Heinzenhausen
Die Probleme im Wald Lauterecken-Wolfstein sind Menschen gemacht
Wenn einer sagen kann, er kennt den Wald wie seine Westentasche, dann ist das wohl Rüdiger Wolf. Seit fast 25 Jahren ist der Förster für rund 2000 Hektar Wald im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz, sogenannter Staatswald, zuständig. „Ich habe nur einen Eigentümer im Revier“, erklärt er den Unterschied zu Kollegen im Forstamt, die sich um Gemeindewald kümmern. Dies bringe manchen Vorteil, verrät Wolf, weil er eben nicht 25 Forsthaushalte übers Jahr berechnen muss. Allerdings hat er dafür teilweise strenge Auflagen zu beachten. Die Arbeit im Staatswald sei besonders eng an Vorschriften gebunden, sagt Wolf. Er verbringe daher viel Zeit mit der Dokumentation am Schreibtisch.
Eine Vorgabe lautet, dass der Staatswald „vorbildlich zu wirtschaften hat und dem Gemeinwohl in besonderem Maße dienen möge“. Außerdem soll er zumindest die volle Kostendeckung erreichen. Insgesamt betrifft dies im Kreis Kusel rund 3500 Hektar Staatswald. Ein weiteres Staatswaldrevier befindet sich im südlicheren Kreis.
Vorbildlich wirtschaften, das bedeutet für Wolf vor allem, auf natürliche Verjüngung zu setzen. Beim kleinen Waldspaziergang im Jungenwald bei Heinzenhausen wird rasch klar, was der Experte meint: Zahlreiche kleine Bäumchen wollen dort ganz in der Nähe des Veldenzwanderwegs heranwachsen, von der Natur in vielfältigem Arten-Mix selbst ausgesät. Eichen, Buchen, Weißtannen, Ahorn, Kirschen und weiteres mehr präsentiert die gelungene Naturverjüngung. Kleine Buchen mit ihrem charakteristischen Elefantenohr-Keimblatt wachsen rechts und links des Weges.
Die Jagd ist wichtig
„Die Pflanzen stehen hier auch so gut, weil der staatliche Eigenjagdbezirk ordentlich bejagt wird“, betont Rüdiger Wolf. „Es gibt hier viel Rehwild, die natürliche Vielfalt wäre ohne Bejagung dahin“, weiß er um den Appetit der wilden Feinschmecker. Auch Muffelwild komme in seinem Revier vor. Dieses könne sogar ganze Schneisen der Verwüstung schlagen. Bei der Jagd erhält er Unterstützung von Hündin Pina. Die Kleine Münsterländerin ist als Kadaver-Suchhund ausgebildet und hat dabei eine spezielle Nase für Afrikanische Schweinepest.
Im Unterschied zu manchem Gemeindewald, dessen kommunaler Eigner in Haushaltsschwierigkeiten steckt, sind die meisten Wege im Staatswald gut ausgebaut. „Es gibt zwar auch einige Gebiete, die man kaum oder nur per Allrad erreichen kann, dennoch ist die Infrastruktur hier insgesamt besser“, berichtet Wolf.
Klimawandel macht Probleme
Probleme verursacht indes der Klimawandel. „Die vergangenen Jahre haben ihre Spuren hinterlassen“, berichtet Wolf von Eichen, die von oben her absterben. Hier steht zwar auch noch die eine oder andere Fichte, aber viele hat der Borkenkäfer schon dahingerafft, auch Tannen sterben. „Es ist zu trocken und zu heiß“, lautet der Befund des Försters. Auch Baumarten, die eigentlich als klimaangepasst galten, zögen sich zurück. „Die Buche leidet“, sagt Wolf und zeigt auf einen hohen Baum, dessen Rinde abplatzt und Äste trocken sind. „Das ist eine Folge des Klimawandels“, stellt er fest. Zwar registriert er auch Krankheiten wie Eschen-Triebsterben, etwa in Reipoltskirchen. Doch bildeten Krankheiten oder Pilze kein so großes Problem im Revier wie der Klimawandel.
