Kusel
Neuer Wohnraum neben dem VdK-Heim? Entscheidung zur Investorenanfrage ist gefallen
Im November hatte das Immobilienunternehmen Acta im Stadtrat die Pläne für einen Neubau neben dem ehemaligen VdK-Heim am Etschberger Weg vorgestellt: Vorgesehen ist neben dem Gebäude eine weitere mehrgeschossige Wohnanlage, die Platz für rund 50 Ein- und Zweizimmerwohnungen bieten soll. Geplant sind nach Angaben des Investors nur Eigentumswohnungen. Bei den Ratsmitgliedern waren die Reaktionen bei der Vorstellung gemischt gewesen: Zum einen wurde die Notwendigkeit für neuen Wohnraum in Kusel betont, zum anderen meldeten mehrere Mitglieder Zweifel daran an, ob es einen zweiten Wohnblock in der Kuseler Winterhelle brauche.
„Was ist die Alternative?“
Auch in der Sitzung am Donnerstag, als ein Grundsatzbeschluss für den Neubau zur Debatte stand, kam es zu einem ähnlich gelagerten Austausch. Peter Schmid (SPD) merkte an, dass ihm die kontroverse Diskussion um den Standort bewusst sei, fragte allerdings auch: „Was ist die Alternative?“ Demnach halte er es für unwahrscheinlich, dass in den nächsten Jahren ein Investor mit einem ähnlichen Wohnprojekt auf die Stadt zukomme – zumal es im Stadtgebiet kaum verfügbare Bauflächen gebe. Gleichzeitig sehe er einen hohen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum.
Ähnlich argumentierte Reinhard Reiser (CDU). Er betonte, dass die Stadt auch Sozialhilfeempfängern gegenüber Verantwortung trage, für verfügbaren Wohnraum zu sorgen: „Wir können unsere Augen nicht vor der Realität verschließen.“ Auch er sehe wie Schmid keinen anderen Investor in absehbarer Zeit, der ein vergleichbares Projekt realisieren möchte.
Stadtbürgermeister lehnt Projekt ab
Julian Hellriegel (CDU) hielt dem entgegen, dass im Stadtgebiet mehrere Wohnbauprojekte in der Umsetzung seien: Unter anderem an der alten Gerberei zwischen Kuselbach und Bundesstraße entstehen derzeit zehn Wohneinheiten, die zur Miete angeboten werden sollen. Ein weiteres Beispiel sei das AOK-Gebäude am Vogelsang. „Ich weiß nicht, ob wir deshalb einen solchen Block am Stadtrand brauchen“, sagte Hellriegel. Auch Volker Arning (FWG) zeigte sich besorgt: „Ich habe die Befürchtung, dass die Winterhelle kein Ort der Ruhe mehr ist, wenn wir dem Projekt zustimmen.“
Hintergrund: Der Investor hinter dem Neubau-Projekt ist Eigentümer des früheren VdK-Heims, das heute 50 Wohneinheiten umfasst. Laut Stadtbürgermeister Martin Heß (CDU) hatte es dort in der Vergangenheit wiederholt Probleme gegeben, unter anderem wegen Lärm und Müll. Die Vorstellung des Projekts habe ihn „in keiner Weise“ überzeugt, sagte Heß. Auch ein Ortstermin am Etschberger Weg, bei dem sich die Ratsmitglieder selbst ein Bild von den Zuständen am früheren VdK-Heim machen konnten, habe an seiner Meinung nichts geändert.
Dass der Investor nicht persönlich die Pläne vor dem Stadtrat vorgestellt hatte, sorgte ebenfalls für Unmut. „Mit der Art und Weise, wie er sich bisher uns gegenüber präsentiert hat und er vorgeht, sehe ich die Sache äußerst kritisch“, sagte Jochen Koch (CDU). Er befürchtete, dass der Investor nicht daran interessiert sei, die Wohnungen langfristig zu halten, sondern eher, sie an andere Kapitalanleger zu veräußern.
Mehrheit stellt sich gegen Pläne
Am Ende überwogen die Zweifel: Bei vier Enthaltungen und 17 Nein-Stimmen erteilten die Ratsmitglieder den Neubau-Plänen eine eindeutige Absage. Unter anderem stimmte Stadtbürgermeister Heß gegen die Pläne und begründete seine Entscheidung auch damit, dass aus städtebaulicher Perspektive das geplante Gebäude nicht ins Umfeld passe. Für eine Bebauung in dem Gebiet signalisierten die Ratsmitglieder Offenheit, wenn es darum geht, mehr Wohnraum zu schaffen – allerdings nicht in der Form.
Zur Sache
Das ehemalige VdK-Heim wurde 1973 eröffnet und diente bis 2000 in erster Linie für die Mitglieder des Sozialverbands als Erholungsheim. Anschließend wurde es in Trägerschaft des VdK als Hotel mit knapp 100 Betten betrieben, ehe die Einrichtung 2008 geschlossen wurde. Nach mehreren Eigentümerwechseln und einer Umnutzung zu Wohnzwecken erwarb 2024 Liam Fahandezh-Saadi, einer der Geschäftsführer der Acta-Gruppe, das Gebäude.