Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Serie Widerstand in der Westpfalz (Ende)

Friedrich Schanz aus Konken unterstützte 1934 illegale Kuriere beim Überwindender Grenze zum Saargebiet.Beide Fotos: Roland Scha
Friedrich Schanz aus Konken unterstützte 1934 illegale Kuriere beim Überwindender Grenze zum Saargebiet.Beide Fotos: Roland Schanz

Auch in der Gemeinde Konken hatte die Polizei während des Jahres 1934 Hinweise auf widerständiges Verhalten gefunden, und zwar in der Wirtschaft Friedrich Schanz in der Selchenbacher Straße. Schanz, ein gelernter Schneider, war in den 1920-er Jahren kurze Zeit Mitglied der SPD gewesen und sympathisierte später mit den Kommunisten. In seiner Gastwirtschaft trafen sich die politisch links eingestellten „Saargänger“ aus Konken und Umgebung. Nach einem Bericht der Polizei befand sich in der Gastwirtschaft 1934 eine „Anlaufstelle für kommunistische Kuriere, die von Frankfurt am Main aus Beziehungen zum Saargebiet unterhielten“. Schanz habe solchen Kurieren Aufenthalt gewährt und sie unterwiesen, wie sie gefahrlos über die Saargrenze kommen könnten.

Tatsächlich war 1934 bei Schanz ein Abgesandter des Politischen Leiters der Kommunistischen Partei Frankfurts erschienen. Auf Nennung eines Kennwortes („Erna“) gab der Wirt dem Mann namens Anton Raab Unterkunft und riet ihm, mit einem der Arbeiterbusse unerkannt über die Grenze ins Saargebiet zu fahren. Nachdem dies auch problemlos gelungen war, kam Raab zwei Tage später zurück, ehe er wieder nach Frankfurt fuhr. Kurz darauf kam auch der Politische Leiter der KPD Frankfurt selbst in die Wirtschaft Schanz und begab sich auf demselben Weg ins Saargebiet.

Konzession verloren

Im Jahr 1935 wurde der Frankfurter Kurier Anton Raab jedoch von der Polizei festgenommen. In seiner Vernehmung gab er die illegale Reise ins Saargebiet zu, bei der ihm der Konker Wirt geholfen hatte. Schanz wurde am 6. Dezember 1935 festgenommen und am 24. März 1936 vom Oberlandesgericht Kassel wegen „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ zu vier Jahren und sechs Monaten Zuchthaus verurteilt, die er im Zuchthaus Ludwigsburg abzusitzen hatte.

Nach der Verurteilung verlor Schanz seine Konzession für die Gastwirtschaft, die deshalb von seiner Schwägerin Luise Jung übernommen wurde.

Als das Haftende anstand, berichtete der Generalstaatsanwalt in Kassel, Schanz habe sich gut geführt, und es bestehe der Eindruck, dass er von seinem früheren kommunistischen Gedankengut abgerückt sei. Auch die Gestapo Neustadt schrieb: „Seiner Zusicherung, sich künftig überhaupt nicht mehr zu betätigen, dürfte Glauben geschenkt werden. Man sollte ihm daher Vertrauen schenken und von Schutzhaft Abstand nehmen.“ Ebenso hielt die Gendarmerie-Station Herschweiler-Pettersheim eine Inschutzhaftnahme nicht für erforderlich. Aber der Vorsitzende des Gerichts, das Schanz verurteilt hatte, warnte, Schanz werde die nationalsozialistische Volksgemeinschaft niemals aufrichtig bejahen. Deshalb wurde Schanz nach dem Ende seiner Haftzeit im September 1940 zuerst ins Polizeigefängnis Stuttgart und anschließend ins KZ Dachau eingeliefert.

Gnadengesuch erfolglos

Ein Gnadengesuch seiner Ehefrau im Frühjahr 1941 blieb ebenso erfolglos wie zuvor die Intervention eines Oberstleutnants der Abwehrstelle Wiesbaden, der auf Initiative einer ihm bekannten norwegischen Familie an die Gestapo herangetreten war. Auch der Konker Bürgermeister Jakob Gerlach und der Präsident des Oberlandesgerichts München, Dr. Walther Stepp (geboren in Konken), behaupteten nach dem Krieg, sie hätten sich für Schanz verwendet, aber Nachweise dafür gibt es zumindest in den Gestapo-Akten nicht.

Am 20. April 1943 wurde Schanz schließlich „probeweise“ aus der Schutzhaft entlassen. Drei Monate lang musste er sich regelmäßig bei der Polizei melden, in seiner Gastwirtschaft durfte er sich nicht mehr betätigen. Als Arbeitsverpflichteter war er in der Uniformfabrik Neu in Kusel beschäftigt. Am 6. Januar 1945 fand Schanz bei einem amerikanischen Fliegerangriff auf Kusel an seiner Arbeitsstelle den Tod.

„Vollkommene Ruhe“ bei KPD

Auch nachdem im Bezirk bereits mehrere Widerstandsnester ausgehoben und Aktivisten festgenommen worden waren, gingen bei der Gendarmerie immer noch weitere Hinweise auf verdächtige Aktivitäten ein: „In Kusel, Rammelsbach, Etschberg und im Ostertal bestehen nach Mitteilung eines Vertrauensmannes seit längerer Zeit kommunistische Zellen. Durch gewisse Leute … wie Rübel von Konken und Fauß von Etschberg wurden die Mitgliedsbeiträge kassiert und an die Kuriere Huber und Oswald im Saargebiet abgeführt. Nach Mitteilung des Vertrauensmannes sei jedoch in letzter Zeit … eine Störung eingetreten. Nunmehr soll die Partei durch einen gewissen Artur Clemens aus Kusel neu gebildet bzw. neu aufgezogen werden.“

Einige Zeit später musste die Gendarmerie jedoch berichten: „Der Vertrauensmann teilte mit, dass durch die Festnahmen in Welchweiler bei den KPD-Anhängern vollkommene Ruhe eingetreten sei und diese zur Zeit nichts unternehmen würden.“

Kuhmist auf Tafel geworfen

Nicht viel besser als im Bezirk Kusel war für die illegale KPD die Situation mittlerweile auch in den meisten anderen Teilen der Pfalz. Im Juni 1934 hatten sich sechs Pirmasenser Kommunisten vor dem Obersten Landesgericht in München zu verantworten. Über Ludwigshafen hieß es in einem Bericht der illegalen Bezirksleitung: „Jeder Ansatz wurde bisher von der Gestapo zerschlagen.“ Auch dort war es dem Leiter der Bayerischen Politischen Polizei, Ludwig Hauck, gelungen, einen „Vertrauensmann“ in die Reihen des illegalen Apparats einzuschleusen. Im April 1936 lobte Hauck dessen „wertvolle Arbeit“ und stellte fest: „Es ist dadurch gelungen, das bereits über die ganze Pfalz verbreitete Tätigkeitsfeld der Kommunisten zu zerschlagen und die Täter ihrer Bestrafung zuzuführen.“

Nur noch symbolische Widerstandshandlungen schienen möglich, wie etwa jene in Niederkirchen im Ostertal, das damals noch zum Bezirk Kusel gehörte. Da wurde Ende November 1935 eine große Emaille-Tafel, auf der der Schriftzug „Unser Gruß ist Heil Hitler“ prangte, ganz mit Kuhmist zugeworfen. Diesmal konnten die Täter nicht ermittelt werden.

Die Gastwirtschaft Schanz in Konken im Jahr 1936. Foto: Roland Schanz/frei
Die Gastwirtschaft Schanz in Konken im Jahr 1936.
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