Um eine nachhaltige Mischung an Arten für die Zukunft zu finden, werde viel experimentiert. Baumhasel, Libanon-Zeder, Walnuss, Elsbeere, Mehlbeere und Feldahorn seien mögliche Kandidaten für einen künftigen Waldmix. Damit hätten Kollegen schon gute Erfahrungen gemacht, berichtet Wolf. Wichtig sei, immer nur einzelne Bäume zu ernten, damit ein stabiles, stufiges Bild entsteht. Weniger wertvolles Holz werde als Brennholz an gewerbliche Händler in der Region verkauft.
Verkehrssicherung aktuelles Thema
Der Jungenwald ist mit rund 300 Hektar schon groß, am Königsberg bei Wolfstein betreut Wolf ein noch weit ausgedehnteres Gebiet Staatswald. Insgesamt ist er auf mehr als 30 Gemarkungen aktiv, da sei häufig die Pflicht zur Verkehrssicherung an Straßen ein aktuelles Thema. In den 1960er und 70er Jahren wurden steile oder ertragsschwache Flächen aus der landwirtschaftlichen Nutzung angekauft und als Staatswald aufgeforstet – auch auf ehemaligen Weinbergen in Offenbach und Medard.
Kolkraben drehen ihre Runden in großer Höhe. Am Glan entlang ist der Eisvogel heimisch, in den Steinbrüchen Uhus, und auch dem Roten Milan gefällt es dort. Einen Wolf hat der Förster im Revier noch nicht gesehen. Auch Müll sei im Wald kein großes Problem. An den Parkplätzen müsse zwar „alle paar Monate ein Hänger voll Abfall entsorgt werden“, aber insgesamt wüssten Waldbesucher, wie sie sich in der Natur verhalten sollen. Nur einmal hatte es Wolf mit einer wilden Entsorgung zu tun, als illegal zwei Kanister mit Motoröl abgelagert wurden. Da aus einem Kanister Öl ausfloss, musste der Boden großflächig gereinigt werden. „Die Entsorgung hat damals etwa 10.000 Euro gekostet“, erinnert er sich an die bösen Folgen.
Zur Person
Rüdiger Wolf wurde 1965 in Bad Kreuznach geboren. Er studierte in Rottenburg am Neckar und absolvierte die praktische Ausbildung in den früheren Forstämtern Ramsen und Speyer. Ende der 1990er Jahre kam er zum früheren Forstamt Lauterecken, wo er zehn Jahre als Büroleiter tätig war. Seit 2000 ist er für das Forstrevier Lauter mit rund 2000 Hektar Staatswald zuständig. Dazu gehört auch die Jagd, bei der er von seiner Kleinen Münsterländer-Hündin Pina begleitet wird.
Die Serie
Das Forstamt Kusel deckt sich mit den Grenzen des Landkreises und ist in zwölf Reviere gegliedert. Keines gleicht dem anderen. In unserer Serie „Unser Wald – Die Reviere“ stellen wir einige mit ihre Besonderheiten vor.
Zur Sache: Revier Lauter
Das Forstamt Kusel umfasst rund 8100 Hektar Gemeindewald in 94 Gemeinden, 5000 Hektar Privatwald von rund 20.000 Waldbesitzern, 25 Hektar Körperschaftswald sowie 3500 Hektar Staatswald. Das Staatswald-Revier Lauter mit einer forstlichen Betriebsfläche von rund 2000 Hektar liegt in der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein außer Glanbrücken, St. Julian und Jettenbach. Es erstreckt sich auf zahlreichen Flächen von Kreimbach-Kaulbach im Süden bis Hoppstädten im Norden und von Nußbach im Osten bis nach Eßweiler im Westen. Kappeln hat keinen Staatswald und ist zudem privat verpachtet. Letzteres trifft auch auf die Gemeinde Rothselberg zu. Im Nordwesten grenzt das Revier an den Truppenübungsplatz.