Bedesbach
Die vielen Hürden bis zum neuen Dorfplatz
Der Gemeinderat hat am Montag den Abriss des vorderen Teils des Anwesens in der Ringstraße 12 beschlossen. Laut Ortsbürgermeister Peter Koch stand das ehemalige Bauernhaus aus dem 19. Jahrhundert rund zehn Jahre leer, bis die Gemeinde es vor gut drei gekauft hat. Architekt und Dorferneuerer Klaus Dockendorf bescheinigt dem Gebäude keine Zukunft: Mehrere bauliche Veränderungen seien „in Gänze misslungen“. Das Haus lohne sich nicht mehr zur Nutzung.
Ein Abriss ermöglicht laut Koch die Anlage eines Dorfplatzes. „So etwas haben wir hier bisher nicht. Feste wie Kerwe, Weihnachtsmarkt und das Schmiedefest ,Feuer trifft Wein’ feiern wir auf der Kreisstraße.“ Es fehlten nicht nur eine Begegnungsstätte, sondern auch öffentliche sanitäre Anlagen für das 800-Einwohner-Dorf.
Bürgersteig zu eng
Gleichzeitig solle eine Gefahrenecke beseitigt werden, kündigt Koch an. Für Schulkinder sei der Bürgersteig an der Hauptstraße zu eng. Die Kurve sei schwer einsehbar. Die Gemeinde möchte ferner neuen Wohnraum in einer lebendigen Dorfmitte anbieten. Es gebe genügend Nachfrage junger Leute. „Seit drei Jahren gibt es keine freien Bauplätze mehr“, bedauert Koch. „Das ist der Todesstoß auch für Vereine, die Leute laufen uns weg. Sie warten nicht noch zehn Jahre“, begründet er den Handlungsbedarf. Für das Gesamtprojekt werde der Abriss auch des Hauses in der Ringstraße 8 erwogen.
Das Haus stand nach dem Tod des Eigentümers zum Verkauf. Wie die Erben berichten, hatten sie vor drei Jahren eine Besitzübergabe an Pascal Klein notariell geregelt. Seither wohnt dessen Tochter mit Partner und Kind in dem ehemaligen Bauernhaus. Allerdings haben die Erben nach eigenen Angaben noch keinen Pfennig gesehen. Sie seien daher noch immer Eigentümer. Der Verkauf an Pascal Klein kam nicht zustande, weil die Gemeinde beim Notar das Vorkaufsrecht geltend machte.
Streit um Vorkaufsrecht
Doch zum Verkauf des Hauses an die Ortsgemeinde ist es bisher auch nicht gekommen. Denn Klein ging gegen das Vorkaufsrecht der Gemeinde vor und wandte sich an den Kreisrechtsausschuss. Der Rechtsstreit zog sich weiter über das Verwaltungsgericht bis hin zum Oberverwaltungsgericht. Dort hat die Gemeinde zuletzt gewonnen. Allerdings gibt sich Klein noch nicht geschlagen. Aktuell kämpft er noch um eine Zulassung der Revision.
Sein Rechtsstreit gegen die Ortsgemeinde wegen des Vorkaufsrechts ließe es nicht zu, Renovierungs- und Sanierungsarbeiten zu leisten, begründet Klein, warum seit drei Jahren noch nicht sichtbar an dem Gebäude gearbeitet wurde. Nur nicht aufschiebbare Reparaturen dürften erledigt werden. Er plane, die „Scheune in naher Zeit altersgerecht auszubauen“, sagte Klein. Die Bausubstanz sei gut. Das alte Sandsteingemäuer, ein Gewölbekeller und die massive Scheune seien „ideal, um das Haus mit dem alten Charme neu erstrahlen zu lassen“.
Nicht nur die Ortsgemeinde ist sauer, dass die Eigentumsverhältnisse sich durch die Verfahren bisher nicht regeln lassen. Vor allem auch sind die Noch-Eigentümer des Anwesens verärgert. „Dass wir kein Geld bekommen und die Leute weiterhin dort wohnen, das kann doch keiner verstehen“, empört sich die Besitzerin. Kurz nachdem ihr Elternhaus leer stand, hatte sie es schon dem Ortsbürgermeister angeboten. „Das Interesse war sofort da, allerdings hatte die Gemeinde damals kein Geld zum Kauf“, schildert sie.
Planungskosten über 80.000 Euro
Diese Situation hat sich inzwischen geändert: Dorfplaner Dockendorf ist mit im Boot, für die Dorferneuerungsgemeinde fließen Zuschüsse. Bürgermeister Koch strebt für das Gesamtprojekt auch die Anlage eines neuen Zugangs für die Gärten in der Fuchsgasse an. Die Gärten seien bisher nur von vorne über die Haustür möglich.
Schon jetzt sind Koch zufolge rund 80.000 bis 90.000 Euro in Planungen geflossen. Wie viel die Neugestaltung der Dorfmitte insgesamt kostet, sei noch unklar. Durch die drei Windräder – das vierte kommt demnächst – könne die Gemeinde in 25 Jahren auf mehr als zwei Millionen Euro zurückgreifen.

