Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Forstrevier Lichtenberg: Hier gibt’s alles, was in Mitteleuropa im Wald wächst

 Auf einer Karte zeigt Revierleiter Werner Häußer die Bereiche des Forstreviers Lichtenberg, in denen sich die Habitatbäume befi
Auf einer Karte zeigt Revierleiter Werner Häußer die Bereiche des Forstreviers Lichtenberg, in denen sich die Habitatbäume befinden.

Mit den Klischees vom Förster im Lodendress und mit Dackel auf der Pirsch, wie sie deutsche Heimatfilme über lange Zeit pflegten, hat Werner Häußer nichts gemein. Den Leiter des Forstreviers Lichtenberg beschäftigt aktuell „klimaangepasstes Waldmanagement“ – und das am Schreibtisch ebenso wie an seinem Arbeitsplatz in den Gemeindewäldern des Reviers.

In den Wäldern um Reichweiler und Pfeffelbach ist der Förster in diesem Sommer beispielsweise unterwegs, um geeignete Baumgruppen auszuwählen, die für das Förderprogramm in Frage kommen. Werden dessen Kriterien eingehalten, winken den Gemeinden Zuwendungen von 100 Euro pro Hektar und Jahr, erläutert Häußer.

400 Dosen Farbe für Biotopbäume

Eine Voraussetzung dafür sei die Auswahl und Identifikation von mindestens fünf Habitatbäumen je Hektar. Dabei handelt es sich um lebende oder tote stehende Bäume, die ein Mikrohabitat wie etwa Flechten, Efeubewuchs, Rindenverletzungen oder Spechthöhlen aufweisen. Diese Habitat- oder Biotopbäume, die für Pflanzen- und Tierarten Lebensgrundlage oder Unterschlupf bieten, müssen dauerhaft gekennzeichnet werden. Häußer und seine Helfer bedienen sich dazu weißer und blauer Langzeitfarbe. Bis zu 400 Dosen seien dazu nötig, informiert der Förster.

Werner Häußer markiert einen sogenannten Habitat- oder Biotopbaum.
Werner Häußer markiert einen sogenannten Habitat- oder Biotopbaum.

Für das Fördergeld ist dem Förster zufolge eine natürliche Waldentwicklung auf fünf Prozent der Fläche ein weiteres Kriterium. Diese Waldfläche bleibt für die Dauer von 20 Jahren von forstwirtschaftlicher Nutzung ausgenommen. Verzicht auf Kahlschläge, Düngung und Pflanzenschutz, Erhöhung der Diversität an Totholz und toten Baumstümpfen, Renaturierung stehender und fließender Gewässer und Feuchtgebiete sowie vergrößerte Abstände zwischen Rückegassen für Forstmaschinen und Vorrang der Naturverjüngung klimabeständiger heimischer Baumarten sind weitere Förderkriterien, die Häußer auflistet.

Externe Unterstützung benötigt

Die Erfüllung dieser Anforderungen überwachen Zertifizierungsorganisationen für nachhaltige Waldbewirtschaftung. Im Revier Lichtenberg nimmt diese Aufgabe die PEFC-Zertifizierung wahr und wird dafür von den kommunalen Waldbesitzern bezahlt. Der Arbeitsaufwand für die Erfüllung der Förderkriterien ist Häußer zufolge erheblich. Denn revierweit müssten mehr als 8000 Habitatbäume in mehr als 500 Baumgruppen ausgewiesen werden. Dazu muss auch Unterstützung bei externen Fachkräften eingekauft werden. Hinzu kommt die Bürokratie, denn alle Daten müssen digital erfasst, auch die Förderanträge online gestellt werden.

Daneben obliegt dem Förster weiter das Tagesgeschäft, wie Forstwirtschaftspläne für 18 Kommunen samt Präsentation in den Ratssitzungen, Arbeitsorganisation, Kapazitätsplanung und Verkehrssicherung an öffentlichen Wegen und Einrichtungen im Kommunalwald. Die Bildung eines Forstzweckverbandes in der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan, wie er etwa in der Verbandsgemeinde Oberes Glantal mit 14 Ortsgemeinden seit 2021 besteht, würde das Handwerk schon vereinfachen, ist Häußer überzeugt.

Diese Baumarten werden nicht mehr gepflanzt

Zum Steckbrief seines Reviers sagt der Förster, es gebe hier fast alles, was in Mitteleuropa im Wald wächst. Bei den Baumarten dominieren Laubbäume mit 93 Prozent, darunter Eiche, Buche, Hainbuche, Esche, Wildkirsche, Bergahorn, Spitzahorn, Feldahorn, Birke, Winter- und Sommerlinde, Weide, Haselnuss, Baumhasel und Wildobst. Der Anteil der Nadelbäume – Douglasie, Lärche, Weißtanne und Kiefer – rangiert bei bescheidenen sieben Prozent. Der Bestand an Fichten sei über die vergangenen drei Jahrzehnten durch Stürme, Trockenheit und Borkenkäferbefall von 15 auf weniger als ein Prozent geschrumpft.

Alle Baumarten stünden unter einem starken Anpassungsdruck durch den Klimawandel, ergänzt der Revierleiter. Vor allem Perioden mit Trockenheit machten sich bemerkbar, und deren Folgen könnten auch durch ein nasses Jahr nicht wettgemacht werden. Zudem blieben die Wälder von Schadorganismen wie Pilzerkrankungen nicht verschont. Neuanpflanzungen mit pilzgefährdeten Arten wie Esche, Bergahorn und Hainbuche erfolgten deshalb nicht mehr.

