Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Kochsche Markt: Pläne für Umgestaltung sorgen für hitzige Diskussion

Grau und in die Jahre gekommen: Der Kochsche Markt in Kusel soll mit einer Sanierung einladender werden.
Grau und in die Jahre gekommen: Der Kochsche Markt in Kusel soll mit einer Sanierung einladender werden.

Schon seit längerem steht in Kusel die Sanierung des Kochschen Markts auf der Agenda. Nun gibt es eine Kostenschätzung – die im Stadtrat für teils heftige Reaktionen sorgte.

Eine leere graue Fläche mit wenigen Sitzmöglichkeiten, ein Becken, in dem kein Wasser mehr plätschert: Der Kochsche Markt ist sichtlich in die Jahre gekommen. Bereits seit mehreren Jahren plant die Stadt eine Umgestaltung des Platzes, der wichtiger Schauplatz für Veranstaltungen und den Wochenmarkt ist.

In der letzten Ratssitzung in diesem Jahr präsentierten Julia Kaiser, Frank Ehrenreich und Selina Schaum vom Planungsbüro WSW & Partner aus Kaiserslautern die überarbeiteten Pläne. Seit der vergangenen Vorstellung der Vorentwurfsplanung im Oktober 2024 seien mehrere Wünsche aus dem Stadtrat eingeflossen, erklärte Kaiser. Unter anderem hätten die Planer die neu vorgesehenen Spielgeräte auf der Grünfläche nun überwiegend in den Randbereichen angeordnet, damit die übrigen Flächen flexibel nutzbar bleiben.

Mehr Spielgeräte und neue Brunnentechnik

Um den Platz als Spielplatz attraktiver zu gestalten, sind laut Schaum ein Spielturm, ein Bodentrampolin sowie eine Slackline geplant. Dabei handelt es sich um ein Gerät mit Balancierseil, bei dem Kinder ihr Gleichgewicht trainieren können. „Auch die Boulebahn soll instandgesetzt werden“, sagte Schaum. Darüber hinaus sei für die Grünfläche vorgesehen, den Rasen und die Wege zu erneuern sowie fünf Bänke und vier neue Bäume aufzustellen.

Die Boulebahn hinter dem Café Rotenturm hat ihre besten Jahre ebenfalls hinter sich. Auch sie und die umliegenden Grünflächen so
Die Boulebahn hinter dem Café Rotenturm hat ihre besten Jahre ebenfalls hinter sich. Auch sie und die umliegenden Grünflächen sollen aufgewertet werden.

Deutlich umfangreicher fallen die Planungen für den gepflasterten Marktbereich aus, wie Schaum verdeutlichte. Unter anderem sei eine neue Brunnentechnik eingeplant, mit der das Wasser über eine verbreiterte Vertiefung über den Platz fließen soll. Um Stolperfallen bei Veranstaltungen mit regem Publikumsverkehr zu vermeiden, können die Pumpe abgeschaltet und die Absenkungen abgedeckt werden, merkte Kaiser an. Ebenso sei vorgesehen, das Außenbecken am Café Rotenturm zu reaktivieren.

Darüber hinaus sind laut Schaum Fundamente für bis zu vier große Sonnenschirme sowie eine mobile Bühne angedacht, die beispielsweise auch für Veranstaltungen im Benzinopark genutzt werden könnte. Hinzu kämen drei neue Parkbänke, vier Elektroversorgungspoller und eine barrierefreie Toilettenanlage. Das Kopfsteinpflaster werde lediglich im Bereich des Freisitzes neu verlegt.

Kostenschätzung sorgt für Kopfschütteln

Die Kosten für die Umgestaltung belaufen sich nach einer aktuellen Schätzung des Planungsbüros auf rund 1,4 Millionen Euro. Kaiser wies darauf hin, dass mehrere Kostenblöcke noch nicht berücksichtigt wurden – beispielsweise gebe es bezüglich der Brunnentechnik und der WC-Anlage bislang keine verlässlichen Zahlen. Auch im Bereich Tiefgarage – der wohl größte finanzielle Unsicherheitsfaktor – stünde die Auswertung einer Untersuchung durch ein Ingenieurbüro noch aus. Erst wenn feststehe, welche Sanierungsarbeiten auch dort nötig sind, sei eine Gesamtschätzung möglich.

