Lauterecken-Wolfstein
Forstrevier Lauterecken-Wolfstein: Vom Wald, den Burgen und schwitzenden Radfahrern
Seit Oktober ist Kai-Sophie Nöcker Revierförsterin im Norden des Landkreises. „Ich wollte schon immer Försterin werden und in der Natur arbeiten“, sagt sie. Rund die Hälfte der Arbeitszeit sei sie an der frischen Luft, häufig auch in Begleitung von Hündin Wespe. Die junge Dackeldame geht auch mit auf die Jagd und hat ein Näschen als Schweißhund. Außerdem macht sie ihr Frauchen frühzeitig auf Radfahrer aufmerksam.
Derer gibt es im Bereich des Königsberg-Gipfels einige - ganz besonders an schönen Tagen. Von Rutsweiler strampelt einer mit „brennenden Oberschenkeln“ auf die 568 Höhenmeter herauf, nippt einige Male zufrieden an seiner Wasserflasche, erzählt etwas mit der Försterin, dann geht’s wieder bergab.
Trockenheit und Sonnenbrand
Mit Fahrradfahrern im Wald hat Nöcker kein Problem. Ob Mountainbiker, Pilzsammler, Wanderer: Der Wald erfülle auch Funktionen des Tourismus, betont sie. Ein Problem sei vielmehr die Trockenheit. Die reichlichen Regenfälle im Frühjahr seien sinnvoll gewesen, aber die Wege hätten darunter teilweise gelitten, berichtet Nöcker.
Doch der Klimawandel hinterlasse deutliche Spuren: Am Königsberg gebe es Buchen, die von Trockenheit und Sonnenbrand gezeichnet seien. Insgesamt seien Trockenschäden im Norden des Reviers stärker, zudem sei der Boden dort nicht so fruchtbar, Eichen etwa seien kleiner gewachsen. „Kreimbach-Kaulbach hat dagegen wunderschöne Eichen“, berichtet Nöcker. Zusammen mit Wolfstein liegen dort die größten Waldflächen ihres Beritts.
Königsberg genießt besonderen Landschaftsschutz
Den Königsberg schätzt Nöcker besonders: „Hier gibt es viele unterschiedliche Biotope wie Hangschuttwälder, alte Steinbrüche und Stollen“, berichtet sie. Auch gebe es Stilllegungsflächen, die nicht beförstert werden. In den früheren Stollen seien Fledermäuse heimisch, zwischen 1725 und 1820 sei Zinnober-Erz zur Gewinnung von Quecksilber abgebaut worden.
Zudem ist der Königsberg nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ein Gebiet, das besonderen Landschaftsschutz genießt. „Die Gegend ist dicht bewaldet – mit schönen alten Buchen und Eichen. Täler und Schluchten wechseln sich sehr schön ab“, ergänzt Nöcker. Überhaupt handele es sich hier um eine besonders dicht bewaldete Gruppe des Nordpfälzer Berglandes. Es gebe viele Habitatbäume, die geschützt werden. Bei deren Kennzeichnung hat Nöcker allerhand Wege abzugehen. „Das können dann schon mal 20.000 Schritte sein“, erzählt sie.
Steile Hänge schwer zu bewirtschaften
Der Försterin liegt der Mischwald am Herzen. „Hier gibt es von allem etwas: Laub- und Nadelbäume, auch Elsbeeren und Esskastanien wachsen hier.“ Alles Arten, die mit dem Klima gut zurechtkommen sollen. Zudem gedeihen am Königsberg Heidelbeeren und mehrere Brombeer-Arten. Neben einer großen Fledermaus-Population sei der seltene Schwarzspecht im Wald zu Hause. Muffelwild wird ebenfalls gesehen, wie auch die scheue Wildkatze oder Milane am Waldrand. Ein besonderes Augenmerk legt Nöcker auf Artenvielfalt und Naturverjüngung. Am Königsberg liege der Fokus auf Naturschutz. „Die steilen Hänge sind schwer zu bewirtschaften“, weiß die Försterin, die sich in ihrem Revier sehr wohlfühlt.
Hündin Wespe erahnt den nächsten Fahrradfahrer. Und da ist er schon, schnaufend, wiederum ohne Motor, glücklich am Gipfel. Neben dem Königsberg sind auch die Burgen in Wolfstein beliebte Ausflugsziele in ihrem Revier, die Heidenburg in Kreimbach-Kaulbach wie auch weitere Pfälzerwald-Hütten.
Einzige Frau im Außendienst des Forstamtes Kusel
Neben ihrem Einsatz für Nachhaltigkeit spielt bei der Arbeit auch Brennholz eine zentrale Rolle. „Ich habe viel Kundenkontakt“, erzählt Nöcker. Mitunter hat sie auch schon lustige Situationen erlebt, wenn Anrufer sich unter ihrem Vornamen partout einen Mann vorstellen. Den Vornamen Kai tragen zwar tatsächlich häufiger männliche Personen, allerdings ist er durchaus auch als weiblicher Vorname gängig. Wenn sie dann noch hochdeutsch spricht, „dann meinen die Anrufer schon mal, sie seien falsch verbunden“, amüsiert sie sich.
Immerhin ist Kai-Sophie Nöcker derzeit die einzige Frau im Außendienst des Forstamtes Kusel. Dieses ist zwar mit Leiterin Gabi Kleinhempel, der Büroleiterin, Waldpädagogin und Verwaltungsangestellten durchaus weiblich, im Wald selbst trifft man aber sonst nur Männer in Försterkluft. Aber daran wird sich wohl etwas ändern: „Der Beruf wird weiblicher“, beobachtet die Försterin.
Die Serie
Das Forstamt Kusel deckt sich mit den Grenzen des Landkreises und ist in zwölf Reviere gegliedert. Keines gleicht dem anderen. In unserer Serie „Unser Wald – Die Reviere“ stellen wir einige mit ihren Besonderheiten vor.
Zur Person
Kai-Sophie Nöcker wurde 1997 in Bonn geboren und wuchs in der Nähe von Münster auf. Da ihre Eltern auf die Jagd gehen, machte sie schon früh den Jagdschein. Sie studierte Forstwissenschaft in Göttingen und schloss mit dem Bachelor ab. Als Anwärterin erhielt sie in Rheinland-Pfalz eine Zusage. Seit Oktober 2023 ist sie für das Forstrevier Lauterecken zuständig, später kam Wolfstein hinzu. Die junge Dackelhündin Wespe begleitet sie im Revier und bei der Jagd.
Forstrevier Lauterecken-Wolfstein
Die Forstreviere Lauterecken und Wolfstein erstrecken sich in den Grenzen der Verbandsgemeinde (VG). Kappeln und Rothselberg gehören nicht dazu, sie sind privat verpachtet. Zum Forstrevier gehört auch ein Areal am Herrmannsberg, das außerhalb der VG-Grenze liegt. Das Revier erstreckt sich auf rund 2750 Hektar von Jettenbach im Süden bis Hoppstädten im Norden und von Nußbach im Osten bis nach St. Julian im Westen. Dem neuen Forstzweckverband gehören die Gemeinden Kirrweiler, Langweiler, Unterjeckenbach, Hoppstätten, Lohnweiler, Homberg, Herren-Sulzbach und Hohenöllen nicht an. Unterstützt wird Revierleiterin Kai-Sophie Nöcker von Forstwirtschaftsmeister David Rech.