Kusel
Demenz-Selbsthilfegruppe Kusel hilft beim Verstehen in der Anders-Welt
Es hilft sehr, darüber zu sprechen. Diese Erfahrung machen Teilnehmer der Selbsthilfegruppe für Angehörige von Menschen mit Demenz in Kusel. Seit fünf Jahren wird sie von Ruth Weber geleitet. Die 68-Jährige wünscht sich, mehr Leute für ihre Gruppe zu gewinnen.
Die Sorge um den Betroffenen füllt bei vielen Verwandten von Demenzkranken nicht selten den ganzen Tag aus. Unterstützung können sie in der Selbsthilfegruppe finden, die sich monatlich im Mehrgenerationenhaus Kusel trifft. Bis vor einigen Jahren gab es noch mehrere solcher Gruppen, mittlerweile sei ihre die einzige im Landkreis Kusel, berichtet Weber.
Einst in Brücken bei der Sozialstation
Hervorgegangen ist sie aus einer Selbsthilfegruppe, die bis vor einigen Jahren noch an die Ökumenische Sozialstation Brücken angegliedert war und die sie zusammen mit Karola Becker geleitet hatte. Weber, die aus der Hauswirtschaft kommt, hatte 30 Jahre bei der Sozialstation gearbeitet. „Es war eine tolle Gruppe in Brücken“, erinnert sie sich, doch in der Corona-Zeit waren die Treffen dort nicht mehr möglich. 2021 fand sie schließlich Asyl im Kuseler Mehrgenerationenhaus.
Im Fokus der Treffen steht der Austausch über das Krankheitsbild Demenz, dessen Auswirkungen im Alltag, die Bedürfnisse von Angehörigen sowie Entlastungsmöglichkeiten. Regelmäßig stünden auch Berater aus unterschiedlichen Fachbereichen für Fragen bereit. So waren neben Ärzten auch schon Vertreter von Hospiz, Pflegestützpunkt und Betreuungsverein als Referenten zu Gast.
Gruppe ist oft die erste Anlaufstelle
Die Teilnahme sei wechselnd, berichtet Weber. Die Gruppe sei klein, etwa sechs Personen gehörten ihr an. „Manchmal kommen auch nur zwei Leute“, daher wären mehr Teilnehmer wünschenswert. Schließlich gilt Demenz als wichtiges Thema in einer Gesellschaft, die immer älter wird. Denn mit zunehmender Lebenserwartung steigt das Risiko, an einer Demenz zu erkranken. Eine Selbsthilfegruppe sei für pflegende Verwandte von Demenzpatienten oft die erste Anlaufstelle.
Über das Internet erhalten sie zwar auch Hilfsangebote, „aber der persönliche Austausch ist mehr wert“, lautet die Erfahrung einer Teilnehmerin. „Mir hat das sehr geholfen, es macht einfach sehr viel aus, wenn man darüber sprechen kann und von Gleichgesinnten verstanden wird“, sagt die Frau, die jahrelang ihre Mutter betreut hat. „Wenn ich hier rausgegangen bin, ging es mir gut. Dann war der Akku wieder aufgeladen“, berichtet sie weiter.
Mitglied in der Alzheimergesellschaft
Wie geht man mit besonderen Verhaltensweisen von Demenzkranken um? Wie kann ich lernen, mich nicht persönlich angegriffen zu fühlen? Wo bekomme ich weitere Hilfen? Und wie organisiere ich Auszeiten, um selbst neue Kraft zu schöpfen? Dies sind Fragen, die immer wieder bei Angehörigen auftauchen, weiß Weber. „Demenz ist eine Anders-Welt“, stellt sie fest. Die Gruppe wolle dabei helfen, dass Angehörige darin klarkommen. Aufgrund langjähriger Erfahrung von Mitgliedern gebe es wertvolle Tipps. Die Gruppe sei im Netzwerk für Alter und in der Alzheimergesellschaft Rheinland-Pfalz.
Info
Die Treffen finden jeden dritten Dienstag im Monat von 14 bis 16 Uhr im zweiten Stock des Mehrgenerationenhauses Kusel, Fritz-Wunderlich-Straße 51a, statt. Das nächste Treffen ist am 16. Juni. Wer neu hinzukommen möchte, kann sich unter Telefon 0175 7152611 oder per E-Mail an r.weber-kusel@t-online.de bei Ruth Weber melden.