Meinung
Wochenendkolumne: Im Alter in die WG
Auf die Frage, wo sie im Alter einmal wohnen wollen, antworten die meisten: zuhause, so lange wie irgend möglich. Am besten natürlich selbstbestimmt. Ins Heim will kaum jemand freiwillig umziehen. Manchmal geht es aber in den eigenen vier Wänden einfach nicht mehr. Wenn niemand da ist, der einen unterstützen kann beim Kochen, Putzen, Einkaufen, oder wenn einen immer mehr körperliche Beeinträchtigungen daran hindern, die Treppen zur Wohnung zu bewältigen, sich selbst die Strümpfe anzuziehen oder alleine zu duschen, spätestens dann stellt sich die Frage, wie und vor allem, wo es weitergehen kann.
Ein Seniorenheim bietet den Vorteil, dass es eigens dafür konzipiert ist, sich insbesondere auch um pflegebedürftige Menschen zu kümmern. Die Bewohner müssen sich um nichts mehr selbst kümmern. Sie werden mit Essen und, wenn nötig, Medikamenten versorgt, es gibt Unterhaltungs- und Bewegungsangebote, sie werden gebettet und gewaschen.
Individuellere Lösungen gesucht
Die Kehrseite: Es geht recht anonym zu. Sehr viele Menschen müssen dort von recht wenigen Pflegekräften versorgt werden. Damit das für die Heimbetreiber alles zu organisieren ist, gibt es feste Essenszeiten, auf individuelle Vorlieben kann kaum eingegangen werden. Auch ob sich die Bewohner eines Flurs oder die Sitznachbarn am Esstisch gut miteinander verstehen, spielt zwangsläufig eine eher untergeordnete Rolle. Das alles ist nicht als Vorwurf gemeint, es ist schlicht in einem solchen System nicht möglich, es allen immer recht zu machen. Natürlich geben sich die Häuser viel Mühe, ihren Bewohnern eine gute Zeit zu ermöglichen, auch in großen Einrichtungen gibt es Mitmachangebote für die Bewohner und hübsch gestaltete Gemeinschaftsbereiche. Dennoch ist es für die meisten Menschen eben keine sehr schöne Vorstellung, seinen letzten Lebensabschnitt dort zu verbringen.
Alternativen sind also gefragt. Eine mögliche sind Senioren-Wohngemeinschaften. Diese bieten sich allerdings vor allem für ältere Menschen an, die noch weitestgehend selbstständig leben können. Was der eine nicht mehr so gut kann, wird dabei von einem anderen vielleicht aufgefangen und umgekehrt. In der Hauptsache aber geht es darum, nicht zu vereinsamen und vielleicht auch – ähnlich wie bei Studenten – darum, finanziell zusammenzulegen, um trotz schmaler Rente schön wohnen zu können.
Miteinander, füreinander
Eine andere Wohnform sind Mehrgenerationenprojekte. Die Idee: Junge und alte, beeinträchtigte und nicht beeinträchtigte Menschen wohnen zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Die Jüngeren können vielleicht technischen Support bieten, die Älteren auf Kinder von Berufstätigen aufpassen, die einen können sich mehr körperlich, die anderen geistig in die Gemeinschaft einbringen. Eine solche Wohnanlage könnte in Weilerbach entstehen. „Miteinander wohnen und füreinander da sein“ lautet dort das Motto, das verfolgt werden soll. Ein Grundstück, das sich dafür anbieten würde, hat die Ortsgemeinde schon vor einigen Jahren gekauft. Jetzt soll bei einer Informationsveranstaltung und mit einer Umfrage eruiert werden, inwiefern Interesse daran besteht. Denn klar ist: Dafür, dass ein solches Konzept dauerhaft funktioniert, müssen die Bewohner selbst sorgen.
Wohn-Pflege-Gemeinschaft nennt sich hingegen ein noch einmal etwas anders gelagertes Angebot, das gerade in Hütschenhausen darauf wartet, mit Leben gefüllt zu werden. Betreiber ist der Alltagsbegleiter- und Betreuungsdienst ABK von Alexander Kerbel. Sieben Zimmer – sechs Einzel- und ein Doppelzimmer – stehen hier für ältere Menschen zur Verfügung, die nicht mehr alleine leben können oder wollen, aber eben nicht in ein großes Heim ziehen möchten. Familiär soll es dort zugehen, eine große, zum Essbereich offene Küche und ein gemeinsames Wohnzimmer laden dazu ein, Zeit zusammen zu verbringen. Eine Rückzugsmöglichkeit bietet das eigene Zimmer. Die Möbel dafür muss übrigens jeder selbst mitbringen – auch um ein Stück altes Zuhause im neuen Domizil um sich zu haben. Im Haushalt helfen muss niemand, wer dies aber tun will, ist herzlich dazu eingeladen. Die Pflege übernimmt ein ambulanter Pflegedienst, der nach Bedarf ins Haus kommt. Selbstverständlich kann es auch in einer solchen Einrichtung zu Reibereien kommen, aber im Idealfall entwickelt sich eine gute, harmonische Gemeinschaft.
Egal, für was sich der Einzelne am Ende entscheidet, in größtmöglicher Würde seinen Lebensabend verbringen zu können, ist ein Thema, das viele beschäftigt und alle angeht. Da ist es gut, wenn es ein breites Spektrum an verschiedenen Möglichkeiten gibt. Zukünftig wird vielleicht auch noch die Pflege durch Roboter eine immer größere Rolle spielen, wer weiß. Der Wunsch aber, bis zum Schluss im eigenen Zuhause bleiben und dort friedlich im eigenen Bett für immer einschlafen zu können, wird wohl nur für die wenigsten in Erfüllung gehen.