Kusel
Personalmangel in der Gastronomie
„Die Personal-Situation war schon vor Corona nicht gut und hat sich durch die Pandemie noch deutlich verschlechtert. Die Situation in der Branche ist katastrophal“, weiß Stefan Klinck, Inhaber des Waldhotels Felschbachhof in Ulmet und Präsidiumsmitglied des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Rheinland-Pfalz. Klinck belegt seine Aussagen mit Zahlen: „Im Jahr 2008 haben wir im Verband 128.000 Lehrlinge gezählt – im aktuellen Jahr sind es gerade einmal noch zwischen 45.000 und 50.000.“ Das gehe aber nicht nur der Gastronomie so. Andere Handwerkszweige litten ebenso unter Personalmangel.
Düstere Prognose
Das Problem fängt für Klinck schon beim Schulsystem an. „Heute wollen alle studieren. Kaum einer will noch einen Handwerksberuf erlernen oder in die Gastronomie gehen.“ Das werde in der Zukunft zu immer größeren Problemen führen. „Wenn man sich den Rückgang bei der Anzahl der Auszubildenden anschaut und weiß, dass das die Leute sind, die in zehn bis 15 Jahren Betriebe führen sollen, kann man sich denken, wo die Reise hingeht“, blickt Klinck voraus.
Fast alle von der RHEINPFALZ befragten Gastronomen berichten, es sei beinahe unmöglich, Personal zu finden – egal ob Aushilfe oder Festangestellte. „Wir haben seit Juli unsere Öffnungszeiten drastisch reduzieren müssen. Hauptsächlich, weil es an Personal in der Küche fehlt“, klagt Oliver Jakob vom Hotel-Restaurant Pfälzer Hof in Lauterecken. Von ähnlichen Problemen berichten Daniela Eder, die mit Ehemann Jochen das Hotel-Restaurant Burgblick in Thallichtenberg betreibt, und Dieter Christoffel, Inhaber des Hotel-Restaurants Waldmohrer Hof.
Fehler im System
Christoffel stützt die Aussage Klincks, dass deutsche Schüler kaum noch an eine Ausbildung in der Gastronomie denken. „Ich habe vier Mitarbeiter – allesamt aus Rumänien. Von den Einheimischen will kaum noch einer in der Gastronomie arbeiten.“ Das liege nicht unbedingt an der Corona-Pandemie, wie auch Eder bekräftigt. „Es war auch vorher schon kaum möglich, Personal zu finden.“
Gerade was Aushilfen betreffe, liege das Problem auf der Hand. „Wenn jemand Hartz 4 erhält und sich etwas dazu verdienen will, am Monatsende durch die Abzüge aber kaum mehr – oder sogar weniger – Geld bekommt, als wenn er nicht arbeiten würde, dann stimmt doch was nicht“, sagt Jakob. „Für 100 Euro mehr im Monat steht doch niemand mehr auf und arbeitet in der Gastronomie“, pflichtet Eder bei.
Anreize schaffen
„Man müsste es den Leuten – und gerade den Hartz-4-Empfängern – wieder interessanter machen, arbeiten zu gehen“, fordert Jakob. Das könne entweder durch mehr ,Netto vom Brutto’ im Niedriglohnsegment oder durch Kürzungen bei den Leistungen vom Staat geschehen.
Bei der Dehoga mache man sich schon lange Gedanken, wie man dieser Entwicklung gegensteuern könnte. „Die Arbeit muss sich vor allem wieder lohnen“, weiß Klinck. Die Branche brauche zudem eine Flexibilisierung im Arbeitsschutzgesetz. „Man müsste die Arbeitszeiten flexibler gestalten und auch Überstunden ansparen können, um dann im Winter frei machen zu können, wenn traditionell in der Gastro nicht so viel los ist“, fordert der Felschbachhof-Inhaber.