Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Namenspaten: Das Horst-Eckel-Haus

Namensgebung zu Ehren des Fußball-Weltmeisters von 1954, der im vormaligen Gebäude der Realschule Kusel als Sport- und Werklehre
Namensgebung zu Ehren des Fußball-Weltmeisters von 1954, der im vormaligen Gebäude der Realschule Kusel als Sport- und Werklehrer tätig war.

Horst Eckel ist der letzte noch lebende Spieler des „Wunders von Bern“, als Deutschland 1954 Fußballweltmeister wurde. Aber er hat sich nicht nur auf dem Spielfeld bewährt, sondern auch als Lehrer an der Realschule in Kusel. Deshalb hat man das ehemalige Schulhaus, in dem heute ein Dienstleistungszentrum untergebracht ist, nach ihm benannt.

Eckel wurde 1932 in Vogelbach geboren, wo er in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs. Nach der Volksschule arbeitete er anfangs für wenig Geld im Sägewerk in Bruchmühlbach, bevor er eine Lehre als Werkzeugmacher bei der Firma Pfaff in Kaiserslautern begann. Schon als Kind gehörte seine große Liebe dem Fußball. Er kickte mit seinem älteren Bruder und dessen Kameraden auf dem nahen Schulhof. Später erzählte er, dass er damals als „kleiner Stöps gegen größere und physisch überlegene Kumpels spielen musste“. Diese Herausforderung machte ihn zu einem schnellen und wendigen Spieler mit guter Kondition.

Der Weg zum FCK

Von 1947 an spielte er in der Jugendmannschaft des SC Vogelbach. Er begeisterte sich auch für den 1. FCK und fuhr mit dem Fahrrad nach Kaiserslautern, um ihn spielen zu sehen. 1949 wurde ein Traum für ihn war. Im Spiel gegen Kindsbach gewann seine Mannschaft 8:4, Eckel hatte davon sechs Treffer erzielt. Durch diesen Erfolg wurde der 1. FCK auf ihn aufmerksam. Er durfte anfangs mit den Junioren trainieren, aber schon bald am Training der ersten Mannschaft teilnehmen. Mit 19 Jahren begann er als Stammspieler in der Oberligamannschaft. Wegen seiner Jugend nannte man ihn dort „Benjamin“, während seine spielerischen Qualitäten ihm den Namen „Windhund“ einbrachten. Mit dem 1. FCK wurde er 1951 und 1953 deutscher Meister.

Ruf in die Nationalelf

Schon bald erhielt er einen Stammplatz als rechter Läufer, eine Position, in der er die Krönung seiner Laufbahn erlebte. Bundestrainer Sepp Herberger berief ihn 1952 in die Nationalmannschaft, für die Eckel im Spiel gegen die Schweiz im November 1952 erstmals eingesetzt war. Fritz Walter, der Kapitän der Mannschaft, wurde sein väterlicher Freund. Mit ihm, seinem Bruder Ottmar, Max Morlock und Hans Schäfer bildeten sie das „magische Fünfeck“, das oft für den Erfolg der Mannschaft entscheidend war.

Eckel spielte 32 Mal in der Nationalmannschaft, aber der Höhepunkt war das Endspiel gegen Ungarn, als die deutsche Mannschaft in der 84. Minute das entscheidende Tor zum 3:2 erzielte. Die Rückreise von Bern war ein tagelanger Triumphzug, der in Vogelbach endete. Dort erwarteten ihn über zehntausend begeisterte Fans.

Viele Angebote abgelehnt

In seiner Zeit als Nationalspieler bekam Eckel Angebote von ausländischen Vereinen, die ihm ein sehr viel höheres Einkommen in Aussicht stellten. Aber er wollte in Deutschland und beim FCK bleiben: „Die tiefen, jahrelangen Freundschaften mit vielen Spielern und Weggefährten sind für mich immer wichtiger gewesen als ein dickes Bankkonto“, begründete er später seine Entscheidung. Aber nach der Weltmeisterschaft 1958 entschloss er sich zu einem Wechsel und nahm das Angebot der Röchlingwerke in Völklingen an, die ihn als Trainer verpflichteten. Dort war er für den Lehrlingssport verantwortlich und spielte von 1961 bis 1966 bei SC Röchling Völklingen.

