Museum mitarbeitet.
Die Serie
- In der Zehntenscheune der Burg Lichtenberg wird es an Stelle der naturkundlichen Sammlung eine Dauerausstellung zur Geschichte der Burg geben. Dort können ungewöhnliche Exponate ausgestellt werden, die bisher nicht zur Geltung gekommen sind. Drei von ihnen stellen wir in einer Serie genauer vor.