Was der Förster Waldbesuchern rät

Dennoch zeigt Häußer sich optimistisch über die Zukunft des heimischen Waldes. Denn die Vielfalt der vorkommenden Baumarten garantiere, dass auch in ferner Zukunft noch Wald in hiesigen Breiten existieren könne. Bei einigen Arten sei allerdings mehr erforderlich als bei anderen, um sie zukunftsfähig zu machen. So würden sämtliche etwa 60 Jahre alten Douglasien mit Buchen ergänzt, um Mischwald mit geringerem Betriebsrisiko zu erreichen.

Besuchern der Wälder rät der Förster, stets auf die eigene Sicherheit und Gesundheit zu achten. Wegen der Gefahr des Abbruchs trockener Äste bei Windböen sollte bei Gewitterwind der Wald gemieden werden. Auf Wanderwegen oder Pfaden könne kein Waldbesitzer für Sicherheit zu zumutbaren Bedingungen garantieren. Auch Schadorganismen wie Allergien auslösende Eichenprozessionsspinner und Pilzerkrankungen könnten nur an ständigen Aufenthaltsplätzen nach den jährlichen Kontrollen beseitigt werden.

Der älteste Baum ist über 300 Jahre alt

Waldbesucher könnten sich immer die Frage stellen, ob sie sich zum Nachteil anderer verhalten, gibt Häußer zu bedenken. „Ob allerdings die Entsorgung von Müll dann weniger wird, darf bezweifelt werden, denn die ,Entsorger’ stellen sich kaum diese Frage.“

Für seinen Lieblingsort im Revier Lichtenberg führt Häußer auch einen familiären Bezug an. „Mein favorisierter Platz ist am Waldrand oberhalb des Haschbacher Sportplatzes bei der ältesten Eiche des Forstreviers. Als mein Vorfahre Balthasar Engelhart ab 1763 als pfalz-zweibrückischer Förster hier tätig war, gab es diesen Baum schon fast 50 Jahre, und als er 1805 starb, war der Baum schon fast 90 Jahre alt.“ Mit einer Zählung der Jahresringe sei 1989 ein Alter der Eiche von 273 Jahren ermittelt worden, heute sei er 308 Jahre alt.

Förster Werner Häußer

Werner Häußer ist verwurzelt in seinem Revier, das er von Kindesbeinen an kennt. Geboren ist Häußer (Jahrgang 1962) in Diedelkopf. Vor seinem Elternhaus – dem gegenüber der Brücke gelegenen ältesten Haus der Ortschaft – steht eine Weißtanne, die ab Advent als einer der schönsten Weihnachtsbäume weit und breit auffällt. Nach Schule und Gymnasium in Kusel, Ferienjobs in der Brauerei und im Forstamt startet er die Ausbildung für den gehobenen Dienst in der Forstverwaltung – in Winnweiler und an der Fachhochschule Forstwirtschaft in Rottenburg am Neckar, damals Ausbildungsstätte für Forstbeamte des gehobenen Dienstes aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Nach einem Praxisjahr in Eppenbrunn im Pfälzerwald und einer Station im Forstamt Kaiserslautern wechselt Häußer 1987 ins Forstamt Kusel. Zu seinen Vorfahren zählt Balthasar Engelhart. Als zweibrückischer Forstmeister war Engelhart von 1763 bis 1805 in den Wäldern rund um Kusel tätig.

Revier Lichtenberg

Das Forstrevier Lichtenberg erstreckt sich über das Gebiet der ehemaligen Verbandsgemeinde Kusel und umfasst den Gemeindewald von 17 Dörfern und der Kreisstadt. Im Westen grenzt das Revier an den Kreis St. Wendel im Saarland, im Norden mit den Preußischen Bergen an den Landkreis Birkenfeld und den Truppenübungsplatz. Im Osten schließt sich das Revier Altenglan an, im Süden ist das Forstrevier Glantal der Nachbar.
Das Revier umfasst annähernd 1500 Hektar Wirtschaftswald und sonstigen Wald. Waldreiche Gemeinden sind neben Pfeffelbach (275 Hektar), Reichweiler, Albessen Körborn und Theisbergstegen, die jeweils mehr als 100 Hektar Gemeindewald besitzen. Schlusslicht unter den waldbesitzenden Kommunen ist Ruthweiler mit 5,7 Hektar Gemeindewald. Besonderheiten weisen die an das Saarland angrenzenden Gemeinden Herchweiler und Selchenbach auf: Kleine Flächen ihres Gemeindewaldes befindet sich auf saarländischem Gebiet.
Lichtenberg ist auf Vorschlag von Revierförster Werner Häußer seit 1989 der Name des Forstreviers. Diese Bezeichnung nimmt Bezug auf das historische Oberamt Lichtenberg auf der Burg Lichtenberg. Bei der Mehrheit der Bewohner habe sich dieser Name allerdings nicht etabliert, so die Erfahrung von Häußer.

Die Serie

Das Forstamt Kusel deckt sich mit den Grenzen des Landkreises und ist in zwölf Reviere gegliedert. Keines gleicht dem anderen. In unserer Serie „Unser Wald – Die Reviere“ stellen wir einige mit ihren Besonderheiten vor. Bislang erschienen:
Forstrevier Lauterecken-Wolfstein: Vom Wald, den Burgen und schwitzenden Radfahrern
Die Probleme im Wald Lauterecken-Wolfstein sind Menschen gemacht
Forstrevier Glan: Den Wald an aktuelle Herausforderungen anpassen

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