Meinung
Gewaltexzess am Bahnhof: Und wieder wird der Schweigemantel ausgebreitet
Ist denn das noch zu fassen? Da schlägt und tritt ein Jugendlicher wie von Sinnen auf einen wesentlich kleineren Mitschüler ein, prügelt ihn ins Krankenhaus – und lässt sich auch noch dabei filmen. Der Clip schwirrt durchs Netz und findet vielfach Aufmerksamkeit.
Nun passiert parallel auch das, was zumindest der noch redlich denkende, an so etwas wie Anstand glaubende Teil der Bevölkerung erwartet: Die Polizei geht der Sache nach. Weil diese nun kein Kinkerlitzchen ist, schaltet sich die Staatsanwaltschaft sehr früh ein. So weit, so gut.
Was weder Polizei noch Staatsanwaltschaft tun: die Öffentlichkeit davon in Kenntnis setzen. Nicht zum ersten Mal wird so getan, als gingen Übergriffe am helllichten Tag niemanden etwas an. Im August 2024 war der Ärger schon groß, weil ein Raubüberfall verschwiegen worden war.
Schweigen ist die schlechteste Strategie
Auch die Schule schweigt – aus nachvollziehbaren Gründen. Lehrpersonal muss ausbaden, was Eltern nicht mehr leisten können oder wollen. Der Vorwurf geht da eher eine Etage höher: Da mauert die ohnehin stark in der Kritik stehende Schulaufsicht – und macht als Grund dafür geltend, dass jedwede Information an die Öffentlichkeit das Persönlichkeitsrecht des Täters verletze ...
Wie man es auch dreht: Schweigen ist die schlechteste Strategie. Solch üble Vorfälle lassen sich – zumal in Kusel – nicht unter den Teppich kehren. Wenn sie von dort hervorgezerrt werden, ist der Schaden noch größer. Weil jeder Verdacht, da solle vielleicht was vertuscht werden, das ohnehin schwindende Vertrauen der Menschen in die Funktionstüchtigkeit des Staates weiter zerbröseln lässt.
