Kreis Kusel
Der Kreis und das Eis: Von Abiturienten, Bussen und dem Wetter der kommenden Tage
Die Straßenmeistereien in Kusel – diese ist auch für Landstuhl zuständig – und Wolfstein haben von Dienstag auf Mittwoch eine Nachtschicht eingelegt. Nach Angaben von Leiter Erik Geuer sind die Mitarbeiter mit ihren Winterdienstfahrzeugen seit 2 Uhr im Einsatz gewesen, um „präventiv zu streuen. Das hat auch gut funktioniert“. Das bestätigen auch die Polizeiinspektionen Kusel und Lauterecken, deren Fazit entsprechend positiv ausfällt: Trotz der schwierigen Straßenverhältnisse kam es im ganzen Kreis zu keinem einzigen glatteisbedingten Verkehrsunfall. „Die Leute haben sich an die Warnung gehalten und sind zu Hause geblieben“, bilanziert ein Beamter im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Auch die Feuerwehr im Kreis freut sich über einen ruhigen Arbeitstag. Wie der stellvertretende Kreisfeuerwehrinspekteur, Stefan Reichhart, berichtete, musste keine der Wehren in den drei Verbandsgemeinden zu einem Einsatz ausrücken.
Blitzeis auf Straßen, Busse fahren nicht mehr
Keine Blech- und keine bekannten Personenschäden. Der Kreis ist in Sachen Glatteis folglich glimpflich davongekommen. Einschränkungen gab es trotzdem. Vor allem im Verkehr. Nachdem der Schnee in Regen übergegangen war, wurden viele Straßen in der Westpfalz spiegelglatt. Zum Beispiel auf dem Parkplatz nahe der Aral-Tankstelle in Konken bildete sich Blitzeis, sodass an eine Weiterfahrt nicht zu denken war.
Am Rammelsbacher Bahnhof warnte die digitale Fahrgastinformation vor dem offensichtlichen: „Wintereinbruch“, war darauf zu lesen. Im Landkreis – von Kusel nach Landstuhl und in der Gegenrichtung – fielen am Vormittag mehrere Züge aus. Das hatte allerdings nichts mit dem Wetter zu tun, Ursache war eine technische Störung an einem Zug, berichtete die Deutsche Bahn auf dem Kurznachrichtendienst X (ehemals Twitter).
Abitur findet wie geplant statt
Wie die Kreisverwaltung Kusel auf Anfrage der RHEINPFALZ mitteilte, hat die DB Regiobus wegen des Eisregens den gesamten Busverkehr im Landkreis Kusel aus Sicherheitsgründen am Morgen eingestellt. Die Schulen und Kitas seien darüber informiert worden, so Kreissprecherin Karla Hagner weiter. Dies hatte bis zum Abend Bestand. Hagner ergänzte, dass am Vormittag auch der Ruftaxi-Verkehr eingestellt wurde. Wie es sich mit dem Busverkehr am Donnerstag verhält, ist noch unklar, da die Gewerkschaft Verdi Streiks der DB-eigenen Busse angekündigt hat.
Trotz Schnee, Regen und Eis hielt das rheinland-pfälzische Bildungsministerium daran fest, die schriftlichen Abiturprüfungen an den Gymnasien und der Integrierten Gesamtschule Schönenberg-Kübelberg/Waldmohr stattfinden zu lassen. Der Wetterlage zum Trotz nahmen am Veldenz-Gymnasium Lauterecken sämtliche Abiturienten an der schriftlichen Prüfung teil, wie Schulsekretär Manuel Bernhard auf Anfrage der RHEINPFALZ mitteilte. Von den übrigen 300 Schülern seien jedoch lediglich 20 zur Schule gekommen – nicht genug für einen regulären Unterricht. Die Schulleitung habe deshalb beschlossen, die Schüler wieder nach Hause zu schicken. Die Verantwortlichen der IGS im Süden des Landkreises hatten bereits am Dienstag entschieden, den Unterricht ausfallen zu lassen – ähnlich handhabten es mehrere Grundschulen im Oberen Glantal, etwa in Schönenberg-Kübelberg, Breitenbach und Brücken. Von der Entscheidung ausgenommen waren die Abiturienten, die ebenfalls alle zur Prüfung erschienen waren, teilte die Schule mit. Etwa ein Viertel der rund 800 Schüler haben am Mittwoch den Weg ins Kuseler Siebenpfeiffer-Gymnasium gescheut. Um die Kinder zu betreuen, wurden Klassenstufen zusammengelegt. Auch am Siebenpfeiffer-Gymnasium seien die Abiturienten alle anwesend gewesen.
