Kusel Astrazeneca: Bekannte Personen impfen, um Bürger zu ermutigen?
Astrazeneca ist Dannecks Meinung nach „zu Unrecht zum verrufenen Impfstoff“ geworden. Und das lasse Schlimmes für die nächsten Wochen befürchten, wenn das Serum, wie nun beschlossen, wieder für die Impfungen zugelassen wird. Schon jetzt sei der Kühlschrank im Impfzentrum mit Astrazeneca-Dosen voll, weil der Impfstoff weiterhin geliefert worden sei, der seit Montagnachmittag vorübergehend nicht mehr verabreicht werden durfte.
Schon in den vergangenen Wochen habe es immer mal wieder Terminabsagen im Impfzentrum gegeben, wenn der Impfling erfahren habe, dass er mit Astrazeneca geimpft werde. „Es kamen häufiger mal Leute, die sagten: ,Ich will nur Biontech, nicht Astrazeneca.’ Denen mussten wir dann sagen, dass das nicht geht: entweder Astrazeneca oder nichts.“ Und auch den Wunsch „Ruf mich an, wenn du Biontech für mich hast“ könne, nein: dürfe er nicht erfüllen.
Ortsbürgermeister sollen helfen
Bislang hätten die Verantwortlichen im Impfzentrum solche Terminausfälle dadurch auffangen und alle Dosen verimpfen können, indem sie eine Liste mit Impfwilligen aus den Prioritäten eins und zwei abtelefoniert hätten, die dann kurzfristig ins Impfzentrum gekommen seien. „Deshalb haben wir bisher keinen Impfstoff wegwerfen müssen.“
Doch nachdem das Image von Astrazeneca nun vollends ramponiert sei und die Anzahl der Absagen deutlich ansteigen werde, wenn dieser Impfstoff wieder verimpft werde, könne das Impfzentrum das nicht mehr garantieren. Zumindest nicht alleine. Danneck, selbst Ortsbürgermeister von Rammelsbach, appellierte daher am Freitag an alle Ortsbürgermeister im Landkreis, dem Impfzentrum Menschen aus ihren Gemeinden zu nennen, die dank der Priorisierung für eine umgehende Impfung in Frage kommen.
„Die Ortsbürgermeister wissen besser als wir, was vor Ort Sache ist.“ Dann könne man auch arrangieren, dass priorisierte Impfwillige aus weiter entfernten Dörfern noch rechtzeitig zum Impfen nach Kusel kämen. Sobald eine Ampulle geöffnet und der Impfstoff auf eine Spritze aufgezogen sei, habe Biontech eine Haltbarkeit von sechs Stunden, Astrazeneca und Moderna von einer Stunde.
Vertrauen in Serum erschüttert
Aber auch das, so fürchtet Danneck, werde in den nächsten Wochen nicht reichen, um tatsächlich alles zu verimpfen, was das Impfzentrum an Astrazeneca bereits im Kühlschrank hat und in nächster Zeit noch bekommt. „Das Vertrauen in Astrazeneca ist erschüttert.“ Zu Unrecht, sagt er, betont aber zugleich, dass er selbst natürlich kein Experte sei, jedoch auf die Expertisen der Fachleute vertraue.
Daher schlägt er vor, dass der Kreis eine Liste mit bekannten Persönlichkeiten zusammenstellt. Diese Menschen sollen sich dann unabhängig von ihrer Priorisierung impfen lassen, um quasi als Vorbilder der Bevölkerung zu zeigen, dass Astrazeneca besser sei als sein Ruf.
Natürlich, so betonte Danneck, werde der Landkreis hier keinen Alleingang unternehmen. Er werde diesen Vorschlag mit dem Land absprechen und auch eine mögliche Liste für Vorbilds-Impfungen vom Land absegnen lassen. „Das muss alles ganz transparent laufen“, sagte er auch mit Blick auf Landkreise, in denen Funktionsträger zum Teil ohne Information an die Öffentlichkeit vorzeitig geimpft wurden, ohne der erforderlichen Priorisierungsstufe anzugehören. Voraussichtlich am Mittwoch wird der Vorschlag Thema in Gesprächen mit dem Land sein.
Bislang 9299 Impfungen
Unabhängig davon zogen am Freitag sowohl Danneck für das Impfzentrum als auch Büroleiter Christian Flohr für die inzwischen vom Kreis eingerichteten Schnelltestzentren ein überaus positives Fazit. Danneck sagte, Stand Donnerstagabend seien auf dem Windhof 9299 Impfungen erfolgt. Von anfangs 80 Impfungen pro Tag sei der Betrieb inzwischen auf rund 300 pro Tag hochgefahren worden. In der kommenden Woche sei sogar ein Tag mit 350 Impfungen vorgesehen. Nachdem anfangs die Versorgung mit Impfstoff schwierig gewesen sei, gebe es zurzeit ausreichend.
Danneck wie auch Flohr lobten die Teams, die im Einsatz sind – für die Schnelltestzentren sind das fast durchweg Ehrenamtliche. In Kusel (Marktwiese), Schönenberg-Kübelberg (Jugendhaus) und Wolfstein (Sporthalle) seien seit dem Start am 8. März 700 Schnelltests gemacht worden, von denen neun positiv waren. „Das Angebot der Schnelltests wird gut angenommen. Wir sind gut ausgelastet, aber der Ansturm ist auch nicht so, dass wir überrollt werden.“ Etwa 20 Personen pro Stunde könnten getestet werden. Inzwischen kämen im Schnitt in Kusel etwa 40 Personen pro Testtag, in Schönenberg-Kübelberg sogar 43 und in Wolfstein 25.
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