Kommentar
Die andere Seite
Vielleicht könne ihre Geschichte zu mehr Verständnis beitragen, hat Judith Fernsel gesagt, als sie sich bei der RHEINPFALZ gemeldet hat. Denn natürlich ist sie sich bewusst, wie explosiv das Thema ist, nicht zuletzt zu einer Zeit, in der so häufig von gefälschten Impfpässen oder Testzertifikaten die Rede ist.
Um (erschlichene) Atteste zur Maskenbefreiung ging es zu Anfang der Corona-Pandemie häufig. Auch wenn es zu diesem Thema in den Medien still geworden ist, ist es in den Köpfen geblieben. „Kann der denn seine Maske nicht ordentlich aufziehen?“, dieser Gedanke ist auch mir schon häufig durch den Kopf gegangen. Nun sehe ich das etwas anders: Vielleicht kann er das nicht. Nicht jeder, der keine Maske trägt oder sein Exemplar schief im Gesicht hängen hat, ist schließlich Coronaleugner oder Querdenker.
Es zeigt sich wieder: Obwohl es mit Corona, mit Abstand und – wenn möglich – mit Masken etwas erschwert ist, den unbeschwerten Kontakt zu suchen, ist das Einzige, was eine Gesellschaft zusammenhalten kann, statt sie zu spalten: miteinander zu reden. So lernt man andere Sichtweisen kennen, was ja längst nicht heißen muss, dass man sie dann uneingeschränkt teilt.
