Waldmohr
Gramax: Auf CS Schmal folgen weitere Pleiten
Rückblende: Gramax Capital mit Sitz in der Schweiz und einem schnell gegründeten Ableger in München hatte die kriselnde CS Schmal 2016 von der Germersheimer Nolte-Gruppe übernommen. Nolte blieb mit einer Minibeteiligung an Bord – das sparte beim Verkauf Kosten. Die Investoren versprachen das Blaue vom Himmel, schwadronierten von Plänen und strategischen Zielen, von einer nachhaltigen Sicherung der mehr als 400 Arbeitsplätze. 15 Monate später war davon nicht mehr die Rede. Da war CS Schmal kaputt. Und vom Geschäftsführer und Gramax-Capital-Miteigentümer Achim Pfeffer nichts mehr zu hören.
Der ominöse Kredit
Insolvenzverwalter Paul Wieschemann äußerte schnell den Verdacht, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Vor allem ein Zwei-Millionen-Euro-Kredit erregte seinen Verdacht. Den hatte CS Schmal, obwohl bereits angeschlagen, auf Pfeffers Anweisung der Münchner Gramax-Tochter aushändigen müssen. Das Geld ist längst weg, für die nämliche Münchner Tochter wurde fast zeitgleich Insolvenz angemeldet. Der mysteriöse Kredit hatte zuvor schon dem zweiten Schmal-Geschäftsführer, Günter Ebmayer, den Job gekostet. Der, noch aus Nolte-Zeiten im Betrieb, hatte sich gegen diesen Kredit gestemmt, ihn als existenzbedrohend für CS Schmal bezeichnet.
Dieser Kredit beschäftigt seither die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern; inklusive der Frage, ob er ursächlich für die spätere Insolvenz von CS Schmal war. Noch immer läuft die Prüfung in diesem juristisch diffizilen Fall – wenn ein Eigentümer Geld aus seiner eigenen Firma an eine andere eigene Firma verleiht, lässt sich nur schwer der Tatbestand der Untreue daraus formulieren. Dabei spricht einiges dafür, dass sich Gramax über diese zwei Millionen Euro den vorher gezahlten Kaufpreis zurückgeholt hat.
Wieschemann: Bewusst geschädigt
Andere auffällige Vorgänge sind ohnedies nicht justiziabel. Dass hohe Beraterhonorare an Firmen und Repräsentanten aus dem Gramax-Umfeld gezahlt wurden. Und dass Maschinen verkauft und zurückgemietet wurden – wohin der Verkaufserlös geflossen ist, bleibt unklar. Jedenfalls kam Wieschemann zum Schluss, es sei gezielt Geld aus der Firma rausgeholt, CS Schmal also bewusst geschädigt worden.
Nun könnte man vielleicht mit ganz viel gutem Willen Pfeffer und Gramax einfach nur dilettantisches Geschäftsgebaren attestieren – wenn denn Gramax sich nicht immer wieder auf diese Weise hervortun würde. Eine Unterwäsche-Firma in Portugal – früher eine Tochter der Marke Triumph – ging ebenso nach einem Gramax-Engagement binnen kurzer Zeit pleite und hinterließ rund 500 Mitarbeiter ohne Job wie der französische Spanplattenhersteller Darbo SAS mit seinen 130 Mitarbeitern. Ausgerechnet den hatten Pfeffer und Gramax als Argument beim Kauf von CS Schmal für ihre lauteren Absichten auf dem Möbelmarkt angeführt.
Zwei neue Übernahmen
Allerdings ist die Geschichte damit und mit CS Schmal beileibe nicht zu Ende. Zwischen Oktober 2018 und Mai 2019 holte sich Gramax zwei weitere, zuvor angeschlagene Firmen: den Autoteilezulieferer Küpper aus Velbert nahe Wuppertal und den Autoteilezulieferer Kaiser im niederbayerischen Aicha vom Wald. In beiden Fällen übernahm derselbe hochrangige Gramax-Mann die Geschäftsführung.
