Kreis Kusel
Bundestagswahl: Nach AfD-Triumph und SPD-Debakel ragen noch sanfte rote Hügel auf
Zwei Fakten, die nicht wegzudiskutieren sind: 1994 hat sich die SPD im Landkreis Kusel über eine absolute Mehrheit freuen können. Die hat angesichts eines Stimmenanteils von 55,6 Prozent nicht mal gewackelt. Gut 30 Jahre später ist der einst tiefrote Kreis Kusel der einzige Landkreis in Rheinland-Pfalz, in dem die AfD die stärkste Kraft ist. Bei der Bundestagswahl sind die Sozialdemokraten bei den Zweitstimmen auf 22,7 Prozent abgeschmiert. Das reicht nurmehr für Platz drei. Die CDU hat mit einem Zweitstimmen-Anteil von 25 Prozent die SPD ebenfalls distanziert. Und doch zeigt sich bei näherem Hinsehen: Der Kreis Kusel ist für die SPD noch immer so eine Art Hochburg. Oder besser: Es ragen in diesem Zipfel der Westpfalz noch einige sanfte rote Hügel empor.
Denn augenfällig ist beim Blick auf die Ergebnisse der Bundestagswahl zweierlei: Der Anteil der Genossen liegt im Landkreis bei den Zweitstimmen weit über dem Gesamtergebnis im Bund (16,4) und auch noch merklich überm Landesdurchschnitt (18,6). Die Wähler im Kreis haben zudem mit ihrer Erststimmen-Entscheidung das Ihre dazu beigetragen, dass die SPD ein einziges Direktmandat im Bundesland errungen hat.
SPD: Deutlich mehr Erst- als Zweitstimmen
29 Prozent der Wähler im Kreis Kusel haben links auf dem Wahlzettel ihr Kreuzchen ganz oben hinter dem Namen Matthias Mieves gemacht. Letztlich hat der SPD-Mann den Wiedereinzug in den Bundestag geschafft. Der Miesauer hatte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Sebastian Münzenmaier (AfD) geliefert und seinen härtesten Konkurrenten um zweieinhalb Prozentpunkte distanziert. Dass im Kreis Kusel viele Wähler zwar eine andere Partei favorisiert, allerdings Mieves ihre Erststimme gegeben haben, hat zweifelsohne dazu beigetragen, dass die AfD im Wahlkreis 208 Kaiserslautern nicht ihr erstes Direktmandat in den sogenannten alten Bundesländern errungen hat. In den anderen 14 Wahlkreisen in Rheinland-Pfalz hatte sich jeweils der CDU-Bewerber durchgesetzt.
Besagter Wahlkreis Kaiserslautern ist der einzige von deren fünf in der Pfalz und 15 im Bundesland, in dem die AfD bei den Zweitstimmen den Sieg davongetragen hat. Auch da spielt der Landkreis Kusel eine Rolle, der zusammen mit dem Donnersbergkreis und der Stadt Kaiserslautern sowie dem nördlichen Teil des Kreises Kaiserslautern den Wahlkreis 208 bildet. 25,9 Prozent, also mehr als ein Viertel, hatten wahlkreisweit ihr Kreuz in der rechten Spalte bei der AfD gemacht. 26,9, also ein Prozentpunkt mehr noch, waren es im Landkreis Kusel. Andererseits hat die SPD den Wählern im Kuseler Land zu verdanken, dass sie im einzig nun blau gefärbten Landkreis in Rheinland-Pfalz nicht noch schlimmer unter die Räder kam: 20,5 Prozent hatten wahlkreisweit SPD gewählt – also im Schnitt noch 2,2 Prozentpunkte weniger als im Kreis Kusel.
Wahlsieger CDU im Kreis nur auf Position zwei
Landesweit ist die CDU klarer Wahlsieger. 30,6 Prozent (plus 5,9 gegenüber 2021) der Zweitstimmen haben die Christdemokraten an die Spitze in Rheinland-Pfalz katapultiert. Damit hat die CDU einen deutlichen Vorsprung (10,5 Prozentpunkte) vor der AfD. Im Kreis lag der Zuwachs für die CDU bei 5,5 Prozentpunkten – etwas weniger als im Land, aber mehr als im Bund (4,4). Für die Spitzenposition aber reicht es nicht: Mit 25 Prozent der Zweitstimmen ausgestattet, müssen die Christdemokraten mit Rang zwei vorlieb nehmen. 0,9 Prozentpunkte beträgt der Rückstand auf Kreis-Wahlsieger AfD. CDU-Direktkandidat Frank Burgdörfer wurde nur Dritter.