Müll soll noch diese Woche abgeholt werden
Die Kreisverwaltung wies bereits am Dienstag auf Ihrer Internetseite hin, dass es am Mittwoch wegen der Glätte zu einer eingeschränkten Erreichbarkeit der Mitarbeiter kommen könne. Bürger wurden gebeten, Termine in der Verwaltung nach Möglichkeit zu verschieben. Eingestellt wurde wegen der extremen Wetterlage auch die Müllabfuhr. Wie die Kreisverwaltung mitteilte, soll die Abfuhr nach Möglichkeit im Laufe der Woche erfolgen. Abfallbehälter beziehungsweise Wertstoffsäcke und Sperrmüll sollen vorerst zur Abholung stehengelassen werden. „Wenn die Straßenverhältnisse es zulassen, wird die Entsorgung im Laufe der Woche bis zum Samstag nachgeholt“, informierte die Verwaltung. „Bei unveränderten Straßenverhältnissen ist dies nicht immer möglich. Die Abholung findet dann erst am nächsten regulären Abfuhrtermin statt.“ In diesem Fall könne ausnahmsweise Müll, der bis dahin angefallen ist und nicht mehr in die Tonnen passt, kostenlos beigestellt werden. In jedem Fall erfolge jedoch die Abfuhr des Sperrmülls. „Hier ist jedoch mit zeitlichen Verzögerungen zu rechnen“, so die Verwaltung.
Werkstätten angefahren, Kita fast leer
Der Wetterlage zum trotz fuhren am Mittwochmorgen von der Wohnstätte der Kuseler Lebenshilfe die Kleinbusse in Richtung Werkstatt. Jene Busse, die zwei Tagesförderstätten ansteuern, seien jedoch nicht gefahren, informierte Lebenshilfe-Geschäftsführer Timo Schneider auf RHEINPFALZ-Anfrage. Zwölf Bewohner, die normalerweise eine Tagesförderstätte besuchen, seien deshalb in der Wohnstätte geblieben.
Anders sah die Lage in der Integrativen Kindertagesstätte der Lebenshilfe aus: Lediglich zehn von 75 Kindern fanden am Mittwochmorgen den Weg in die Einrichtung. Zum einen seien die Busse zur Kita nicht gefahren, die anders als bei den Werkstätten direkt von der Lebenshilfe organisiert werde, erläuterte der Geschäftsführer. Zum anderen hätten einige Eltern auch entschieden, ihr Kind wegen der Witterung nicht in die Einrichtung zu bringen.
Erst Schnee, dann sonnig und kalt
Im Laufe des Tages waren auf der Straße Einwohner zu sehen, die versuchten, das Eis von Gehwegen zu entfernen, um das Laufen etwas sicherer zu machen. Auch der Leiter der Straßenmeistereien Erik Geuer empfahl, frühzeitig zu streuen, „damit sich kein Eis und Schnee festsetzen kann“. Obgleich die Temperaturen zum Nachmittag etwas stiegen, konnte von Tauwetter keine Rede sein. Die amtlichen Unwetterwarnungen für den Kreis wurden zwischenzeitlich zwar aufgehoben, jedoch nur für kurze Zeit. Bis Donnerstagmorgen wurden sowohl über die Warnapps Katwarn und Nina für große Teile des Kreises Mitteilungen verschickt, in denen vor Glatteis gewarnt wurde. Diese sind zunächst bis Donnerstagmorgen gültig.
RHEINPFALZ-Wetterfachmann Michael Agne zufolge wird es am Donnerstag zunächst noch einmal heftig schneien, und es müsse weiterhin mit erheblicher Glätte gerechnet werden. Gegen Nachmittag beruhigt sich die Lage und die Sonne zeigt sich hin und wieder. Allerdings bleibt es winterlich – und vor allem kalt.