Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Mr. Universum: Bodybuilder Werner Höh aus Altenkirchen tritt mit großem Titel ab

Werner Höh beim letzten Wettkampf seiner Karriere in Valencia.
Werner Höh beim letzten Wettkampf seiner Karriere in Valencia. Foto: Alonso Espartero

Zum Abschluss der Karriere gab’s noch mal einen richtig großen Titel: Vier Jahre lang hat Bodybuilder Werner Höh aus Altenkirchen pausiert, hat mit Verletzungsproblemen gekämpft. Vorm endgültigen Rückzug aus dem Wettkampfsport hat er sich ein letztes Mal motiviert – und wurde in Valencia zum vierten Mal zum Mr. Universum gekürt. Die Schauspielerei hat er schon längst an den Nagel gehängt.

Aus Werner Höhs langer Karriere ist vor allem das Jahr 2014 weit über die Grenzen der Fitnesssportgemeinde hinaus bekannt. Für den Film „Mr. Universum“ hatte damals ein Kamerateam den mittlerweile 63-jährigen Bodybuilder begleitet. Herausgekommen war eine Dokumentation, die auf renommierten Filmfestivals beste Kritiken erhielt. Unter anderem beim Saarbrücker Max-Ophüls-Festival und beim Dok.Fest in München flimmerten Höhs Vorbereitungen aufs Comeback nach sechs Jahren Pause sowie seine privaten Anstrengungen nach der Insolvenz seines Waldmohrer Fitnessstudios über die Großleinwand.

„Aufgeben gibt es nicht“

Und wie es eben so ist: Nach dem Happy End geht es im wahren Leben weiter. Die Realität sah so aus, dass Werner Höh nach wenigen Wettbewerben wieder kürzer treten musste. Immer wieder behinderte ihn auch sein schmerzendes rechts Knie, an dem sich der frühere Motocross-Fahrer einst bei einem Unfall verletzt hatte. Vier Jahre lang währte seine neuerliche Wettkampfpause. Dann fiel die Entscheidung: „Jetzt ist Feierabend.“

Doch ein heimlicher, stiller, leiser Abschied von der Bodybuilding-Bühne wäre so gar nicht Werner Höhs Stil gewesen. Also bastelte er erneut an einem Kurz-Comeback, um einen würdigen Schlusspunkt unter seine Karriere zu setzen. Ein Jahr lang hieß es wieder akkurate Tagesplanung, eiserne Sportlerdiät und gezielte Trainingsgestaltung. Das schmerzende Knie habe ihn in dieser Zeit immer wieder zurückgeworfen, berichtet Höh. Natürlich habe ihm seine Frau geraten, das Projekt abzubrechen. Doch wer den Film „Mr. Universum“ gesehen hat, der ahnt schon, wie der Bodybuilder dies rückblickend kommentiert: „Aufgeben gibt es nicht bei Familie Höh.“

Letztmals auf der Wettkampfbühne

Und so stellte sich Werner Höh in den Wochen vor der lange ersehnten Knie-OP noch dreimal den internationalen Kampfrichtern vor: Ende Oktober im spanischen Valencia, Mitte November in Turin in Italien und nur eine Woche später erneut in Valencia. Zwei Vize-Titel in der Kategorie „Master over 60“ sprangen heraus und tatsächlich sogar noch ein erster Platz: In Turin errang der 63-Jährige zum vierten Mal den Titel Mr. Universum – erstmals seit 2005 und selbstredend zum ersten Mal, seit der gleichnamige Film über ihn erschienen ist.

All zu großen Abschiedsschmerz hat der Wahl-Altenkircher nicht verspürt, als er am 24. November in Valencia zum letzten Mal von der Wettkampfbühne getreten ist. „Ich habe diese Gedanken ja schon während des gesamten Vorbereitungsjahrs gehabt: Das ist das letzte Mal, dass du das machst, das letzte Mal, dass du so aussiehst ...“.

Weiter den Herausforderungen stellen

Freilich wird Fitness- und Krafttraining weiterhin eine Rolle in Höhs Leben spielen. Den großen Trainingsraum in seinem Wohnhaus in Altenkirchen will er weiter ausbauen, um sich privat fit zu halten. Und beim Wettkampfsport will der achtfache Deutsche Meister, zweifache Europa- und zweifache Weltmeister ebenfalls weiter mitmischen, unter anderem als Kampfrichter. „Das muss einfach ein Bestandteil meines Lebens bleiben“, sagt er.

Wenngleich die quälenden Vorbereitungen auf Wettkämpfe nun vorbei sind, Herausforderungen wird sich der 63-Jährige weiter stellen. So will er sich beruflich noch mal weiterentwickeln, beginnt nun mit einer neuen Stelle, die ihm etliche Auslandsaufenthalte bescheren wird. Abgeschlossen hat Werner Höh allerdings mit dem Filmgeschäft: Nach der Premiere von „Mr. Universum“ hatte ihn – trotz seiner eigenen Bedenken, ob denn alle Zuschauer mit dem saarpfälzischen Dialekt klarkommen würden – doch tatsächlich eine Castingagentur zum Vorsprechen für einen weiteren Streifen eingeladen. Damals unterlag er in der Endauswahl „gegen einen Berliner Gewichtheber“, wie Höh lachend erzählt. „Da hatte sich dann doch bewahrheitet, dass es mit dem Dialekt schwierig ist.“

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