Theisbergstegen / Rutsweiler / Lauter RHEINPFALZ Plus Artikel Die Störche kommen zurück: „Irgendwann sind’s auch genug“

Die Störche sind wieder da – in Theisbergstegen: In diesem Jahr kamen die Zugvögel bereits Mitte Januar aus dem Westen zurück.
Die Störche sind wieder da – in Theisbergstegen: In diesem Jahr kamen die Zugvögel bereits Mitte Januar aus dem Westen zurück.

Störche im Winter? Keine Seltenheit, sagt Hans Drumm: Bei dem „Storchenvater“ in Theisbergstegen sind die ersten Zugvögel zurückgekehrt. Warum er das nicht nur positiv sieht.

Was früher eine kleine Sensation im Pfälzer Bergland war, ist für Hans Drumm inzwischen Alltag geworden: Störche in der Westpfalz. Mindestens zwölf Weißstörche sind es, die laut dem Vorsitzenden der Storchenfreunde Glantal bereits seit Mitte Januar aus ihren Winterquartieren nach Theisbergstegen zurückgekehrt sind. Eine ungewöhnlich frühe Rückkehr, merkt Drumm an: Im vergangenen Jahr etwa seien die ersten Tiere erst im Februar wieder im Glantal zu sehen gewesen.

Der „Storchenvater“ aus Theisbergstegen erklärt sich das veränderte Verhalten mit dem Klimawandel: Milde Winter in Europa sorgten dafür, dass sich Zugstörche früher auf den Weg machen. „Das ist allerdings nicht unproblematisch“, merkt Drumm an. Sollte es doch zu längeren Frostperioden kommen, werde die Suche nach Nahrung – die für die großen Zugvögel laut Drumm übrigens weniger aus Fröschen, sondern mehr aus Mäusen und anderen Kleinsäugern besteht – deutlich erschwert.

Rund 60 Störche erwartet

Der Vorsitzende der Storchenfreunde rechnet für das laufende Jahr mit rund 60 Stöchen, die im Bereich von Theisbergstegen ihre Nester aufsuchen werden. Noch vor mehr als 20 Jahren habe es im Glantal „so gut wie keine Störche gegeben“, betont Drumm. Erst durch die Arbeit des 2005 gegründeten Vereins, der sich zeitweise um die Aufzucht der Tiere kümmerte, sei die Population kontinuierlich gewachsen.

„Irgendwann sind’s auch genug“, meint Drumm mit Blick auf das Nahrungsangebot vor Ort: Je mehr Störche in einem Bereich nisten und um Nahrung konkurrieren, desto geringer sei seiner Erfahrung nach der Bruterfolg. In der Regel lege ein Weibchen zwei bis fünf Eier, sagt Drumm: „Drei erfolgreich aufgezogene Jungstörche sind schon ein gutes Ergebnis.“

Verein kümmert sich um verletzte Tiere

Die Vereinsarbeit der Storchenfreunde beschränke sich daher inzwischen vor allem auf die Pflege von verletzten und kranken Störchen. Laut Drumm befinden sich in der Auffangstation des Vereins derzeit acht Störche – von denen allerdings nur einer gute Chancen habe, nach dem Aufpäppeln wieder fliegen zu können. Die restlichen Tiere seien zu schwer verletzt worden, sagt Drumm. Einem der Vögel fehle etwa ein Fuß, ein anderer vermisse einen Flügel. Mögliche Ursachen für die Verletzungen seien in der Regel Zusammenstöße mit Gebäuden oder Revierkämpfe mit Artgenossen.

Der Verein werde aktuell von 176 zahlenden Mitgliedern aus mehr als 40 Orten unterstützt – darunter auch welche aus Bad Kreuznach und Frankreich, wie Drumm anmerkt: „Wir haben viele Unterstützer, die schon jahrelang dabei sind.“ Trotz der routinierten Vereinsarbeit sei seine Begeisterung für die großen Stelzvögel ungebrochen.

Nabu hofft auf Rückkehr im Lautertal

Während sich ein Großteil der Bevölkerung im Glantal über die Rückkehr von Meister Adebar freut, müssen sich die Storch-Fans im Lautertal noch etwas gedulden. „Uns hat die Rückkehr der Störche in den Landkreis natürlich auch sehr erfreut, aber bei uns hat sich bislang noch keiner blicken lassen“, sagt Martin Pfeiffer von der Nabu-Ortsgruppe Kusel-Altenglan.

Gemeint ist die Brutplattform für Weißstörche, die der Verein Ende Januar mit einem vor Ort ansässigen Unterstützer aufgestellt hatte: Am südlichen Ortsrand von Rutsweiler an der Lauter soll sie als Nistmöglichkeit dienen – als Alternative zu Strommasten. In den Vorjahren zuvor hatten die Pfalzwerke mehrere Nester auf Hochspannungsmasten entfernt – um der Gefahr reißender Leiterseile vorzubeugen, wie das Unternehmen begründete.

Dass sich die Storchenbestände im Landkreis so stabilisiert hätten, sei vor allem dem langjährigen Engagement der Storchenfreunde Glantal zu verdanken, sagt Pfeiffer: „Ohne diese Arbeit wären wir heute nicht da, wo wir stehen.“ Nun hofft er, dass die Zugvögel auch im Lautertal bald heimisch werden.

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