Bei Küpper dauerte es nicht einmal ein Jahr, bis die Firma pleite war. Die dortige IG Metall will aus der Autobranche vernommen haben, dass relativ schnell die Preisverhandlungen mit den Abnehmern eskaliert seien, dass Küpper, also Gramax, die Preise „um 400 bis 1000 Prozent erhöhen“ wollte. Gewerkschaftssekretär Hakan Civilek zog daher folgendes Fazit: Gramax habe nur in kurzer Zeit möglichst viel Geld machen wollen. Dass sich die Kunden danach reihenweise verabschiedeten, nimmt nicht Wunder. Küpper ist inzwischen vom Markt verschwunden, und die Gewerkschaft ließ öffentlich wissen, dass man nochmals genau hinschauen müsse, „welche Rolle die Berater und Investoren bei diesem dubiosen Spiel gespielt haben“.
Ein Geflecht von Firmen
Jetzt hat sich das Ganze, noch etwas ausgefeilter als in Waldmohr, in Niederbayern wiederholt. Die „Passauer Neue Presse“ berichtet ganzseitig über Vorgänge bei der Firma Kaiser, die nach einer früheren Übernahme durch den indischen Konzern Amtek fortan als „A-Kaiser“ firmierte. Zum Zeitpunkt des Kaufs durch Gramax im Mai 2020 machte das Unternehmen mit 520 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 108 Millionen Euro. Der Volkswagen-Konzern gehört zu den Kunden, hatte nach Recherchen der Zeitung unter anderem einen Großauftrag über Strukturbauteile für Elektroautos bei Kaiser platziert.
Schnell sei ein ganzes Geflecht von Gramax-Tochterfirmen entstanden, darunter eine namens G-AK Loan GmbH – die Abkürzung dürfte Gramax-A-Kaiser bedeuten –, die kurz nach Übernahme von Kaiser durch Gramax den Maschinenpark des bayerischen Unternehmens kaufte und ihn anschließend zurückvermietete – ein in Wirtschaftskreisen durchaus bekanntes und auch in Waldmohr angewendetes Verfahren, um an Geld zu kommen. Unter derselben Postadresse wie G-AK Loan saß in einem Münchener Wohnhaus laut „Passauer Neue Presse“ auch die G-Holding AK-Share GmbH, offiziell Eigentümerin von Kaiser. Und weiterhin eine G-AK Verwaltungs GmbH. Für alle drei war Achim Pfeffer als Geschäftsführer eingetragen.
Vom Grill in die Geschäftsführung
Auch hier ist von gescheiterten Preisverhandlungen die Rede, VW habe im Frühjahr die Lieferverträge gekündigt. Zu diesem Zeitpunkt wechselte nach Recherchen der Zeitung auch die Geschäftsführung bei Kaiser – vom hochrangigen Gramax-Mann zu einem Hamburger, der in der Hansestadt einen Cevapcici-Grill betreibt und im kriselnden bayerischen Werk kaum anzutreffen gewesen sei.
Kaiser dümpelte seither dahin, ohne dass von den nurmehr gut 400 Mitarbeitern noch viel produziert wurde. Gramax habe, so berichtet die Zeitung, vor wenigen Wochen noch versucht, ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchzuführen. Der Antrag wurde abgelehnt; auch weil sich Betriebsrat und IG Metall dagegen stellten. Die Gewerkschaft sieht laut „Passauer Neue Presse“ nur noch einen Weg, das Unternehmen mit seinen beiden Standorten nach dem Bruch mit VW zu retten: die Trennung von seinem Eigentümer Gramax. Seit vergangener Woche ist nun ein vorläufiger Insolvenzverwalter zuständig.
Neue Namen
Übrigens: Gramax gibt es nicht mehr. Zumindest nicht unter diesem Namen. Die ehemalige Gramax Capital AG mit Sitz in Pfäffikon/Schweiz heißt seit 28. Mai 2020 „Alegria Capital AG“. Und die Gramax Invest AG, in der steuerfreundlichen Schweizer Gemeinde Freienbach beheimatet, wird seit Mai 2020 als „Apaneo Capital Partners AG“ unter derselben Adresse in Pfäffikon geführt. Damit jedenfalls steht der inzwischen ramponierte Name „Gramax“ weiteren Firmenübernahmen nicht mehr im Weg.