Seine Ehrung in Kusel ist aber nicht allein das Verdienst seiner sportlichen Karriere. Ein ehemaliger Mitspieler des FCK machte ihm den Vorschlag, Sportlehrer zu werden. Mit fast 40 Jahren begann Eckel eine Umschulung in Trier und wurde 1973 Lehrer für Sport an der Realschule in Kusel. Sie befand sich damals in dem Gebäude, das jetzt seinen Namen trägt. Für mehr als 20 Jahre war er für den Schulsport verantwortlich und unterrichtete später auch das Fach Werken. Dabei war ihm seine Erfahrung als Werkzeugmacher bei Pfaff hilfreich. Die Schüler sollten bei ihm nicht nur kicken lernen. Mindestens ebenso wichtig waren für ihn die Vermittlung von Charaktereigenschaften wie Bescheidenheit, Selbstdisziplin und Fairness.

Sozial engagiert

Bis heute ist Eckel auch im sozialen Bereich tätig. Er engagierte sich für die Deutsche Sporthilfe und für die von Sepp Herberger und Fritz Walter 1977 und 1999 gegründeten Stiftungen. Beide hatten zum Ziel, Jugendliche im Sport zu fördern. Besonders wichtig war dabei die Resozialisierung von jugendlichen Strafgefangenen, die er in den Strafvollzugsanstalten besuchte. Auch in der „Initiative Respekt! Kein Platz für Rassismus“ arbeitete Eckel mit. Im Jahr 2017 gründete er zusammen mit seiner Tochter Dagmar eine eigene Stiftung. Sie unterstützt ebenfalls die Jugendarbeit im Sport, aber auch die Möglichkeiten für ältere Menschen, Sport zu treiben und dadurch fit zu bleiben.

Hirschbergers Vorschlag

Im Jahr 2010 zog die Realschule, in der Eckel unterrichtet hatte, in das Schulzentrum auf den Roßberg. Das Haus wird seitdem als Dienstleistungszentrum genutzt, in dem zum Beispiel die Kreisvolkshochschule, das Religionspädagogische Zentrum Kusel und ein Vermessungsbüro untergebracht sind. Von dem damaligen Landrat Winfried Hirschberger stammt die Idee, das Gebäude nach dem ehemaligen Lehrer und berühmten Fußballer zu benennen.

Im Oktober 2014 erfolgte die Namensgebung in einer Feierstunde, in der der „Namenspate“ vom Landrat und dem ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger geehrt wurde. Eckel bedankte sich in einer kurzen Rede. Es sei für ihn eine große Ehre, dass sein Name jetzt das ehemalige Schulhaus bezeichne, meinte er. Der Unterricht habe großen Spaß gemacht und Kusel sei für ihn eine zweite Heimat gewesen.

Lebensstationen im Bild

Nicht allein sein Name erinnert in dem Horst-Eckel-Haus an ihn. In einem Rasen vor dem Gebäude gibt es ein kleines sechseckiges Pflaster, bei dem drei Ecken als Kreise geformt sind. Das Sechseck ist kein Zufall, denn es ist eine Form der Waben, aus denen ein Fußball genäht wird. Auf einem Sockel, der ebenfalls sechs Ecken hat, liegt ein Fußball aus Sandstein mit einem Durchmesser von etwa 80 Zentimetern. Im Gebäude selbst trägt ein großes Sitzungszimmer im ersten Stock ebenfalls seinen Namen. Dort hängen acht großformatige Fotos, die Stationen aus Eckels Leben zeigen, angefangen von der Weltmeisterschaft 1954 bis zu einem Gespräch mit dem derzeitigen Bundestrainer Jogi Löw.

Horst Eckel mit Holger Deine, der Eckel im Film „Das Wunder von Bern“ spielt.
Horst Eckel mit Holger Deine, der Eckel im Film »Das Wunder von Bern« spielt.
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