Kusel
AOK gibt Geschäftsstelle in Kusel auf: Investor plant nun Wohnungen
Kaum ein anderes Thema beschäftigt die Kuseler Stadtpolitik derzeit so sehr wie die Schaffung von neuem Wohnraum. Nachdem sich der Stadtrat im Dezember nach einer Investorenanfrage gegen einen kontrovers diskutierten zweiten Wohnblock neben dem früheren VdK-Heim entschieden hatte, stand in der vergangenen Sitzung ein weiteres Wohnbauprojekt zur Debatte. Im Fokus steht die AOK-Geschäftsstelle am unteren Teil der Straße Vogelsang, nahe der Fritz-Wunderlich-Straße. Da der Krankenversicherer den Standort aufgeben möchte, plant das Architekturbüro pw-1 Projektwerkstatt aus Landstuhl 16 Eigentumswohnungen in dem Gebäude.
Dachgeschoss mit Maisonettewohnungen
Nötig ist dafür allerdings ein Umbau: Wie Architekt Stefan Becker gegenüber der RHEINPFALZ erläutert, sei geplant, das Bestandsgebäude bis auf seine Rohbauhülle zurückzubauen. Der Ende der 1950er Jahre entstandene Anbau im östlichen Teil werde um ein Stockwerk erweitert. Laut Becker sollen die Betondecken erhalten bleiben – das Dachgeschoss werde allerdings durch ein neues in Holzbauweise ersetzt. Dieses soll laut dem Architekten Platz für sechs 68 bis 84 Quadratmeter große Maisonettewohnungen bieten.
Insgesamt umfasse der Wohnungsmix Flächen von 58 bis 110 Quadratmetern. Drei Wohneinheiten sind für das Erdgeschoss vorgesehen sowie vier beziehungsweise drei Einheiten im ersten und zweiten Obergeschoss. Damit für die Bewohner der Zugang erleichtert wird, ist Becker zufolge der Einbau eines Aufzugs vorgesehen. Eine der Wohnungen werde barrierefrei gebaut, eine weitere solle die Anforderungen für Rollstuhlfahrer erfüllen – beispielsweise mit breiteren Türen und ausreichend Platz zum Wenden.
Ebenso soll sich im Außenbereich einiges ändern: Wie der Architekt ausführt, seien in Ergänzung zu den vier Bestandsgaragen 15 neue Carport-Stellplätze geplant. Hinzu kämen sieben gewöhnliche Stellplätze sowie ein Müll- und Abstellraum. Die bestehenden acht Stellplätze auf dem Gelände sollen laut dem Architekten frei verkauft werden.
Stadtrat zeigt sich angetan
Im Stadtrat stieß das Konzept auf positive Resonanz. Stadtbürgermeister Martin Heß (CDU) sprach etwa von einer „sinnvollen Angelegenheit“, da guter und bezahlbarer Wohnraum in der Kreisstadt ein rares Gut sei. „So findet das Bürogebäude noch einen zweiten Lebenszyklus“, meint Heß. Der Rat erteilte einstimmig das gemeindliche Einvernehmen für das Bauprojekt.
Vorab fragte Reinhard Reiser (CDU) den Architekten Becker, der auch in der Sitzung die Pläne vorstellte, wann mit dem Baubeginn zu rechnen sei. „Das hängt damit zusammen, wann die AOK das Gebäude verlässt“, antwortete der Architekt. Angedacht sei nach aktuellem Stand ein Baubeginn im Frühjahr 2027. Auch betonte Becker auf Nachfrage von Andrea Kusch (SPD): In puncto Durchgangsverkehr ändere sich mit dem Umbau nichts für Radfahrer und Fußgänger. Diese könnten weiterhin die Parkplatzfläche als Zuwegung zum Fritz-Wunderlich-Rad-und-Wanderweg nutzen.
Und die AOK-Geschäftsstelle?
Der Standort Kusel werde weiterentwickelt, antwortet Rahel Weber, Referentin für Politik und Selbstverwaltung bei der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, auf Anfrage der RHEINPFALZ. Demnach ziehe der Versicherer sich nicht aus der Kreisstadt zurück, sondern wolle eine neue Geschäftsstelle beziehen. Ziel sei, ein modernes und barrierefreies Kundencenter zu realisieren, das sowohl für Besucher als auch für die Mitarbeiter „zeitgemäße Rahmenbedingungen“ biete. Weber betont: „Die Mitarbeitenden des Kundencenters bleiben weiterhin in Kusel tätig.“
Wo sich die neue Zweigstelle allerdings genau befinden wird, will der Versicherer vorerst nicht mitteilen – erst dann, wenn der neue Mietvertrag abgeschlossen sei.