Der Verlust der SPD ist im Kreis zweistellig ausgefallen. 10,8 Prozent Stimmanteile hat die Partei bei den Zweitstimmen verloren, 10,9 hat die AfD gewonnen. Im Wahlkreis Kaiserslautern haben sogar 12 Prozent den Sozialdemokraten den Rücken gekehrt, während die AfD um 13,5 zugelegt und ihr Ergebnis damit mehr als verdoppelt hat.
Rote Flecken gehäuft im Kreis Kusel zu finden
Eine Landkarte der Pfalz, bei der die Wahlbezirke in den Farben der dominierenden Partei unterlegt sind, haben die Farbanteile gewechselt. Vor drei Jahren war sie pfalzweit (wie auch landesweit) noch fast überall rot. Nun dominieren Schwarz (vor allem in der östlichen Hälfte) und Blau (überwiegend im Westen). Es findet sich sogar ein einziges grünes Fitzelchen: In Steinborn im Donnersbergkreis haben die Grünen triumphiert. Und: Es gibt auch noch so einige rote Flecken. Die treten nun tatsächlich gehäuft im Kreis Kusel auf.
Auch wenn Hochburg übertrieben klingen mag: Sanfte rote Hügel sind zumindest zu erkennen: Nirgendwo in der Pfalz hat die SPD derart gute Ergebnisse erzielt wie in einigen Wahlbezirken im Kreis Kusel. So haben die Wähler in Hinzweiler den Genossen das beste Ergebnis pfalzweit beschert. 37,5 Prozent sind für die SPD anno 2025 ein Traumergebnis. Übrigens kommt in Hinzweiler die AfD trotzdem fast auf ihren Schnitt: 25 Prozent haben sich für sie entschieden. Die CDU kaum auf 16,5.
AfD in den vier Städten im Kreis stark
Die Ergebnisse der Ortsgemeinden sind mit Vorsicht zu interpretieren. Denn: Aufgeschlüsselt sind da nur die Stimmen der Urnenwähler. Die Briefwähler wurden verbandsgemeindeweit erfasst und sind somit nicht den einzelnen Wahlbezirken zuzuordnen. Trotzdem seien Aussagen erlaubt. Wie die, dass die SPD vor allem in der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein (23,4 Prozent der Zweitstimmen) noch hier und dort stärkste Kraft ist: Nicht nur in Hinzweiler, auch in Jettenbach, Relsberg, Oberweiler-Tiefenbach und Kirrweiler sowie in Medard, wo die SPD mit der AfD bei den Urnenwählern gleichauf liegt. Am stärksten insgesamt ist die SPD (23,4) in der VG Kusel-Altenglan, sie dominiert allerdings nur in Dennweiler-Frohnbach und Etschberg. In der VG Oberes Glantal (21,2) sind die Genossen in Quirnbach, Krottelbach und Rehweiler sowie Matzenbach (gleichauf mit der AfD) stärkste Kraft.
Die AfD hingegen hat in Cronenberg pfalzweit ihr bestes Ergebnis erzielt und dort bei der Urnenwahl die absolute Mehrheit (51,5 Prozent der Zweitstimmen) erlangt. Hoch, klar überm Durchschnitt, sind die AfD-Resultate in den Städten im Kreis – in Kusel (34,2), Waldmohr (39,4), vor allem in Lauterecken (40,7), weniger gravierend in Wolfstein (30,9). Deutliche Verluste hat kreisweit die FDP (3,5, minus 5,3) verkraften müssen, auch die Freien Wähler (3,0, minus 2,4) und (deutlich leichter) die Grünen (5,8, minus 1,6) haben eingebüßt. Die Linke (4,9, plus 1,1) und das Bündnis Sahra Wagenknecht (5,4) liegen unter beziehungsweise über dem Bundesdurchschnitt.