Kusel Wald im Westrich: Kalk gegen Bodenversauerung
«Neunkirchen.» Das Forstamt Kusel arbeitet heutzutage nicht nur mit Hilfsmaschinen am Boden, zurzeit wird es sogar aus der Luft unterstützt. Um den Boden vor Versauerung zu schützen, ist ein Hubschrauber im Einsatz, der vom Potzberg bis hinunter nach Altenglan Kalk abwirft. Insgesamt werden etwa 450 Hektar Wald mit Kalk bestreut. Pro Hektar werden drei Tonnen gemahlenes Siebmaterial des kohlensauren Magnesiumkalkes ausgebracht – weitgehend bis auf die Parzelle genau.
Die letzte Maßnahme dieser Art wurde vor etwa 25 Jahren von den damaligen Forstämtern Lauterecken und Kusel durchgeführt. Der Grund dafür war schon damals eine anhaltende Bodenversauerung mit unterschiedlichen negativen Auswirkungen auf den Wald. Der größte Teil der jetzigen Kalkung fällt beim Forstrevier Altenglan an, weitere Waldstücke werden in den Revieren Glan-Münchweiler und Kusel gekalkt.
Gesunder Boden für intaktes Waldökosystem
Einer der Hauptgründe dafür, erklärt Frank Hesch, Revierleiter des Forstreviers Altenglan, sei die Freisetzung von Schwermetallionen in zu saurem Boden. „Diese gehen ins Trinkwasser und würden es ungenießbar machen“, erläutert er. Außerdem komme es zu einer Veränderung des physikalischen Bodengefüges und zum Mangel an Nährelementen, was letztlich zur Beeinträchtigung des Waldwachstums führen würde. Den Waldböden kommen elementare Filter- und Pufferfunktionen zu. Nur ein gesunder Waldboden kann Garant für ein intaktes Waldökosystem, gutes Baumwachstum und sauberes Wasser sein. Die Kalkung stellt keine Düngung dar, wie in der Landwirtschaft. Sie trägt dazu bei, dass die Bodenversauerung temporär nicht weiter voranschreitet und weitere saure Schadeinträge kompensiert werden. Deshalb nennt man sie auch eine Kompensations- oder Bodenschutzkalkung. „Der Kalk hat eine Zusammensetzung, dass all dies in einem längeren Zeitraum geschieht. Das heißt, dass es etwa 20 Jahre lang anhält, bis eine nächste Kalkung ansteht“, erklärt Hesch. Der benutzte Kalk kommt von der Schwäbischen Alb und der Mosel.
Pilotprojekt der Bundesregierung
Die ganze Aktion ist übrigens Teil eines Pilotprojekts der Bundesregierung: Für die 116.000 Euro teure Maßnahme kommt der Staat auf, an den Gemeinden bleiben keine Kosten hängen. Auf einem Feld bei Neunkirchen am Potzberg hat die mit der Kalkung beauftragte Spezialfirma aus Heilbronn ihre Tankstelle eingerichtet. Dort stehen der Lkw mit dem Kerosin für den Hubschrauber sowie ein weiterer Kalkbottich, der mit Stahlseilen an den Kufen des Helikopters befestigt werden kann. Eine Tankfüllung – etwa 200 Liter Kerosin – hält bei diesem Akkord-Einsatz etwa eine Stunde, dann muss der Pilot die Tankstelle wieder anfliegen.
Viel Arbeit im Vorfeld
Ganz unkompliziert ist die Arbeit zwischen Neunkirchen und Föckelberg nicht. Die Flugshow im Wildpark muss zum Beispiel beachtet werden, denn so ein Greifvogel mit zwei Metern Spannweite oder mehr kann dem Hubschrauber gefährlich werden – und umgekehrt. Überhaupt ist dieser Einsatz für Frank Hesch und seinen Kollegen Gerald Kuhn vom Forstamt Kusel mit viel Arbeit im Vorfeld verbunden gewesen, schildert Hesch: „Wir mussten Wege absperren lassen, mussten mit Jagdpächtern alles klären.“ Denn während der Kalkausbringung soll sich möglichst niemand im Wald aufhalten. Ist der Hubschrauber betankt, geht es direkt zum Föckelberger Sportplatz. Dort ist eine von mehreren Beladestationen. Und dann ist Akkord angesagt, von 8 Uhr am Morgen bis 18 Uhr am Abend. Auf einen Hektar Wald sollen dann drei Tonnen Kalk rieseln. 150 Tonnen schafft der Hubschrauber am Tag. Bei knapp 1500 Tonnen, die auszubringen sind, war er dann alles in allem zehn Tage im Einsatz. Bei diesen Mengen kommen also sechs Lkw-Ladungen Kalk pro Tag, die benötigt werden. „Regenwetter ginge übrigens noch, Wind stellt hier ein größeres Problem dar“, erläutert Revierleiter Hesch.