Kusel Kommentar zum Impfvorstoß des Kreises: Riskant

Bekannte Persönlichkeiten aus dem Landkreis impfen, obwohl sie nicht die entsprechende Priorität haben? Und das, um das ramponierte Image von Astrazeneca aufzupolieren, den verunsicherten Bürgern als Vorbild zu dienen? Dieser Vorstoß ist mutig. Denn hatten wir nicht erst vor kurzem die heiße Diskussion um Impfdrängler beispielsweise im Donnersbergkreis oder in Idar-Oberstein?
Sicher. Der Ruf von Astrazeneca ist mehr als angeschlagen. Nach Expertenmeinung zu Unrecht. In der Konsequenz werden viele Impfwillige bei Astrazeneca erst einmal dankend abwinken; und nicht jeder wird umgehend absagen, sobald er seinen Termin mit der Aufschrift „Impfstoff Astrazeneca“ erhält, sondern eher kurzfristig reagieren. Womöglich sogar erst im Impfzentrum. Da wird es sehr schwer, ebenso kurzfristig andere Impfwillige aufzutun, um nicht binnen weniger Tage den Kühlschrank mit Astrazeneca volllaufen zu lassen. Schneller wird das Impfen damit nicht. Und das sollte das Ziel sein, um die Pandemie in den Griff zu bekommen.
Auf der anderen Seite stehen aber gleich mehrere Fragen: Welche Auswirkungen hat es, wenn nun eine Gebietskörperschaft mit einer Vorbild-Aktion ganz bewusst aus der Impf-Priorität ausschert? Ist das tatsächlich mit dem guten Willen zum schnellen Impfen zu rechtfertigen? Beginnt dann sofort die „Ich auch, ich auch“-Debatte? Wird aus der augenblicklich häufigen „Die da oben trauen sich nicht und benutzen uns als Versuchskarnickel“-Kritik dann ein: „Aha, die zuerst und das Volk muss warten“?
Wer auch immer die Entscheidung über den Kuseler Vorschlag zu treffen hat: Er ist nicht zu beneiden. Denn wie auch immer das Votum ausfällt: Es hat erhebliche Konsequenzen und wird nicht jeden zufriedenstellen.
