Reichweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Anna Kirsch hat seit 1949 noch keine Wahl verpasst – Wunsch an die Politik: Frieden

Anna Kirsch hat seit 1949 jede Wahl mitgemacht – und war auch am Sonntag im Wahllokal in Reichweiler zur Stimmabgabe.
Anna Kirsch hat seit 1949 jede Wahl mitgemacht – und war auch am Sonntag im Wahllokal in Reichweiler zur Stimmabgabe.

Wählen gehen ist für Anna Kirsch Bürgerpflicht. Auch am Tag vor ihrem 101. Geburtstag. Sie hat bereits ihre Kreuzchen gemacht, als 1949 der erste Bundestag gewählt wurde.

Gemeinsam mit Sohn und Schwiegertochter lässt es sich die Seniorin an diesem wahrhaft sonnigen Sonntag nicht nehmen, persönlich im Wahllokal im Dorfgemeinschaftshaus ihre Stimme abzugeben. Hier kennen alle die 100-jährige Anna Kirsch und ein kleines Gespräch ist immer angebracht. „Ich wähle heute zum 20. Mal den Bundestag, denn nicht zur Wahl zu gehen, ist für mich keine Option“, erzählt Kirsch. Auch für ihren Mann sei es immer wichtig gewesen, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen. „Ich erinnere mich noch gut an die Wahl zum Deutschen Bundestag im August 1949, damals war ich 26 Jahre alt. Es war meine erste Wahl“, erinnert Kirsch sich zurück.

Wahlen waren Anna Kirsch immer wichtig

Es waren bewegte Jahre für die Reichweilerin. „1947 hatte ich geheiratet, 1948 kam mein Bruder Oskar aus russischer Gefangenschaft und im März 1949 wurde meine Tochter geboren“, erzählt Kirsch. Die Familie sei wieder vereint gewesen und „es konnte, nein musste weiter gehen. Genauso habe ich die erste Wahl empfunden.“ Konrad Adenauer war der erste Bundeskanzler, den Kirsch mitgewählt habe. Anschließend erlebte sie nach Adenauer Ludwig Erhard, der das Wirtschaftswunder einläutete, die Ära „Willy wählen“ und die Wahlen 1990 nach der Wiedervereinigung, um nur einige zu nennen. „Das waren alle für mich wichtige Wahlen. Wie mein wohl letzter Bundeskanzler heißen wird, werden wir demnächst wissen“, sagt Kirsch kurz vor der Wahl schmunzelnd. „Es könnte dann mein zehnter sein.“

Einer regelrechten Flut von Wahlnachrichten habe auch die 100-Jährige sich nicht entziehen können – und wollen: „So war ich gut informiert. Ich lese noch jeden Tag die RHEINPFALZ und höre Nachrichten, ja sogar vor meinem Fenster hängt ein Wahlplakat“, erzählt die Dorfbewohnerin. „Leider kann ich mich beim Lesen nicht mehr so lange konzentrieren und höre schlechter“, räumt sie ein, „aber am Weltgeschehen muss ich teilnehmen, dafür sorgen auch schon meine sieben Urenkel.“

Am Montag wird der 101. Geburtstag gefeiert

Politik, so Kirsch, habe in ihrem Leben nur eine geringe Rolle gespielt. „Aber ich kann mich nicht erinnern, einmal nicht gewählt zu haben.“ Für sich selbst habe sie nur noch wenige Wünsche an unsere Politiker, ihre Sorge gelte den künftigen Generationen: „Ich wünsche mir eine Regierung, die es möglich macht, dass es unseren Kindern, Enkeln und Urenkeln gut geht und sie in Frieden aufwachsen können.“

Doch wer auch immer der nächste Bundeskanzler wird, dessen Regierung nach den Wahlen die Arbeit aufnimmt und den Anna „Annchen“ Kirsch in ihrem langen Leben noch kennenlernen darf: Am Montag feiert sie erstmal im Kreise ihrer großen Familie ihren 101. Geburtstag.

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