Eingang zur Tiefgarage: Auch hier sind Arbeiten nötig, die nochmal für einen deutlichen Kostenanstieg sorgen könnten.
Eingang zur Tiefgarage: Auch hier sind Arbeiten nötig, die nochmal für einen deutlichen Kostenanstieg sorgen könnten.

Die Reaktionen unter den Ratsmitgliedern fielen teils empört aus. Laut wurde etwa Reinhard Reiser (CDU), der sich „verkohlt“ vorkam: „Seit einem Jahr hat sich nicht viel verändert und damals lagen wir noch bei 500.000 Euro – jetzt haben wir eine Kostensteigerung um das Dreifache.“ Auch Michael Daniel (CDU) meinte sich daran zu erinnern, dass in einer früheren Ratssitzung über den Betrag von 500.000 Euro als Kosten für das Projekt gesprochen wurde. Grundsätzlich sehe er in der Umgestaltung des Kochschen Marktes aber eine große Chance, da es in der Kreisstadt bislang keinen Kinderspielplatz gebe.

Jürgen von Blohn (FWG) fragte sich wiederum, wie manche Berechnungen in der Kostenschätzung zustande kommen. Für einen neuen Baum sei etwa ein Betrag von 1100 Euro vorgesehen – zu niedrig angesetzt, meinte der Inhaber der Gärtnerei Hanns. Sollte es sich nicht um einen „Minibaum“ handeln, müsste man eigentlich mit dem Fünffachen rechnen.

Planerin spricht von Unterstellungen

Kaiser entgegnete, dass ihr Planungsbüro lediglich mit der Freianlagenplanung beauftragt sei und die einzelnen Kosten von den anderen beauftragten Fachplanern zusammenstelle. Auch wies sie den Vorwurf der CDU zurück und sprach von einer Unterstellung: „Wir hatten in diesem Rat davor noch nie eine einzige Zahl vorgestellt.“ In der Niederschrift der Verbandsgemeinde-Verwaltung Kusel-Altenglan zum Sitzungstag 24. Oktober 2024 ist lediglich die Rede davon, dass die überarbeitete Planung mit Kostenschätzungen nochmal vorgestellt werden soll.

Stadtbürgermeister Martin Heß (CDU) kündigte an, in Erfahrung bringen zu wollen, wie die ursprüngliche Kostennannahme zustande kam. „Wir müssen warten, bis wir verlässliche Zahlen haben, dürfen aber mit der Umgestaltung nicht zu lange warten“, sagte er in Anspielung auf das Landesförderprogramm „Lebendige Zentren – Aktive Stadt“. Bis Ende 2028 müssten die zu fördernden Projekte abgeschlossen sein, um an die Mittel heranzukommen.

Der Baustart für die Umgestaltung ist nach Angaben des Planungsbüros nach derzeitigem Stand für Oktober 2026 vorgesehen, sodass die Sanierung rechtzeitig zum Start der Kuseler Herbstmesse 2027 abgeschlossen ist. Abhängig sei das vor allem vom Umfang der Arbeiten in der Tiefgarage. Im Januar werde dazu hoffentlich ein Bericht vorliegen, sagte Heß: „Es wäre fatal, jetzt im Blauen weiterzuplanen – wir müssen schrittweise vorangehen.“ Auf der anderen Seite meinte Peter Falk (SPD): „Wir müssen das Projekt im Ganzen vielleicht zurückstellen und neu denken.“ Er gehe davon aus, dass sich das Vorhaben noch einmal um rund 1,5 Millionen Euro verteuern könnte.

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