Kreis Kusel
Kurzarbeit und Arbeitslosenquote: Wie es im Kreis Kusel aussieht
Kurzarbeit anzeigen können Betriebe, die davon ausgehen, dass es für ihre Mitarbeiter auf absehbare Zeit nicht mehr genug zu tun gibt. Statt sie zu entlassen und gegebenenfalls später wieder einstellen zu müssen, schickt der Arbeitgeber also Mitarbeiter für einen befristeten Zeitraum nach Hause. In dieser Zeit zahlt die Agentur für Arbeit den Betroffenen Kurzarbeitergeld – 60 Prozent des Nettolohns beziehungsweise 67 Prozent bei Arbeitnehmern, die Nachwuchs auf der Lohnsteuerkarte eingetragen haben.
430-mal Kurzarbeit angezeigt im Kreis Kusel
Aus dem Kreis Kusel haben bislang rund 430 Unternehmen Kurzarbeit angezeigt, wie Peter Weißler, Chef der für die gesamte Westpfalz zuständigen Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens, berichtet. Bei 1400 gemeldeten Betrieben sind das etwa 30 Prozent und damit deutlich weniger als westpfalzweit (40 Prozent) – eine Erklärung dafür gebe es nicht, sagt Weißler. „Vielleicht sind die Betriebe im Kreis Kusel optimistischer?“ Denn Kurzarbeit anzuzeigen, das kommt grundsätzlich erstmal einer Prognose gleich. Damit holt sich das Unternehmen die Zusage der Arbeitsagentur, Kurzarbeitergeld zu zahlen, falls es denn nötig wird.
Ob es am Ende tatsächlich zu Kurzarbeit kommt – und zu wie viel –, das lässt sich freilich erst im Nachhinein feststellen. Mit ihren monatlichen Abrechnungen wenden sich die Arbeitgeber erneut an die Arbeitsagentur; dafür haben sie jeweils drei Monate Zeit. Auch deshalb kann Weißler noch keine Aussagen dazu machen, wie viel Kurzarbeit bislang angefallen ist: Erst im Juli gehen die letzten Meldungen für den Monat April ein.
„Fast gesamte Breite des Wirtschaftslebens“
Was Weißler sagen kann: Bei den rund 430 Anzeigen zur Kurzarbeit „geht es querbeet. Das betrifft fast die gesamte Breite des Wirtschaftslebens außer öffentlichem Dienst, Krankenhäusern und vielleicht noch Pflegediensten“. Der Leiter der Agentur berichtet aus eigener Anschauung. Weil seit Mitte März „waschkörbeweise, wie man in Zeiten vor E-Mail gesagt hätte, Anzeigen eingegangen sind“, hat er bei der Agentur umstrukturiert, hat das Personal vervielfacht, das sich um Kurzarbeit kümmert. Und auch er selbst ist immer wieder bei der Bearbeitung eingesprungen.
Schon vor Ostern sei das Gros der Anzeigen aus der gesamten Westpfalz abgearbeitet gewesen, derzeit gingen täglich noch 30 bis 40 ein. Das Hauptaugenmerk der deutlich erweiterten Abteilung liege nun auf den Abrechnungen der tatsächlichen Kurzarbeit, von denen Weißler bis zu 5000 pro Monat bei seiner Agentur erwartet.
Dingert derzeit sehr gefragt
Eine imposante Zahl legt auch Christian Dingert vor, der Wirtschaftslotse des Landkreises Kusel. Mehr als 1500 Anrufe und 800 E-Mails sind seit Mitte März bei seinem Team eingegangen. Dingerts Eindruck: Mit Fragen zum Thema Kurzarbeit haben sich vor allem solche Firmen an ihn gewandt, die kurzfristig schließen mussten. Es gab aber auch Anfragen von Arbeitnehmern, denen das Kurzarbeitergeld nicht ausreichte. Diese hat die Wirtschaftsförderung ans Jobcenter verwiesen.
Hatten in der Anfangszeit der Krise die vielen Unklarheiten zu Schließungen und zu Soforthilfen die Telefone in der Kreisverwaltung kaum still stehen lassen, so beziehen sich die Rückfragen fast aller Betriebe in den vergangenen Tagen auf die hygienischen Voraussetzungen und Vorkehrungen für die Wiedereröffnung. Das Thema Lockerungen war schnell auf Dingerts Schreibtisch angekommen: „Sobald am Vortag eine Pressekonferenz der Bundeskanzlerin oder Ministerpräsidentin abgehalten wird, kommen am Folgetag vermehrt Anrufe.“ Verbindliche Infos könne er stets aber erst geben, wenn die Landesverordnung aus Mainz denn auch vorliegt, sagt Dingert.
Viele Aufträge weggebrochen
Einen genauen Überblick, wie viele Betriebe im Kreis in Existenznot stecken, hat der Wirtschaftskoordinator noch nicht, Was er aber festgestellt hat: Weder an der Branche noch an der Unternehmensgröße lasse sich festmachen, wie wahrscheinlich ein Betrieb große Probleme bekommt. Betroffen seien auch viele Branchen, die durchgängig weiterarbeiten durften, denen aber Aufträge weggebrochen seien. Selbst die Baubranche, die momentan gut ausgelastet sei, könne die Folgen zeitverzögert noch zu spüren bekommen wegen derzeitiger Investitionsstopps.
Dass sich die Lockerungen auf den Arbeitsmarkt auswirken werden, ist klar. Inwieweit gerade Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe wieder Personal einstellen beziehungsweise Kurzarbeit reduzieren werden, das hänge auch davon ab, wie die Menschen die Angebote unter Auflagen annehmen, sagt Arbeitsagentur-Chef Weißler.
Arbeitslosigkeit: Anstieg im Kreis bislang niedrig
Auch bei der Arbeitslosenquote schlagen sich aktuelle Entwicklungen allerdings erst zeitversetzt in Zahlen nieder, wie Weißler betont. So sind etwa Arbeitslosmeldungen von Ende April noch nicht in den Zahlen für diesen Monat erfasst, sondern werden in der Mai-Statistik erstmals auftauchen. Und viele, die in den kommenden Wochen wieder eingestellt werden, werden erst in der Juni-Statistik der Agentur erfasst. Klar, das ist immer so, aber in der derzeitigen Situation kann es zu großen Schwankungen kommen, bei denen die Realität die stets zum Monatsende veröffentlichten Zahlen überholt.
Dennoch: Die Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent für April, ein Plus von 0,2 Prozentpunkten, macht Hoffnung, dass der Kreis Kusel zumindest im Verhältnis bislang glimpflich davon gekommen ist. Zwar ist der Anstieg selbstredend „atypisch für den April“, wie Peter Weißler sagt, er falle aber „nicht so hoch aus wie in anderen Regionen“. In beiden Rechtskreisen – Arbeitslosenversicherung wie Grundsicherung – sei die Zunahme „deutlich unterdurchschnittlich“ gewesen. Auch dafür gibt’s noch keine Erklärung. Westpfalzweit war die Quote um 0,7 Prozentpunkte auf 6,5 Prozent gestiegen. Ob sich die Entwicklungen noch angleichen? „Im Juni werden wir mehr Klarheit haben“, prognostiziert Weißler.