Kusel / Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Notfallsanitäter: Jeder Azubi wird übernommen

Im Notfall muss schnell gehandelt werden – auch wenn noch kein Arzt vor Ort ist.
Im Notfall muss schnell gehandelt werden – auch wenn noch kein Arzt vor Ort ist.

Nahezu alle Rettungsassistenten im Bereich des DRK-Rettungsdienstes Westpfalz sind mittlerweile zum noch recht neuen Beruf des Notfallsanitäters weiterqualifiziert. Eigenständig übernehmen sie die Versorgung von Notfallpatienten und können bei Bedarf auch ärztliche Maßnahmen vornehmen.

Seit 2014 gibt es den Notfallsanitäter, dem mit dreijähriger Berufsausbildung mehr Kompetenzen übertragen wurden als vorher dem Rettungsassistenten. Mit einer Gesetzesänderung 2021 wurde Notfallsanitätern in lebensbedrohlichen Einsatz-Situationen noch mehr Kompetenzen eingeräumt. Seither können sie bis zum Eintreffen eines Notarztes oder bis zum Beginn einer weiteren ärztlichen Versorgung „heilkundliche Maßnahmen, einschließlich heilkundlicher Maßnahmen invasiver Art“ eigenverantwortlich vornehmen.

Vor der Gesetzesergänzung bestand eine gewisse Rechtsunsicherheit, denn Notfallsanitäter – ebenso wie Rettungsassistenten – verstießen gegen den Heilkundevorbehalt, wenn sie ohne ärztliche Anweisung invasiver Maßnahmen einleiteten. Zugleich konnten sie wegen unterlassener Hilfeleistung in Haftung genommen werden, wenn sie nichts unternahmen. Ein Dilemma.

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Mehr als 30 Auszubildende

Mit dem seit 2014 geltenden Gesetz für den Beruf Notfallsanitäter ist geregelt, dass die bisherigen Rettungsassistenten, die nur zwei Jahre Ausbildung absolviert haben, sich über eine Ergänzungsprüfung zum Notfallsanitäter weiterqualifizieren können. Diese Übergangsregelung gilt seit Verlängerung im November 2019 bis Ende 2023. Rund 95 Prozent der Rettungsassistenten in der Westpfalz hätten die Ergänzungsprüfung absolviert, sagt Rettungsdienst-Geschäftsführer Axel Gilcher im Gespräch mit der RHEINPFALZ.

Die Ausbildung zum Notfallsanitäter dauert Gilcher zufolge drei Jahre und gliedert sich in Praxis- und Theorieabschnitte. Neben dem theoretischen Unterricht in der DRK-Berufsfachschule in Mainz erfolgt die praktische Ausbildung in Kliniken und in Rettungswachen. Derzeit zählt der Rettungsdienst Westpfalz mehr als 30 Auszubildende für den Beruf Notfallsanitäter.

Jeder Azubi wird übernommen

Zu den Voraussetzungen für die dreijährige Berufsausbildung gehört ein mittlerer Schulabschluss. Ohne diesen Abschluss müssten Bewerber eine zweijährige Berufsausbildung mitbringen. Nach bestandener staatlicher Prüfung, die aus einem schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil besteht, werde jeder Azubi als Notfallsanitäter übernommen, sagt Gilcher.

Die Rettungswache Kusel umfasst nach Angaben des Geschäftsführers derzeit 16 Notfallsanitäter und fünf Auszubildende, zudem zwei Rettungsassistenten und acht Rettungssanitäter. Am Standort Schönenberg-Kübelberg sind es sieben Notfallsanitäter und in Lauterecken zehn Notfallsanitäter. Rettungssanitäter, die eine dreimonatige Ausbildung brauchen, fahren den Rettungswagen und unterstützen damit die Notfallrettung.

Laut Gilcher zählt der Rettungsdienst Westpfalz, dessen Einsatzgebiet neben der Stadt Kaiserslautern die Landkreise Kaiserslautern und Kusel sowie den Donnersbergkreis umfasst, rund 300 Mitarbeiter, darunter 190 Notfallsanitäter. Viele Rettungskräfte seien zudem ehrenamtlich im Katastrophenschutz engagiert, etwa nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal im vergangenen Sommer.

Zur Person

Axel Gilcher ist seit Juni 2020 Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes Westpfalz GmbH in Kaiserslautern. Der gebürtige Kuseler, der in Altenglan lebt, stieß über den Zivildienst zum Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes. In der Wache Kusel absolvierte er seinen Zivildienst als Rettungssanitäter. Anschließend war er dort als Rettungsassistent tätig. In weiteren Funktionen leitete Gilcher die Rettungswache und den Rettungsdienst. Mit einem Masterstudium erwarb er sich einen Abschluss in Organisationsentwicklung.

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