Thallichtenberg
Raritäten auf Burg Lichtenberg – die keltische Goldmünze
Vor knapp 200 Jahren wurde in der Nähe der Burg Lichtenberg eine keltische Goldmünze gefunden. Sie befindet sich heute im Museum in Trier, aber eine Replik soll künftig auch auf der Burg Lichtenberg zu sehen sein.
Bei der Münze handelt es sich um einen „Goldstater“, wobei der Begriff „Stater“ das Gewicht antiker Geldstücke bezeichnete. Sie hat einen Durchmesser von knapp zwei Zentimetern und wiegt etwas über sechs Gramm. Auf der Vorderseite sieht man einen lockigen Männerkopf im Profil, der nach rechts blickt. Zwischen den Haaren ist ein Band oder Diadem zu erkennen. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Darstellung des griechischen Gottes Apollo.
Seltsames Zwitterwesen
Die Rückseite ist wesentlich schwieriger zu deuten. Als zentrale Figur läuft ein Pferd im Galopp nach links. Aber es ist kein gewöhnliches Pferd, sondern es besitzt einen Menschenkopf und eine kunstvoll geflochtene Mähne. Über seinem Rücken steht ein Mann mit einer eigenartigen nach hinten verlängerten Mütze auf dem Kopf. Mit der rechten Hand scheint er nach der Mähne des Pferdes zu greifen, während er in der linken einen Stock mit Kugeln hält. Vielleicht stellt das einen Treiberstachel dar, wie er von den Kelten verwendet wurde.
Vor dem Kopf des Pferdes sind sechs Säulen und das Dach eines Gebäudes zu erkennen. Wahrscheinlich handelt es sich um die Abbildung eines Tempels. Die Figur, die unter dem Pferd liegt, ist kaum zu erkennen. Von Numismatikern, also Münz-Experten, wird sie als geflügelte Siegesgöttin gedeutet. Allerdings könnte der Flügel auch zu einem Bein des Pferdes gehören.
Die Münze wurde in der Gemarkung „Auf dem Hahn“ zwischen der Burg Lichtenberg und Körborn gefunden. Sie wird erstmals erwähnt in einem Bericht des „Vereins für Erforschung von Alterthümern in den Kreisen St. Wendel und Ottweiler“, der 1838 erschien. Dort heißt es, dass eine „zufällig gefundene schöne keltische Goldmünze“ 1837 für die Sammlung des Vereins erworben wurde. Sie kam in das Museum in St. Wendel und nach dessen Auflösung in das Rheinische Landesmuseum in Trier.
Lohn für die Söldner
Das merkwürdiger Münzbild ist dadurch entstanden, dass der Goldstater aus Makedonien stammt, wo er während der Herrschaft König Philipps II. (359-336 v. Chr.) und seines Sohnes Alexander geprägt wurde. Da die Münze aufgrund ihres Materials wertvoll war, diente sie wohl nicht für den täglichen Gebrauch, sondern zur Entlohnung der keltischen Söldner im makedonischen Heer. Im Alltag verwendete man eher Silber- oder Kupfermünzen.
Die ältesten erhaltenen Exemplare aus dem 4. vorchristlichen Jahrhundert haben das gleiche Profil auf der Vorderseite. Aber die Rückseite zeigt einen Streitwagen (lat. biga), der von zwei Pferden gezogen wird. Sie laufen im Galopp nach rechts und werden von dem Lenker, der auf dem Wagen steht, mit einem Stock oder einer Peitsche angetrieben. Eine Inschrift unter den Pferden nennt den Namen des makedonischen Königs („Philippoy“).
Gold als Zahlungsmittel
Da die Münzen aus Gold waren, konnten sie im gesamten Mittelmeerraum als Zahlungsmittel verwendet werden. Besonders viele von ihnen fand man in den Siedlungsgebieten der keltischen Stämme. Aber im Laufe der Zeit wurden die makedonischen Prägungen knapp, so dass die Kelten sie nachahmten. Dabei veränderten sie die Rückseite in mehreren Schritten.
Die Münze, die bei der Burg Lichtenberg gefunden wurde, war im 2. Jahrhundert v. Chr. bei den keltischen Treverern im Umlauf. Auf ihr war aus der „biga“ ein Mischwesen aus Mensch und Tier geworden und aus der ursprünglichen Inschrift eine rätselhafte Figur. Spätere Prägungen bei anderen Stämmen veränderten das Bild noch mehr und lösten es in einzelne Zeichen auf, aus denen die ursprüngliche Szene nicht mehr zu erkennen war.
Woher kommt die Münze?
Ungeklärt ist die Frage, wie die Münze an ihren Fundort gelangt ist. Keltische Siedlungen gab es nicht in der Nähe, sondern im Kreis Kusel nur bei Kreimbach (Heideburg) und Medard (Martialskopf). Vielleicht hat sie ein Römer verloren, der auf einem der Landgüter in der Umgebung lebte. Auch wenn die Münze nicht direkt zur Geschichte der Burg gehört, ist sie ein seltenes und wichtiges Zeichen für die frühe Besiedlung der Gegend. Deshalb soll eine Replik des Originals in die Sammlung aufgenommen werden, die für die Zehntscheune geplant ist.
Jan Fickert, der im Auftrag der Kreisverwaltung beim Museum mitarbeitet, erhielt einen ersten Hinweis auf die Münze von Dieter Müller aus Thallichtenberg, der Mitglied des Historischen Vereins der Pfalz ist. Bei seinen Recherchen erhielt Fickert auch Informationen von Lars Blöck, dem stellvertretenden Leiter der Landesarchäologie in Trier. Blöck hat über die Münze einen Beitrag verfasst, der im „Archäologischen Kalender 2021“ erscheint.
Die Serie
In der Zehntscheune der Burg Lichtenberg wird es an Stelle der naturkundlichen Sammlung eine Dauerausstellung zur Geschichte der Burg geben. Dort können ungewöhnliche Exponate ausgestellt werden, die bisher nicht zur Geltung gekommen sind. Drei von ihnen stellen wir in einer Serie genauer vor.